Kryptowährung bricht ein Tesla stoppt Autokauf und Handel mit Bitcoin

Tesla will vorerst keine Bitcoin mehr handeln und stoppt auch Zahlungen mit der Digitalwährung - wegen der miesen Umweltbilanz. Holt Tesla-Chef Elon Musk plötzlich das schlechte Gewissen ein?
Vom Saulus zum Paulus? Tesla-Chef Elon Musk stört sich auf einmal an der schlechten Energiebilanz des Bitcoin

Vom Saulus zum Paulus? Tesla-Chef Elon Musk stört sich auf einmal an der schlechten Energiebilanz des Bitcoin

Foto: BRENDAN SMIALOWSKI/ AFP

Der US-Elektroautobauer Tesla hat Zahlungen mit der Kryptowährung Bitcoin wegen Umweltbedenken angesichts des hohen Stromverbrauchs gestoppt. Der Konzern habe die Entscheidung wegen des rapide ansteigenden Verbrauchs von fossilen Brennstoffen für die Herstellung von und Transaktionen mit Bitcoins getroffen, erklärte Tesla-Chef Elon Musk (49) am Mittwoch (Ortszeit) bei Twitter. Vor allem, dass viel Kohleenergie dafür genutzt werde, sei bedenklich.

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Musks Tweet ließ den Bitcoin-Preis schlagartig um Tausende Dollar abstürzen. Zuletzt lag der Kurs nur noch bei 48.000 Dollar - über 15 Prozent niedriger als vor einem Tag. Allerdings standen Kryptoanlagen im allgemeinen Abwärtstrend an den Börsen zur Wochenmitte schon vor Musks Statement deutlich unter Druck. Nicht nur Bitcoin, auch die zweitgrößte Digitalwährung Ether, das Krypto-Meme Dogecoin und andere Cyberdevisen wie Binance Coin und Ripple gaben stark im Kurs nach.

Dabei machte Musk klar, dass er grundsätzlich ein Fürsprecher der Branche bleibt: "Kryptowährung ist auf vielen Ebenen eine gute Idee und wir glauben an eine vielversprechende Zukunft, aber dies kann nicht zu großen Lasten der Umwelt gehen", hieß es in seinem Statement. Tesla hatte im Februar erklärt, 1,5 Milliarden Dollar Firmenkapital in Bitcoin investiert zu haben und die Kryptowährung künftig auch als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Die Ankündigung hatte dem Bitcoin und der Aktie von Tesla einen kräftigen Schub versetzt: Elon Musk profitierte doppelt.

Saubere Autos mit der dreckigsten Währung der Welt bezahlen? Zweifelsohne wird Tesla-Chef Musk dieser Widerspruch von Anfang an klar gewesen sein. Denn schon lange steht der Bitcoin wegen des hohen Stromverbrauchs, den das sogenannte Mining - die Herstellung der Währungseinheiten durch energieaufwendige Rechnerprozesse - erfordert, bei Umweltschützern in der Kritik. Der große PR-Effekt auf der einen und - zumindest kurzfristige - Kursgewinne auf der anderen Seite hatten aber offenbar schwerer gewogen als das womöglich schlechte Gewissen.

Nun will Tesla laut Musk auch keinen Bitcoin-Handel mehr betreiben, so lange die Energiebilanz sich nicht deutlich verbessert hat. Im jüngsten Geschäftsquartal hatte das Unternehmen für fast 300 Millionen Dollar seiner zuvor gekauften Bitcoins wieder verkauft und daran nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Dollar verdient.

Tesla will vorerst keine Bitcoin mehr handeln - wegen der Umweltbilanz

Die Diskussion um die Umweltbilanz und die Effizienz von Bitcoin ist keineswegs neu und es blieb zunächst unklar, warum Musk das Thema erst jetzt als problematisch einstuft. Viele Kritiker stören sich daran schon lange. Laut dem Bitcoin Energy Consumption Index der Online-Plattform Digiconomist, die sich unter anderem für umweltfreundlichere Krypto-Technologien einsetzt, verbraucht Bitcoin derzeit in etwa so viel elektrische Energie wie die Niederlande. Der CO2-Fußabdruck der Digitalwährung entspreche ungefähr dem Singapurs.

Bitcoin- und Krypto-Anhänger wie Twitter-Chef Jack Dorsey (44) argumentieren damit, dass die Umweltbilanz mit der fortschreitenden Verbreitung von Erneuerbaren Energien langfristig wesentlich besser werden dürfte. Allerdings stehen viele Server-Farmen, die zum Bitcoin-Mining im großen Stil genutzt werden, in Ländern mit relativ geringen Stromkosten wie China oder Kasachstan. Hier stammt die Energie aber häufig aus vergleichsweise umweltschädlichen Quellen wie Kohle. Daran scheint sich nun auch Tesla-Chef Musk stärker zu stören.

rei/dpa-afx
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