Samstag, 21. September 2019

Abhängigkeit von Panasonic soll sinken Tesla plant offenbar eigene Zellproduktion

Gigafactory: In der Wüste von Nevada stellen Tesla und Panasonic gemeinsam Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos her

Zwar rechnen Experten für die Zukunft mit deutlich sinkenden Preisen, doch stellen die Batterien mit einem Kostenanteil von bis zu 40 Prozent immer noch die teuerste Komponente eines Elektroautos dar. Verständlich, dass Autobauer nach Wegen suchen, diese Kosten zu minimieren - erst recht dann, wenn sie eine Abhängigkeit von führenden asiatischen Zellenherstellern fürchten.

Tesla scheint diese Abhängigkeit jetzt reduzieren zu wollen. In allen seiner Modelle verbaut der E-Autopionier Batterien mit Zellen von Panasonic. Die Zusammenarbeit mit den Japanern in der gemeinsamen Tesla-Gigafabrik galt vielen lange Zeit als vorbildlich, zumal die Batterien mit einem deutlich geringeren Kobalt-Anteil auszukommen scheinen und dieser Kostenfaktor weiter sinken soll.

Zuletzt allerdings schien die Zusammenarbeit mit Panasonic Risse bekommen zu haben. So hatte Musk auf der jüngsten Hauptversammlung und via Twitter zu verstehen gegeben, dass Panasonic die E-Autoproduktion bei Tesla in Ermangelung an Zellen sogar gebremst habe.


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Nun forsche und arbeite Tesla an einer eigenen Batteriezellen-Produktion nahe der Autofabrik in Fremont, um sich unabhängiger von Panasonic zu machen, berichtet der US-Sender CNBC unter Berufung auf fünf Mitarbeiter.

Dieser Schritt könnte Tesla helfen, kostengünstigere und leistungsstärkere Elektroautos auf den Markt zu bringen. Die Produktion eigener Zellen würde auch Elon Musks Ziel eines möglichst vertikal integrierten Autobauers entsprechen, der so viel wie möglich selbst entwickelt, herstellt und vertreibt.

Derzeit konzentriere sich ein Tesla-Team auf die Entwicklung von Prototypen neuer Lithium-Ionen-Batteriezellen sowie auf neue Geräte und Verfahren, die es Tesla ermöglichen sollen, Zellen in hohen Stückzahlen herzustellen. Ganz offensichtlich sucht Tesla hier auch weitere Spezialisten, wie Stellenanzeigen mit entsprechendem Profil dokumentierten. Tesla und Panasonic wollten den Bericht nicht kommentieren.

Schon zur Hauptversammlung hatte Tesla den Willen zu einer eigenen Zellproduktion formuliert. "Es ist jetzt offensichtlicher als es jemals war, wir brauchen eine großtechnische Lösung für die Zellproduktion", hatte Teslas Technikchef JB Straubel erklärt. "Wir sitzen nicht untätig daneben. Wir unternehmen alle erforderlichen Schritte, um unser eigenes Schicksal zu meistern", bekräftigte Vize-Technikchef Drew Baglino.

Dass Tesla schon länger eigene Kompetenzen im Bereich Batteriezellenentwicklung und -Fertigung aufbauen will, deutete auch ein Zukauf vor einigen Monaten an. Im Februar schluckte Tesla den Batterie- und Speichertechnikspezialisten Maxwell.

Ganz so schnell werde Tesla aber die Verbindung zu Panasonic nicht lösen können, heißt es schließlich in dem CNBC-Bericht. Denn der Aufbau einer eigenen Zellenfertigung kostet zunächst einmal viel Geld, was Musks erklärtem Sparziel zuwider läuft. Tesla werde daher weiter mit Panasonic aber auch mit LG zusammenarbeiten, um die massenhaft benötigten Zellen für das Volumenmodell Model 3 zu produzieren - zum Beispiel für erste die Tesla-Autofabrik in China, die Ende dieses Jahres ihren Betrieb aufnehmen soll, um dann 2020 in die Massenproduktion einzusteigen.

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