Samstag, 7. Dezember 2019

Tesla bleibt an der Börse, Delisting abgesagt Der teure U-Turn von Tesla-Chef Elon Musk

Tesla-Chef Elon Musk: Börsen-Rückzug abgeblasen

Elon Musk hat seine Privatisierungspläne für den Elektroautobauer Tesla aufgegeben. Doch der Rückzug vom Börsenrückzug bleibt nicht ohne Folgen: Ein langjähriger Mitarbeiter der US-Börsenaufsicht SEC, Stephen Crimmins, sagte, Musks Rückzieher von den Privatisierungsplänen könnte ein Hinweis darauf sein, dass er keine belastbare Finanzierungsbasis für sein Delisting-Vorhaben hatte. Die SEC werde ihre Untersuchung nun erst recht fortführen. Dem Tesla-Chef droht eine Anklage wegen Marktmanipulation.

Rückzug vom Rückzug: Die Entscheidung von Elon Musk, seine Privatisierungspläne für Tesla aufzugeben und den Elektroautobauer an der Börse zu belassen, dürfte der Tesla-Führung noch einige unangenehme Fragen der Börsenaufsicht einhandeln. Am 7. August hatte Musk mit seinem mittlerweile legendären Tweet bekannt gegeben, dass er Tesla zu einem Preis von 420 Dollar je Aktie von der Börse nehmen wolle, die Finanzierung sei gesichert ("Funding secured").

Der rasche Rückzug von den Privatisierungsplänen nach nicht einmal 3 Wochen wirft nun erst recht die Frage auf, wie es mit der angeblichen Finanzierung des Delistings bestellt war. Sollte sich die Behauptung "Funding secured" als bloßes Geschwätz herausstellen, droht Musk eine Anklage wegen Marktmanipulation.

Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Comission (SEC) hat bereits eine Untersuchung angekündigt und laut Medienberichten die gesamte Tesla-Führung zur Befragung vorgeladen. Zudem haben einige Investoren bereits Klagen vorbereitet: Durch Musks kursbewegenden Tweet verloren so genannte Short-Seller, die auf einen Kursrutsch der Tesla-Aktie gewettet haben, mehr als zwei Milliarden Dollar. Dass der Kurs der Tesla-Aktie inzwischen wieder unter dem Niveau vom 7. August notiert, spielt dabei keine Rolle.

"Die SEC wird nun erst recht aktiv"

"Die SEC wird ihre Untersuchung nun erst recht fortführen", sagte Stephen Crimmins, ein langjähriger SEC-Mitarbeiter und aktuell Anwalt der Kanzlei Murphy & McGonigle, gegenüber Reuters. Musks U-Turn vom vergangenen Freitag, also der Rückzug vom Börsen-Rückzug, gebe der Untersuchung zusätzlichen Schwung: "Musks Rückzieher von den Privatisierungsplänen könnte ein Hinweis darauf sein, dass er keine belastbare Finanzierungsbasis für sein Delisting-Vorhaben hatte", so Crimmins.

Musks jüngster Tweet wecke Zweifel an seiner Behauptung vom 7. August, dass er bereits die Unterstützung von Investoren gesichert habe, ergänzte Rechtsanwältin Teresa Goody. Tesla-Chef Elon Musk werde der Börsenaufsicht SEC nun die Frage beantworten müssen, warum er so rasch von seinen Delisting-Plänen Abstand genommen und eine erneute Kehrtwende vollzogen habe.

Dass Elon Musk sich in den vergangenen Wochen sehr dünnhäutig, gereizt und genervt von Analysten gezeigt hatte, könnte ein Hinweis darauf sein, dass er sich ein Delisting von der Börse wirklich gewünscht und es für die bessere Option gehalten habe: Immerhin bliebe ihm dann die verhasste vierteljährliche Quartalsberichterstattung erspart. Aber der Wunsch allein, Tesla von der Börse zu nehmen, wird nicht ausreichen, um einer Untersuchung und möglichen Strafen der Börsenaufsicht zu entkommen.

Börsenrückzug nur ein Bluff? Goldman Sachs soll diese These zerstreuen

Inzwischen treibt manch Großaktionär die Befürchtung um, dass Elon Musk, der Tesla bislang als Ein-Mann-Show führt, selbst zum größten Risiko für das Unternehmen wird. Denn ausgerechnet jetzt durchläuft Tesla mit seinem Hoffnungsträger Model 3 die wohl kritischste Produktionsphase, weshalb Musk eigentlich stärker denn je gefordert ist.

Mit Blick auf Teslas strapazierte Kapitaldecke hat sich Musk mit dem Wirbel um eine mögliche Privatisierung erst recht keinen Gefallen getan. Um den Eindruck zu zerstreuen, der Tweet zum Börsenrückzug sei ein Bluff gewesen, wurden kostspielige Maßnahmen zur Prüfung der Idee ergriffen. So ließ sich Tesla etwa von der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und von den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten - sowas ist nicht billig. Hinzu kommen Rechtskosten wegen der Sammelklagen und der SEC-Ermittlungen.

Auch Volkswagen soll zu den interessierten Investoren gehört haben

Die hastig engagierten Berater Goldman Sachs und Silver Lake waren laut einem Bericht des Wall Street Journal in den vergangenen Wochen jedoch sehr aktiv: Angeblich habe sich Silver Lake selbst als potentieller Investor im Fall einer Privatisierung von Tesla ins Spiel gebracht. Zu einer möglichen Investorengruppe, die insgesamt rund 30 Milliarden Dollar beitragen wollte, habe neben Silver Lake auch der Volkswagen-Konzern gehört, berichtet das Wall Street Journal (kostenpflichtig) unter Berufung auf Insider. Doch die von Goldman und Silver Lake vorbereitete Präsentation habe sich nun erledigt.

mmo / reuters / dpa

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