Elektroautobauer veröffentlicht Sicherheitsbericht Steigende Unfallzahlen - Rätseln um Teslas Autopiloten

Tesla Model 3 - Im Schnitt verursacht Tesla weniger Unfälle als der US-Durchschnitt - ob mit oder ohne Autopilot

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Der Name sorgt seit Jahren für Streit: "Autopilot" nennt der Elektroautohersteller Tesla sein Assistenzsysteme-Paket. Die Kombination von Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren und Software sorgt in Tesla-Autos dafür, dass die Wagen automatisch die Spur und die eingestellte Geschwindigkeit halten, der Abstand zum Vordermann sicher bleibt - oder das Auto bei Betätigen des Blinkers sogar selbstständig ein Überholmanöver einleitet.

All das kann für Fahrer auf langen Autofahrten durchaus entlastend sein. Von einem wirklich selbstfahrenden Auto ist ein Tesla  mit eingeschaltetem Autopilot allerdings noch ein weites Stück entfernt - auch wenn Tesla-Chef Elon Musk schon häufig etwas anderes suggeriert hat. Denn auch bei eingeschaltetem Autopiloten muss ein menschlicher Fahrer den Straßenverkehr permanent überwachen, um in Sekundenschnelle eingreifen zu können. Die Assistenzsysteme arbeiten längst noch nicht fehlerfrei. Sie haben - wie auch die Systeme der Konkurrenz - etwa Probleme, Straßenteiler auf Autobahnen richtig zu erkennen oder der Spurführung bei Baustellen korrekt zu folgen. Die Kameras und Sensoren funktionieren bei Dunkelheit, Nebel, Regen oder Schneefall nicht besonders gut.

Trotz all dieser Einschränkungen, so behauptet Tesla schon lange und durchaus mit Berechtigung, macht der Autopilot das Fahren insgesamt sicherer - weil Menschen eben noch fehleranfälliger sind als Computer. Allerdings, so zeigt eine von Tesla nun veröffentlichte Statistik, ist die Unfallhäufigkeit bei Tesla-Fahrzeugen mit eingeschaltetem Autopiloten zuletzt gestiegen. Die Chance für einen Unfall ist allerdings in Autos ohne einen aktivierten Autopiloten oder andere Assistenzsysteme noch immer deutlich höher.

Laut Teslas nun veröffentlichtem Sicherheitsbericht kam es im ersten Quartal dieses Jahres zu einem Unfall pro 2,87 Millionen gefahrener Meilen in Tesla-Autos mit eingeschaltem Autopiloten. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres war es noch ein Unfall pro 3,34 Millionen Meilen. War der Autopilot ausgeschaltet, krachte es laut Tesla deutlich häufiger: Da kam es im ersten Quartal dieses Jahres zu einem Unfall alle 1,76 Millionen Meilen, im ersten Sicherheitsbericht vor neun Monaten lag dieser Wert noch bei einem Unfall je 1,92 Millionen gefahrener Meilen.

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Die gestiegene Häufigkeit der Unfälle erscheint bemerkenswert, zumal Tesla keinerlei Gründe oder Hintergründe dafür angibt. Zwar lief in den vergangenen drei Quartalen die Massenfertigung von Teslas Model 3 hoch, der Autobauer hat also jetzt viel mehr Fahrzeuge mit Autopilotfunktion auf der Straße. Bei den Unfallhäufigkeiten handelt es sich jedoch um relative Größen, die gestiegene Zahl der Fahrzeuge in der absoluten Betrachtung dürfte insofern keine Rolle spielen.

Die allgemeine US-Statistik schlagen die Tesla-Fahrer jedoch klar - ob mit oder ohne aktiviertem Autopilot. Denn laut der Bundesbehörde NHTSA kommt es in den USA quer über alle Automarken hinweg im Schnitt alle 436.000 gefahrene Meilen zu einem Unfall.

Die Veröffentlichung seines Sicherheitsberichts hat Tesla vor einem Dreivierteljahr gestartet. Anlass waren Vorwürfe, Tesla würde seine Fahrer in falscher Sicherheit wiegen und unfertige Technik auf die Straße bringen. Allzu ausführlich fällt der "Sicherheitsbericht" von Tesla allerdings auf der Unternehmenswebsite nicht aus: Pro Quartal stehen gerade mal vier Zeilen Text mit ein paar wenigen Zahlen da. Ein Vergleich zu Konkurrenzsystemen fehlt ebenso wie eine absolute Zahl zu Unfällen mit oder ohne Autopilot - und etwa Daten dazu, wie viele der registrierten Unfälle mit schweren Verletzungen oder tödlich endeten.

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In Vergleichstests heimste Teslas Autopilot wiederholt ziemlich gute Bewertungen für seine Funktionalitäten und Verlässlichkeit ein - was allerdings nichts über die Wahrscheinlichkeit aussagt, mit dem Autopiloten Unfälle zu vermeiden.

Noch mangelt es an aussagekräftigen Tests, wie gut etwa Notbremssysteme funktionieren und welche Autohersteller dabei die besten Systeme haben. Das wissen auch die Hersteller, die deshalb statt harten Vergleichszahlen lieber mit Anekdoten Werbung für ihre Systeme machen. So hat Tesla-Chef Elon Musk auf Twitter etwa auf Berichte verwiesen, nach denen Teslas Autopilot etwa das Leben eines Fußgängers gerettet haben soll - oder ein Tesla-Besitzer nach einem Herzanfall nur mehr dank Autopilot ins Krankenhaus kam.

Wissenschaftlich beweisbar ist das natürlich kaum - es ist allerdings ein griffiges Argument gegen eine andere Art der Autopilot-Nutzung: Auf Internet-Videoportalen und in sozialen Medien tauchen immer wieder Videos auf, bei denen Tesla-Fahrer das Autopilot-System in einer höchst gefährlichen und verbotenen Weise aktivieren. So lassen sie sich etwa von dem System chauffieren, während sie auf die Rückbank klettern - oder gar dort zu schlafen scheinen.

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Eigentlich zwingt das System den menschlichen Fahrer dazu, regelmäßig das Lenkrad zu berühren und damit seine Aufmerksamkeit sicherzustellen. Doch die dafür vorgesehene Sensorik lässt sich außer Gefecht setzen - etwa durchs Einklemmen von Orangen oder Getränkedosen in die Lenkradspeichen.

Tesla-Chef Elon Musk hat wiederholt dazu aufgerufen, solchen Unsinn zu lassen. Allerdings lässt sich Teslas Autopilot-System auch leichter überlisten als die Systeme vieler Konkurrenten, die oft höherwertige und teils auch einfach mehr Sensoren im Innenraum einbauen.

Aktuell dürfte Tesla  aber ohnedies ein anderes Thema als die Verbesserung des Autopilot-Systems umtreiben. Die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" berichtete nun, dass der Elektroautohersteller und sein japanischer Partner, der Elektronikkonzern Panasonic, ihre gemeinschaftlichen Investitionen in den Ausbau der weltweit größten Batteriefabrik wegen sinkender Margen in diesem Geschäft auf Eis legen wollen.

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