Elon Musk verlängert Zeitplan für Model 3 Tesla verirrt sich in der "Produktionshölle"

Tesla bekommt die Produktionsprobleme beim Hoffnungsträger Model 3 nicht richtig in Griff. Tesla-Chef Elon Musk muss die Produktionsziele erneut verschieben. Hat Tesla jetzt noch genug Geld?
Elon Musk gab sich zur Vorstellung des Model 3 im Juli 2017 noch selbstbewusst

Elon Musk gab sich zur Vorstellung des Model 3 im Juli 2017 noch selbstbewusst

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Preis, Reichweite, Spurtstärke...: Wie einzigartig ist Teslas Model 3 wirklich?

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Elon Musk hat die viel zitierte Produktionshölle offensichtlich noch lange nicht hinter sich. Der Tesla-Chef hat am späten Mittwochabend nach US-Börsenschluss ein weiteres Mal seine Ziele beim wichtigen Model 3 revidieren müssen und bleibt damit vorerst den Beweis schuldig, dass das Unternehmen Elektroautos in großen Stückzahlen ohne größere Probleme in Serie produzieren und rechtzeitig auf den Markt bringen kann.

Doch das ist nicht unerheblich. Denn Tesla verzehrt mit dem Aufbau der Massenproduktion des Model 3 enorm viel Geld: 480.000 Dollar stündlich, wie Analysten unlängst errechnet haben. Weitere Verzögerungen erhöhen zudem das Risiko, dass Kunden von ihren Vorbestellungen abspringen und die Anzahlung zurückfordern.

Wie Tesla in der Nacht mitteilte , wird der Elektroautopionier das versprochene Produktionsziel von 5000 Model 3 in der Woche voraussichtlich erst Anfang Juli und damit ein Quartal später erreichen. Ursprünglich wollte Tesla die Marke bereits Ende vergangenen Jahres erreicht haben, hatte das Ziel dann aber kurzerhand auf Ende März 2018 verschoben.

Elon Musk verliert wichtige Zeit im Wettbewerb

Nun also geht Musk erneut in die Verlängerung. Er verliert damit im Wettlauf mit Wettbewerbern wie Volkswagen oder Nissan wichtige Zeit. So baut Nissan mit dem "Leaf" das weltweit meisterverkaufte Elektroauto bereits in der zweiten Generation. Die neue Version für knapp 32.000 Euro und einer garantierten Reichweite von 380 Kilometern soll in wenigen Wochen auf den Markt kommen. Und in den USA trumpft der Volt von Chevrolet bereits kräftig auf.

Tesla-Fabrik in Fremont, Kalifornien

Tesla-Fabrik in Fremont, Kalifornien

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Auch wenn Tesla nach eigenen Worten in den vergangenen Tagen die Produktion seines Hoffnungsträgers deutlich hochfahren konnte, kamen am Ende des vierten Quartals dabei nicht mehr als 1550 Model 3 heraus. Analysten der Wall Street hatten laut Reuters im Schnitt mit 4100 Einheiten gerechnet, von Bloomberg befragte Analysten hatten durchschnittlich 2900 Einheiten erwartet.

Aktionäre zeigten sich verschnupft, Tesla-Papiere gaben nachbörslich gut 2,7 Prozent nach. Der große Kurseinbruch, den manche Marktteilnehmer für diesen Fall prognostiziert hatten, blieb aber zunächst aus.

Geht Tesla jetzt das Geld aus?

Das könnte auch daran gelegen haben, dass Tesla im Schlussquartal insgesamt 29.870 Elektroautos ausliefern konnte - ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im ganzen Jahr 2017 setzte Tesla insgesamt 101.312 Model S und Model X ab, was nach Unternehmensangaben einem Zuwachs von 33 Prozent gegenüber 2016 entspricht.

Analysten und Aktionäre beschäftigt nun die Frage, ob wegen der erneuten Verzögerungen und des enormen Kapitalbedarfs das Geld reicht oder der Elektroautopionier erneut den Kapitalmarkt anzapfen muss. Tesla war laut Bloomberg  mit Mitteln von 3,5 Milliarden Dollar ins vierte Quartal gestartet und wollte im abgelaufenen Quartal mindestens eine weitere Milliarde Dollar investieren.

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"Sie haben nicht mehr viel Spielraum", erklärte Analyst Joseph Spak von RBD Capital Markets. Mit einer Kapitalerhöhung rechne er dennoch nicht. Jeff Osborne, Analyst bei Cowen & Co, der Tesla-Aktien zum Verkauf empfiehlt, pflichtet dem Kollegen bei, gibt allerdings zu bedenken, dass Tesla mit verschobenen Produktionszielen auch seine Ausgabe verschieben könne.

Wie Musk finanzielle Engpässe überbrücken könnte

Kleinere finanzielle Engpässe könnte Musk überbrücken, wenn etwa Käufer des angekündigten neuen Super-Roadster den Kaufpreis von 250.000 Dollar vorab bezahlen. Bei einer limitierten Stückzahl von 1000 spülte diese Strategie allein schon 250 Millionen Dollar in die Tesla-Kassen. Selbst für die herkömmliche Roadster-Version müssen Käufer 50.000 Dollar vorstrecken, dann allerdings auf ihr Statussymbol wohl lange warten.

Doch die Phase, in der Elon Musk vor allem teure, viel bestaunte Elektroautos in kleinen Stückzahlen für eine verwöhnte und Status bewusste Klientel baut, will er möglichst schnell hinter sich lassen. Das muss er auch, soll Tesla als Autobauer überleben, sind Analysten überzeugt.