Werk in Grünheide wird eröffnet Warum Elon Musk sich heute richtig feiern lässt

Am Dienstag rollt in Brandenburg der erste in Deutschland produzierte Tesla vom Band. Marketinggenie Elon Musk wird die Gelegenheit nutzen, aus dem Produktionsstart ein Ereignis der höheren Art zu machen. Das Timing für Musk ist günstig – viele Faktoren spielen Tesla derzeit klar in die Karten.
Tesla-Chef Elon Musk: Alles eine Nummer größer

Tesla-Chef Elon Musk: Alles eine Nummer größer

Foto: MICHELE TANTUSSI / REUTERS

Am Dienstag wird Tesla-Chef Elon Musk (50) mit viel Getöse offiziell die erste Tesla-Gigafactory im brandenburgischen Grünheide eröffnen. Dabei wird der Tech-Milliardär unter den Augen von 500 exklusiv geladenen Gästen voraussichtlich alle Register der Selbstinszenierung ziehen. Neben Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, 63) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne, 52) erwartet Musk noch zahlreiche weitere politische Prominenz.

Zur Eröffnung am Dienstag ist Musk natürlich persönlich angereist. Der Tesla-Chef wird das in Deutschland erste produzierte Model Y seinem neuen Besitzer persönlich übergeben. Eine Ehre für den Kunden – erschafft Musk doch einen Hype um seine Person wie kaum ein anderer Nicht-Popstar der Moderne.

Insgesamt dürfen 30 Kunden in Grünheide dabei zusehen, wie ihre neuen Schmuckstücke vom Band rollen. Da es zum Prinzip Tesla gehört, einen Kult um das Auto zu schaffen, dürfte jeder einzelne neue Besitzer eines Model Y Made in Brandenburg heute gebührend gefeiert werden. Eine solche Gelegenheit auszulassen, wäre aus Sicht jedes Marketingexperten schlicht fahrlässig.

Die Vorarbeiten sind bereits erledigt. Musk hat es geschafft, dass jede seiner Fabriken nicht einfach "Fabrik" heißt, sondern "Gigafactory". Der von ihm geprägte Begriff ist inzwischen so geläufig, dass kaum noch jemand nachfragt, was an dieser großen Fabrik eigentlich das Wort "Giga" begründet. Musk erfüllt die Sehnsucht nach etwas Großem, Außergewöhnlichem – auch in Brandenburg.

Comeback der Industrie in Ostdeutschland: Tesla als Pionier

Auch andere Faktoren spielen Musk und seiner neuen Fabrik derzeit in die Karten. So hat der Standort Ostdeutschland bei vielen Investoren zuletzt stark an Attraktivität gewonnen. Mitte März kündigten nach Tesla gleich zwei Konzerne den Bau großer Fabrikkomplexe in Deutschland an: Der Chipkonzern Intel will zwei neue Fabriken in Magdeburg bauen, der Batterieproduzent Northvolt investiert Milliarden in ein neues Werk in Schleswig-Holstein.

Der Tesla-Chef hat mit seiner Werkansiedlung vor rund zwei Jahren den Anfang gemacht. Musk hat den Konkurrenten Volkswagen mit einem Neubau in direkter Nachbarschaft schockiert und die Politik mit seinen Wachstumsplänen begeistert.

Schwindendes Vertrauen in die Globalisierung

Und auch der Trend zur Renationalisierung und das schwindende Vertrauen in die Globalisierung kommen dem Tech-Milliardär und seiner Fabrik entgegen. Bereits die Corona-Pandemie und die Spannungen zwischen den USA und China führten zu der Frage, ob wichtige Technologien nicht wieder vermehrt auf dem eigenen Kontinent und im eigenen Land angesiedelt werden sollten.

Erst Anfang März hatte Tesla die endgültige Baugenehmigung für das Werk in Grünheide erhalten. Eigentlich beabsichtigte der US-Konzern bereits im Juli 2021 in Brandenburg hergestellte Modelle auszuliefern, doch der Produktionsstart verzögerte sich. Vor der finalen Genehmigung mussten Behörden noch die Sicherheitsvorkehrungen in Sachen Chemikalien und für die Abwasserreinigung begutachten. Das Land Brandenburg legte der Fabrik schließlich zwei Jahre nach Baubeginn rund 400 Auflagen und Bedingungen zum Trinkwasser, zur Reinhaltung der Luft und zum Umgang mit Störfällen auf.

Jetzt aber kann Tesla die Produktion mit voller Rechtssicherheit hochfahren. Die Genehmigung aus Brandenburg pflegt das Image des Tesla-Chefs: Wer schon beim Fabrikbau volles Risiko geht, wird am Ende belohnt. Das Tempo von Tesla sollte "Vorbild für Investitionsprojekte in Deutschland sein", lobte BDI-Chef Siegfried Russwurm (58) schon vor der Eröffnung. Tesla, der Leuchtturm.

Ukraine, Rohstoffe, Benzinpreise: Elon Musk, der Weltretter

Offen ist, mit welchen Tweets Musk die Fabrikeröffnung in Grünheide begleiten wird. Mit seinen jüngsten Tweets erwies sich der Tesla-Chef als Geisterfahrer: So forderte der 50-Jährige erst kürzlich den russischen Machthaber Wladimir Putin (69) zu einem Zweikampf heraus. "Hiermit fordere ich Wladimir Putin zum Kampf Mann gegen Mann heraus", schrieb Musk auf Twitter. Als Einsatz nannte er die Ukraine. Von solchen absurden Volten sollten die Tesla-Freunde heute hoffentlich verschont bleiben.

Der Krieg in der Ukraine hat Musk schon mehrfach Anlass gegeben, sich als Weltretter zu inszenieren. Kurz nach dem Beginn der Invasion hatte er der Ukraine bereits seinen Starlink-Internetdienst zugesichert, um die von den Militärschlägen betroffenen Gebiete mit Internet zu versorgen.

Nun wird Musk mit seiner Elektroauto-Fabrik auch noch zum potenziellen Erlöser der deutschen Autofahrer. In Zeiten von exponentiell wachsenden Preisen für Diesel und Superbenzin könnte der Wandel zur Elektromobilität noch einmal einen weiteren Schub bekommen. Auch hier kommt die Eröffnung der Gigafactory im genau richtigen Moment.

Umweltschützer bleiben skeptisch

Viele Umweltschützer und Anwohner bleiben trotz der großen Tesla-Show skeptisch. Sie befürchten mit Blick auf die Elektroautofabrik Wasserknappheit und negative Folgen für die Umwelt. Während der Eröffnung wollen die Bürgerinitiative Grünheide, der Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg sowie der Berliner Wassertisch und die Wassertafel Berlin-Brandenburg gegen die Ansiedlung demonstrieren. Tesla hatte die Bedenken stets zurückgewiesen und den geplanten maximalen Wasserverbrauch gesenkt. Ob diese Rechnung aufgeht, ist ungewiss – spielt aber am heutigen Tag für Tesla keine Rolle.

Mit Material von DPA