Tesla-Chef gibt Einblick in persönliche Belastung Elon Musks "entsetzliches Jahr" - und "das Schlimmste kommt noch"

Elon Musk, Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX

Elon Musk, Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX

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Sommerpause oder Urlaub - das ist etwas, was sich Tesla-Chef Elon Musk nicht gönnen mag und nun auch kaum kann. Vor Kurzem sorgte er mit seinen via Twitter angekündigten Plänen, Tesla von der Börse zu nehmen, für ordentlich Unruhe und hat sich eine Vorladung der US-Börsenaufsicht SEC eingehandelt. Ehemalige Mitarbeiter beschuldigen den Elektroauto-Hersteller öffentlich, bei Qualitätsstandards zu schlampen und Mitarbeiter auszuspähen. Investoren und Analysten wollen wissen, ob Tesla die Probleme bei der Produktion des Massen-Wagens Model 3 endlich im Griff hat.

Musk steht auf vielen Fronten kräftig unter Druck. Wie das dem 47-jährigen Multi-Unternehmer persönlich zusetzt, lässt ein Interview erahnen, dass Musk nun der New York Times (NYT) gab . Eine Stunde lang interviewte ein New-York-Times-Reporter den Tesla-Chef am Telefon. Der Reporter bekam ungewöhnliche Antworten von einem selbstreflektierten und teils den Tränen nahen Manager. Ungewöhnlich offen gab Musk Auskunft über sein persönliches Befinden und seine Verwundbarkeit - verteidigte dabei aber seinen umstrittenen Tweet zum Börsenrückzug klar.

"Das vergangene Jahr war das schwierigste und schmerzhafteste meiner Karriere", gab Musk gegenüber der NYT zu. "Es war entsetzlich." In letzter Zeit habe er bis zu 120 Stunden pro Woche gearbeitet. Es habe Phasen gegeben, in denen er die Gigafactory drei oder vier Tage lang am Stück gar nicht verlassen habe und nach draußen gegangen sei. "Das ging wirklich zulasten dessen, meine Kinder oder Freunde zu sehen", so Musk. Seinen 47. Geburtstag verbrachte er komplett mit Arbeit. "Die gesamte Nacht - keine Freunde, nichts", sagte der Milliardär dazu, der laut NYT sich schwertat, diese Worte auszusprechen.

Musks Freunde sorgen sich um seine physische Gesundheit

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Mehr als eine Woche freigenommen habe er sich seit dem Jahr 2001 nicht mehr - und damals lag er mit Malaria im Bett, erklärte Musk in dem Interview. So wenig Freizeit fordere auch einen hohen persönlichen Tribut. Unter dem enormen Arbeitsdruck leide seine physische Verfassung: "Das war in letzter Zeit ehrlich gesagt nicht großartig. Freunde, die vorbeigekommen sind, machen sich wirklich Sorgen".

Dem Tesla-Aufsichtsrat bereitet neben Musks hoher Arbeitsbelastung aber noch etwas anderes Kopfzerbrechen. Um einzuschlafen, nimmt Musk regelmäßig das Schlafmittel Ambien, fand die NYT heraus. Und einigen Unternehmenskontrolleuren sei bewusst, dass Musk gelegentlich in seiner Freizeit Rauschschmittel genommen habe, berichtet die US-Zeitung.

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Seinen mittlerweile berühmten Tweet zum Börsenrückzug (siehe oben), den Musk laut eigener Auskunft ohne Rücksprache mit Angestellten auf dem Weg zur Arbeit verfasste, verteidigte er allerdings vehement. Er bereue daran nichts, stellte Musk gegenüber der NYT klar. "Warum würde ich?", fügte er hinzu. Er habe auch keine Pläne, seine Nutzung des Kurznachrichtendiensts zu stoppen.

Allerdings haben mehrere Tesla-Aufsichtratsmitglieder laut NYT-Informationen Musk zuletzt erklärt, er solle Twitter sein lassen und sich darauf konzentrieren, Autos zu bauen und Raketen ins All zu schießen. Kein Wunder, denn die wilde Kurznachrichten-Kommunikation schadet dem Ruf von Musk und Tesla zusehends, warnen viele.

Musk erwartet "ein paar Monate extremer Folter von Short-Sellern"

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Musk selbst richtet sich auf weitere harte Monate ein. "Ich dachte, das Schlimmste sei vorüber - ich dachte, es wäre so", erklärte er in dem Interview. "Von einem operativen Tesla-Standpunkt aus ist das Schlimmste auch vorüber", so Musk. "Aber vom Standpunkt des persönlichen Schmerzes kommt das Schlimmste noch".

Schuld am vielen Stress seien vor allem die Leerverkäufer, die auf fallende Kurse bei Tesla wetten, meint Musk. Er bereite sich auf "zumindest ein paar Monate extremer Folter von Short-Sellern vor". Diese würden "verzweifelt versuchen, eine Erzählung voranzutreiben, die wahrscheinlich in Teslas Zerstörung resultiert."

Immerhin nimmt Musk seinen Gegner auf der Investorenseite durchaus ernst. "Das sind keine Dummköpfe, aber super-smart sind sie auch nicht. Die sind OK. Die sind 'smartish'", sagte er.

Suche nach Entlastungs-Manager für Musk läuft

Um Musks Arbeitsbelastung zu senken, sucht der Aufsichtsrat schon seit langem nach einer rechten Hand für Musk, einer Nummer zwei. Vor einigen Jahren habe Tesla laut Musk bei Sheryl Sandberg, der zweithöchsten Managerin von Facebook, angeklopft.

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Aktuell laufe seines Wissens nach aber keine aktive Suche nach einem Tesla-COO, erklärte Musk. Doch dem widersprechen Informanten der NYT . Die Suche sei zuletzt sogar wegen Musks Tweets intensiviert worden, berichtete einer.

Elon Musk selbst wiederholte gegenüber der NYT, dass er nicht plane, seine Zweifach-Rolle als Verwaltungsratsvorsitzender und CEO aufzugeben. Allerdings gab er sich auch in diesem Punkt durchaus selbstkritisch. "Wenn sie jemanden haben, der einen besseren Job macht, bitte, lasst mich es wissen. Er kann den Job haben", sagt er. "Gibt es jemanden, der diese Aufgabe besser erledigt? Der kann die Führung gleich jetzt übernehmen".