Zerstörte Supercharger, Spionage, Fake-News-Attacken Tesla-Hasser - Angriff aus dem Hinterhalt

Tesla-Chef Elon Musk

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Sie kamen unbemerkt und gingen hochprofessionell vor. Unbekannte haben kurz vor dem Thanksgiving-Wochenende eine stark frequentierte Tesla-Schenellladestation an der Strecke von Los Angeles nach Las Vegas zerstört . Erst brachen sie die Schaltschränke auf, dann trennten sie drinnen sämtliche wichtigen Kabel durch.

"Kreidet dies dem neuen politischen Klima an und erwartet mehr davon in den kommenden Jahren", orakelte ein Tesla-Fan im wichtigsten Forum "Teslamotorsclub". Offenbar hatte er dabei den Wahlsieg von Polit-Rüpel und Ölindustrie-Freund Donald Trump im Hinterkopf. Die Angst davor, dass die neue Regierung dem Elektroauto-Boom den Saft abdreht, sitzt offenbar tief.

Zwar gibt es bei dem Vorfall bisher keinen Hinweis auf Industriesabotage oder gar eine politisch motivierte Aktion. Doch der Verdacht im Fan-Forum spielt auf das raue Umfeld an, in dem sich Tesla in den USA tatsächlich zunehmend befindet. Seit einer Weile erhöhen professionelle Tesla-Hasser den Druck auf das Unternehmen - sei es mit verdeckten E-Mail-Angriffen, sei es mit einer strategisch orchestrierten Anti-Elon Musk-Propagandakampagne.

An einen schlechten Wirtschafts-Thriller erinnert eine reichlich plumpe, versteckte Anfrage nach geheimen Daten, die Tesla-Finanzchef Jason Wheeler im August per E-Mail erreichte. Absender: Ein gewisser elontesla@yahoo.com. "Warum seid Ihr mit der Prognose so vorsichtig?", wollte der Schreiber wissen und fragte auch nach Reservierungszahlen für das geplante Mittelklasseauto Model 3 sowie allgemeinen Auslieferungsdaten mit der Bitte um eine "ehrliche Schätzung".

Hinter der Adresse des Absenders verbarg sich allerdings nicht wie suggeriert der Chef Elon Musk persönlich, sondern Ölindustrie-Manager Todd Katz, Vorstand beim Informationsdienstleister Quest Integrity. Diese Firma arbeitet laut einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian"  für Konzerne wie Exxon Mobil, BP, Chevron und Shell. Katz bestritt nicht, dass er die E-Mail geschrieben hatte und trat zurück.

Tesla  nimmt die Sache offenbar sehr ernst und brachte die Sache vor Gericht. "Was uns am meisten interessiert, ist, welche Personen und Organisationen mit Katz zusammenarbeiten und versucht haben, auf illegale Weise Informationen von uns zu beschaffen", sagte ein Tesla-Sprecher. "Das besorgt uns und viele Menschen in der Öffentlichkeit."

Teslas Aufstieg in den USA ist ein Politikum. Tech-Fans, Liberale und Umweltschützer sehen in der Firma eine der größten Industrie-Hoffnungen für die USA seit Jahrzehnten, die zudem Rettung für die von Abgasen und Klimawandel geplagte Umwelt verheiße. Konservative und Rechte kritisieren, dass Elon Musk die Firma nur dank hoher Subventionen aufbauen und auf die Erfolgsspur bringen konnte und die Geschäftsmodelle von anderen Autoherstellern, Autohändlern aber auchder Ölindustrie in Gefahr bringt.

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Tatsächlich profitiert Tesla von einem Steuernachlass in Höhe von 7500 Dollar, den Käufer pro Fahrzeug bekommen. Ein Staatskredit in dreistelliger Millionenhöhe half dem Unternehmen zudem, seinen Bestseller Model S zu entwickeln. In Kalifornien spült der staatlich verordnete Handel mit Nullemissionszertifikaten Tesla Millionen Dollar in die Kasse. Schließlich gewährte Nevada Tesla hohe Steuernachlässe für den Bau der gigantischen Batteriefabrik.

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Allerdings mischt sich der Staat nicht nur zugunsten Teslas ein. Auch Ford, General Motors und Chrysler haben in den vergangenen Jahren von Krisenhilfen und Elektroauto-Subventionen profitiert. Den Staatskredit hat Tesla zudem frühzeitig zurückgezahlt.

Professionelle Tesla-Hasser unterschlagen derartige Fakten jedoch gern. Zuletzt haben sich mehrere Websites wie "stopelonfromfailingagain.com" darauf spezialisiert, alle möglichen Anti-Tesla-Artikel zu sammeln und eigene zu verfassen - zum Teil unter falschem Namen .

Inzwischen zeichnet sich deutlicher ab, dass hinter mancher Kampagne PR-Profis stehen, die im Auftrag von großen Energieversorgern tätig sind . Diesen ist insbesondere Musks Firma SolarCity  ein Dorn im Auge, weil sie mit verleasten Aufdach-Solaranlagen das Geschäftsmodell der konventionellen Stromriesen verdirbt. Eindeutig identifizieren lassen sich die Hintermänner nicht vollständig. Denn die Organisationen, die hinter den Websites stehen, müssen die Herkunft ihrer Mittel nicht offenlegen.

Regelrecht besessen von ihrer Tesla-Antipathie wirken auch zahlreiche Investoren, die mit Leerverkäufen oder Put-Optionen auf den Niedergang des Musk-Imperiums setzen. Zu diesem gehört auch der Raketenbauer SpaceX.

Der Australier Keith Leech vertritt auf einer Website gar die Ansicht, die erfolgreiche Landung einer SpaceX-Rakete sei eine Falschmeldung. Der Spekulant ist sich aber offenbar selbst nicht ganz sicher, wie sehr die Theorie bei anderen verfängt. "Die Leute sagen mir, ich sollte über die falschen Raketen nicht zu viel reden", zitiert ihn die Nachrichtenagentur Bloomberg,  "weil es so klingt als sei ich verrückt".

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