Musks "Wette in Deutschland" Tesla greift BMW, Daimler, Audi und Porsche in der Heimat an

"Wir machen eine Wette in Deutschland": Tesla-Chef Elon Musk will den Heimatmarkt von Audi, BMW und Co. aufmischen. Dazu plant er ein beispielloses Netz von Gratis-Schnellladern und will den Absatz massiv steigern - dafür gibt es ein Upgrade für Fahrten bei Tempo 200.
Attacke aus Amerika: Tesla-Chef Elon Musk (l.) fordert auch BMW und seinen Chef Norbert Reithofer in Deutschland heraus

Attacke aus Amerika: Tesla-Chef Elon Musk (l.) fordert auch BMW und seinen Chef Norbert Reithofer in Deutschland heraus

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Hamburg - Die Szenerie in Feldkirchen bei München hatte etwas von den legendären Auftritten des verstorbenen Apple-Chefs Steve Jobs. Auf der Bühne ein Manager. Zu seinen Füßen: das Publikum. Gefällt den Zuhörern etwas, applaudieren sie nicht, sie jubeln. Viele filmen den Auftritt mit ihren Smartphones. Immer wieder brechen alle zusammen in schallendes Gelächter aus.

Etwa 400 Kunden, Fans und Geschäftspartner von Tesla  quetschten sich am Montag Abend ins neue Auslieferungszentrum des US-Elektroautobauers, um dem Gründer zuzuhören (Videos hier  und hier ). Und schon gleich zu Anfang gibt es Ovationen: "Deutschland gilt im Moment unser Hauptaugenmerk!", ruft Musk in die Menge.

Mit gutem Grund: Noch hat Tesla vergleichsweise wenig Exemplare seines Model S (Reichweite: 500 Kilometer, Preis: ab 71.400 Euro) in der Bundesrepublik ausgeliefert. Doch das sind laut Verkaufsgenie Musk nur kleine Anfangsprobleme. Er denkt in größeren Dimensionen: Es ist nicht weniger als ein Frontalangriff auf die deutschen Premiumhersteller Audi , Porsche , BMW  und Daimler , den der selbstbewußte Tesla-Chef in Feldkirchen verkündet:

• Bis Ende 2014 will Tesla pro Woche 200 bis 300 Autos nach Deutschland liefern, also etwa 1000 im Monat. Sofern das Kraftfahrt-Bundesamt das Model S als Oberklassefahrzeug einstuft, käme Musks Plan dem Griff nach der Krone im Königssegment gleich - die S-Klasse von Mercedes, der 7er-BMW und Audis A8 erreichen keine vierstelligen Verkaufszahlen. Porsche kam mit dem Panamera im September gar nur auf 180 Wagen

"Wenn wir hier keinen Erfolg haben, ist das ein schlechtes Zeichen"

Gehen Musks Pläne auf, wäre der deutsche Markt - pro Einwohner gerechnet - für Tesla sogar wichtiger als die USA. "Wir machen eine Wette in Deutschland und investieren viel", begründet Musk sein Feuerwerk. "Wenn wir hier keinen Erfolg haben, ist das ein schlechtes Zeichen"

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Elektroautopionier: Mit welchen Stromern Tesla angreift

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• Am Donnerstag will Tesla seine Pläne für ein Netz von Schnelllade-Stromtankstellen in Deutschland detailliert darlegen. Zum Start sollen sechs Säulen verfügbar sein, die aller Voraussicht nach Langstreckenfahrten zwischen München und den Niederlanden ermöglichen

• Bis Ende März 2014 sollen 50 Prozent der Deutschen eine solche Schnellladestation im Umkreis von 200 Kilometern vorfinden. Bis Ende 2014 sollen alle Regionen zu 100 Prozent abgedeckt sein, so die kühnen Pläne. Derart engmaschig ist auch das geplante Netz in den USA nicht. Vorgesehen sind 40 bis 50 Säulen, die die Batterien mit 135 Kilowatt laden - das ist ein Vielfaches dessen, was es bisher gibt. In 30 Minuten hat der Akku wieder Saft für mehr als 300 Kilometer. Der Strom soll zeitversetzt mit Hilfe von Solaranlagen produziert werden und ist für Besitzer des Model S laut Musk kostenlos - für immer

Mittelfristig will Tesla eine Million Autos im Jahr bauen

• Um das Model S auch eingefleischten Schnellfahrern schmackhaft zu machen, gibt es eine Zusatzausstattung für den deutschen Markt. Das Fahrgefühl solle für hohe Geschwindigkeiten bis knapp über 200 Stundenkilometer verbessert werden, sagt Musk. Zudem soll die Software des Autos besser als bisher die Restreichweite bei Schnellfahrten berechnen. Zudem schlägt sie dem Fahrer die optimale Geschwindigkeit vor, bei der er es ohne Ladestopp bis an sein Ziel schafft. Dazu soll die Software sogar die aktuelle Windgeschwindigkeit und -Richtung auf der Strecke berücksichtigen

• Schon bis Anfang 2014 will Tesla die Zahl der Werkstätten in der Bundesrepublik deutlich erweitern. Etwa 80 Prozent der Deutschen sollen es maximal 100 Kilometer bis zum nächsten Service-Center haben

• Die Wartezeit für das Model S soll in Deutschland auf vier Wochen schrumpfen.

Damit spielt Deutschland eine wichtige Rolle für Tesla auf dem Weg zu einem Massenhersteller. In diesem Jahr will das Unternehmen 21.000 Autos verkaufen, 2014 sollen es 40.000 werden. Ende 2014 kommt das Model X, ein großer SUV auf den Markt. Im Frühjahr 2015 will Musk den Prototyp eines Massenmodells vorstellen, das er selbst mit dem 3er-BMW vergleicht. Mittelfristig will Tesla eine Million Autos im Jahr produzieren - dieses interne Ziel bestätigten mehrere Insider gegenüber manager magazin online.

In Ingolstadt, Wolfsburg und München dürften die Pläne für Aufsehen sorgen. Lange hatten deutsche Automanager die Visionen des Multi-Unternehmers Musk nur milde belächelt. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sagte noch im vergangenen Jahr, ein Elektroauto könne nicht weiter als 150 Kilometer weit fahren.

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Elon Musks Traumfabrik: Wo Teslas Model S entsteht

Foto: Winni Wintermeyer für manager magazin

Es sei fraglich, ob Autofahrer bereit seien, einen hohen Öko-Aufpreis für einen Tesla zu bezahlen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller im Frühjahr gegenüber manager magazin online. Nachdem Tesla in den USA die ersten Verkaufserfolge erzielte, hat Müller in Windeseile einen Panamera für die Steckdose auf den Markt gebracht und preist die Dynamik des Elektromotors. Bei Audi erwägt man ernsthaft ein Comeback des Elektro-Sportwagens E-tron, wie manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

In München hatte BMW-Chef Norbert Reithofer bei manchen Mitstreitern einen schweren Stand, als er sein Elektroauto-Projekt mit den Wagen i3 und i8 umsetzte.

Ob auch Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch inzwischen umdenkt? In den vergangenen Jahren hatte er immer wieder betont, dass er nicht an den Erfolg von Elektroautos glaubte. Zumindest die Kalifornier nimmt er inzwischen aber offenbar ernst. Der Autofürst hat ein Model S in seinem Fuhrpark aufgenommen. Er will offenbar genau wissen, wer ihn da auf seinem Heimatmarkt angreift.