Kampf um die Weltspitze Chinas BYD verkauft mehr Elektroautos als Tesla

Während Tesla schwächelt, startet die Konkurrenz aus Fernost durch: Der chinesische Elektroautobauer BYD steigerte seine Verkäufe im ersten Halbjahr um mehrere 100 Prozent und entthronte Elon Musk zumindest für diesen Zeitraum als Branchenkönig.
Prominente Fans: BYD-Chef Wang Chuanfu vor einigen Jahren mit den Investoren Charlie Munger und Warren Buffett von Berkshire Hathaway und Microsoft-Multimilliardär Bill Gates (v. l.)

Prominente Fans: BYD-Chef Wang Chuanfu vor einigen Jahren mit den Investoren Charlie Munger und Warren Buffett von Berkshire Hathaway und Microsoft-Multimilliardär Bill Gates (v. l.)

Foto: REUTERS

Viele Autohersteller in China litten in den vergangenen Monaten unter Produktionsengpässen aufgrund von Covid-19-Lockdowns. Der US-Elektroautobauer Tesla etwa, bisher globaler Platzhirsch in seinem Geschäft, musste unter anderem aus diesem Grund zuletzt das Ende seiner Serie von quartalsweisen Absatzsteigerungen hinnehmen. Im zweiten Quartal 2022 verkaufte Tesla erstmals seit Langem weltweit weniger Autos als im Quartal zuvor.

Der chinesische Hersteller BYD dagegen hat ein von Corona weitgehend unbeeinträchtigtes erstes Halbjahr hinter sich. So konnte der Konzern, an dem auch US-Investmentlegende Warren Buffett beteiligt ist, seinen Absatz in den ersten sechs Monaten 2022 einer Mitteilung zufolge  um mehr als 300 Prozent auf 641.350 Fahrzeuge steigern.

BYD entthronte damit zumindest für diesen Zeitraum Tesla und dessen Chef Elon Musk (51) als erfolgreichsten Verkäufer von Elektroautos rund um den Globus. Die Amerikaner hatten vor wenigen Tagen für das erste Halbjahr Gesamtverkäufe von 564.000 Autos bekannt gegeben. Neben Lockdowns in China war Teslas Produktion dabei insbesondere im zweiten Quartal auch durch Lieferengpässe beeinträchtigt.

BYD dagegen hat laut "Financial Times"  das Glück, dass seine Fabriken in China kaum in den Regionen liegen, die in den vergangenen Monaten von Corona-Ausnahmezuständen betroffen waren.

Damit nicht genug: Laut "FT" schob sich BYD auch im Ranking der Batteriezellenhersteller weiter nach vorne. Der Konzern habe LG aus Südkorea überholt und belege nun weltweit Rang zwei hinter CATL, ebenfalls China, so die Zeitung.

Das Vorrücken von BYD steht sinnbildlich für den Vormarsch chinesischer Elektroautobauer auf dem Weltmarkt. Insbesondere in Europa, wo etablierte Konzerne wie Volkswagen oder Renault ebenfalls unter Chipmangel und Lieferengpässen leiden, setzen Hersteller aus Fernost gegenwärtig dazu an, Marktanteile zu erobern. manager magazin berichtete über die Entwicklung vor wenigen Tagen bereits in einem umfangreichen Branchen-Report .

Auch die "FT" zitiert Analysten, die eine "tektonische Verschiebung" auf dem weltweiten Automarkt erwarten, angesichts von chinesischen Elektroautobauern, die ihren Fokus zunehmend auf das Exportgeschäft legen.

BYD wurde 1995 von dem chinesischen Chemiker Wang Chuanfu (56) gegründet, der noch heute an der Spitze des Konzerns steht. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz im chinesischen Shenzhen, verfügt aber mittlerweile eigenen Angaben zufolge über mehr als 30 Produktionsstätten weltweit. Neben Elektroautos und Batteriezellen produziert der Mischkonzern beispielsweise auch Akkus für Mobiltelefone.

2021 erzielte BYD ("Build Your Dreams") einen Gesamtumsatz von knapp 211,3 Milliarden Yuan (rund 30 Milliarden Euro), ein Wachstum von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Nettoergebnis, das auf die Aktionäre von BYD entfällt, sank im gleichen Zeitraum allerdings um 28 Prozent auf gut drei Milliarden Yuan (429 Millionen Euro).

BYD-Aktie hat sich im Wert seit Frühjahr etwa verdoppelt

Die Aktie von BYD machte Investoren in den vergangenen Monaten jedoch Freude. Das Papier hat seinen Wert nach einem Tief im März ungefähr verdoppelt. An der Börse in Hongkong wird BYD gegenwärtig mit einem Marktwert von umgerechnet etwa 127 Milliarden Euro gehandelt. Zum Vergleich: Tesla kommt momentan auf einen Marktwert von 706 Milliarden Dollar (676 Milliarden Euro). Bei Volkswagen beträgt der Börsenwert gegenwärtig 75,8 Milliarden Euro.

cr
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