Montag, 25. Mai 2020

Kampfansage an Volkswagen und Co Tesla erwägt massive Preissenkung für das Model 3 in China

Elon Musk setzt auf harten Wettbewerb und die neue Teslafabrik in China

Volkswagen-Vorstand und Vertriebschef Jürgen Strackmann gab sich zuletzt sehr selbstbewusst: mit den geplanten neuen Elektroauto-Modellen wollen die Wolfsburger Tesla ausbremsen. Fast schon großmütig erklärte der Vorstand Tesla zum Wegbereiter des VW-Erfolgs. Die jüngste Meldung aber dürfte Volkswagen aufhorchen lassen:

Tesla-Chef Elon Musk will die Preise für das Massenmodell Model 3 ab Mitte nächsten Jahres um 20 Prozent oder mehr senken und könnte damit den Wettbewerbern ordentlich zusetzen, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Insider. Das soll vorerst für alle in China produzierten Wagen gelten, wo Tesla in Shanghai eine neue Giga-Fabrik hochzieht und die im November gestartete Produktion auf mittlere Sicht auf bis zu 500.000 Fahrzeuge steigen soll.

Die Fabrik in Shanghai ist die erste in alleiniger Hand eines ausländischen Investors und die erste Tesla-Produktionsstätte außerhalb der USA. In ihr soll zunächst nur das Model 3 vom Band laufen,

Mit der Fabrik will Elon Musk nicht nur BMW und Daimler Paroli bieten, die ebenfalls auf neue Elektromodelle für den chinesischen Markt setzen. Sie ist zugleich eine Kampfansage an die lokalen chinesischen Produzenten selbst wie zum Beispiel Nio oder XPeng Motors.

China gilt als weltgrößter Markt für Elektroautos. Allerdings war der Absatz in den vergangenen Monaten merklich zurückgegangen, nachdem Peking die Subventionen für E-Fahrzeuge zusammengestrichen hat. Auch deshalb könnte eine Preissenkung auf größere Resonanz bei den chinesischen Konsumenten stoßen und den Marktanteil an Elektroautos in China erhöhen, glaubt Bill Russo, Chef des Beratungsunternehmens Automobility in Shanghai. Und für den Experten steht fest: Senkt Tesla die Preise, werden die Wettbewerber nachziehen müssen.

Derzeit ist ein Model 3 in China ab 355.800 Yuan (umgerechnet 50.800 Dollar) zu kaufen. Sinkt der Preis um ein Fünftel, würde der Startpreis für das Model 3 deutlich unter 300.000 Yuan rutschen. Zum Vergleich: Für seinen kleinen Elektro-SUV verlangt Nio in der Version ES6 rund 358.000 Yuan.

Tesla will mehr lokal gefertigte Komponenten verwenden

Für einen deutlich geringer kalkulierten Preis müssten allerdings auch die Produktionskosten signifikant sinken. Tesla will dies durch die Verwendung von mehr lokal gefertigten Komponenten schaffen. Damit würden zugleich die Zölle für importierte Bauteile sinken, heißt es. Die Aktien lokaler Zulieferer für die Produktion von Elektroautos in China jedenfalls zogen am Dienstag zwischen 5 und 10 Prozent an, berichtet Bloomberg.

Eine Analyse zur Gesamtsituation von Tesla hören Sie in unserem Podcast

Ein Teil der Preissenkungen müsste auch mit günstigeren Beschaffungskosten für die Batterien einhergehen, denn sie sind nach wie vor das teuerste Einzelbauteil eines Elektroautos. Tesla kooperiert hier bislang allein mit Panasonic. Doch kommt Wettbewerb ins Geschäft. So will Tesla künftig auch Batterien von LG Chem nahe Shanghai und der ebenfalls in China produzierenden Contemporary Amperex Technology (CATL) kaufen, heißt es.

Volkswagen wird die Fortschritte der Tesla-Fabrik und die Reaktionen der Kunden auf mögliche Preissenkungen für das Model 3 sehr genau verfolgen. Die Wolfsburger selbst wollen nach früheren Berichten bis Ende kommenden Jahres rund 30 neue elektrifizierte und reine Elektroautos auf den chinesischen Markt bringen - die Hälfte davon aus lokaler Produktion. 400.000 elektrifizierte Modelle will VW in China im kommenden Jahr ausliefern, fünf Jahre später sollen er 1,5 Millionen sein. Klar ist schon jetzt, der Wettbewerb um den weltgrößten Markt für Elektroautos wird sich deutlich verschärfen.

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