Elon Musk vor Gericht "Wahrscheinlichkeit eines Überlebens war extrem niedrig"

Vor Gericht in den USA muss Tesla-Chef Elon Musk sein gigantisches Vergütungspaket verteidigen. Dabei gibt er Einblicke in die schwierige Zeit, die der Elektroautobauer vor einigen Jahren durchlebte. Auch über seine Zukunft bei Twitter äußerte sich Musk.
Angekommen: Tesla-Chef Elon Musk hat bei Tesla wilde Zeiten hinter sich – inzwischen ist er erfolgreich

Angekommen: Tesla-Chef Elon Musk hat bei Tesla wilde Zeiten hinter sich – inzwischen ist er erfolgreich

Foto: OLIVER CONTRERAS / AFP

Mitten in den Turbulenzen nach seinem Kauf von Twitter muss Tesla-Chef Elon Musk vor Gericht Rede und Antwort in einem Prozess um sein 56 Milliarden Dollar schweres Vergütungspaket beim Elektroautobauer stehen. Als dieses vereinbart worden sei 2017 habe er es "für äußerst unwahrscheinlich" gehalten, dass seine damals ums Überleben kämpfende Firma erfolgreich wäre, sagte Musk am Mittwoch als Zeuge in dem Gerichtsprozess in Delaware.

Er habe sich damals voll und ganz auf Tesla konzentriert und keineswegs die Konditionen seiner Bezahlung diktiert. In dem Verfahren wird über die 2018 eingereichte Klage des Tesla-Aktionärs Richard Tornetta verhandelt. Dieser will beweisen, dass Musk seine Dominanz ausnutzte und die Bedingungen des Bonusplans selbst bestimmte.

Als das Aktienpaket mit einem heutigen Wert von rund 50 Milliarden Dollar (rund 48 Milliarden Euro) beschlossen worden sei, hätten Investoren gedacht, "dass wir scheitern und Bankrott gehen werden", sagte Musk.

"Wir waren damals in einer ziemlich harten Lage, wir verloren viel Geld", sagte der reichste Mensch der Welt weiter. "Die Wahrscheinlichkeit eines Überlebens war extrem niedrig." Die Automobilindustrie habe sich lange Zeit über Tesla lustig gemacht. "Sie dachten, Elektrofahrzeuge sind ein Witz", sagte Musk. Der Durchbruch sei Tesla erst mit dem gewaltigen Erfolg seines Model 3 gelungen.

"Sie dachten, Elektrofahrzeuge sind ein Witz"

Elon Musk über seine Konkurrenten in der Autoindustrie

Die vorgegebenen Leistungsziele für Musk waren nach Argumentation des Klägers leicht zu erreichen gewesen. Es sei nicht mal verlangt worden, dass der Firmenchef seine volle Arbeitskraft dem US-Elektroautopionier widmet. Dieser sei schon damals nur ein Teilzeit-Chef gewesen, da er zugleich die Weltraumraketenfirma SpaceX führte. Mit der Online-Plattform Twitter erweiterte er sein Firmenimperium auf etwa ein halbes Dutzend.

Musk konnte nach den Regeln des Bonuspakets bei Erreichen jedes einzelnen von einem Dutzend Zielen ein Prozent der Tesla-Aktien mit hohem Abschlag kaufen. Mittlerweile sind elf der Ziele abgearbeitet. Tesla wurde der wertvollste börsennotierte Autobauer mit einem Marktwert von 650 Milliarden Dollar, Musk der reichste Mensch der Welt.

Musk will neuen Chef für Twitter finden

Eine Vorgabe, nach Stechuhr zum Nachweis seiner Arbeitszeit zu arbeiten, hätte er nicht akzeptiert, erklärte Musk weiter. "Ich arbeite fast die ganze Zeit", sagte er. Schon früher hatte der Manager Anekdoten erzählt, dass er in der Zeit der schlimmsten Produktionsprobleme bei Tesla pausenlos in der Firma war und in der Fabrikhalle übernachtete. So ist es auch jetzt wieder – Musk arbeitet nach eigener Aussage auf Twitter derzeit rund um die Uhr in der Zentrale des Unternehmens in San Francisco, um Probleme zu lösen. Musks Verteidiger erklärten, der Bonusplan sei von unabhängigen Vorstandsmitgliedern erarbeitet worden, die externe Berater und Großaktionäre darüber konsultiert hätten.

Normalerweise haben Aktionärsklagen gegen Manager-Bezahlung vor US-Gerichten kaum Erfolgsaussichten. Das Verfahren wurde eröffnet, weil Musk zugleich Teslas größter Aktionär ist und dann strengere Vorschriften gelten.

Musk äußere sich vor Gericht auch zu seiner Zukunft bei Twitter. Der neue Twitter-Besitzer geht nach eigenen Angaben davon aus, dass er in Zukunft weniger Zeit mit dem Kurznachrichtendienst verbringen wird. Ohnehin werde früher oder später jemand anders Twitter leiten, sagte der Tesla-Chef am Mittwoch während einer Gerichtsverhandlung in Delaware. "Nach der Übernahme muss es zunächst einen Sturm der Aktivität geben, um das Unternehmen zu reorganisieren", sagte der Milliardär. "Aber ich erwarte, danach meine Zeit bei Twitter zu reduzieren." Seit seiner Machtübernahme krempelt Musk das soziale Netzwerk im Eiltempo um. Unter anderem hat er eine Entlassungswelle angestoßen.

cr/Reuters, AFP
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