Mittwoch, 27. Mai 2020

Zerstörte Supercharger, Spionage, Fake-News-Attacken Tesla-Hasser - Angriff aus dem Hinterhalt

Tesla-Chef Elon Musk

Sie kamen unbemerkt und gingen hochprofessionell vor. Unbekannte haben kurz vor dem Thanksgiving-Wochenende eine stark frequentierte Tesla-Schenellladestation an der Strecke von Los Angeles nach Las Vegas zerstört. Erst brachen sie die Schaltschränke auf, dann trennten sie drinnen sämtliche wichtigen Kabel durch.

"Kreidet dies dem neuen politischen Klima an und erwartet mehr davon in den kommenden Jahren", orakelte ein Tesla-Fan im wichtigsten Forum "Teslamotorsclub". Offenbar hatte er dabei den Wahlsieg von Polit-Rüpel und Ölindustrie-Freund Donald Trump im Hinterkopf. Die Angst davor, dass die neue Regierung dem Elektroauto-Boom den Saft abdreht, sitzt offenbar tief.

Zwar gibt es bei dem Vorfall bisher keinen Hinweis auf Industriesabotage oder gar eine politisch motivierte Aktion. Doch der Verdacht im Fan-Forum spielt auf das raue Umfeld an, in dem sich Tesla in den USA tatsächlich zunehmend befindet. Seit einer Weile erhöhen professionelle Tesla-Hasser den Druck auf das Unternehmen - sei es mit verdeckten E-Mail-Angriffen, sei es mit einer strategisch orchestrierten Anti-Elon Musk-Propagandakampagne.

An einen schlechten Wirtschafts-Thriller erinnert eine reichlich plumpe, versteckte Anfrage nach geheimen Daten, die Tesla-Finanzchef Jason Wheeler im August per E-Mail erreichte. Absender: Ein gewisser elontesla@yahoo.com. "Warum seid Ihr mit der Prognose so vorsichtig?", wollte der Schreiber wissen und fragte auch nach Reservierungszahlen für das geplante Mittelklasseauto Model 3 sowie allgemeinen Auslieferungsdaten mit der Bitte um eine "ehrliche Schätzung".

Folgen Sie Nils-Viktor Sorge auf twitter

Hinter der Adresse des Absenders verbarg sich allerdings nicht wie suggeriert der Chef Elon Musk persönlich, sondern Ölindustrie-Manager Todd Katz, Vorstand beim Informationsdienstleister Quest Integrity. Diese Firma arbeitet laut einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian" für Konzerne wie Exxon Mobil, BP, Chevron und Shell. Katz bestritt nicht, dass er die E-Mail geschrieben hatte und trat zurück.

Tesla Börsen-Chart zeigen nimmt die Sache offenbar sehr ernst und brachte die Sache vor Gericht. "Was uns am meisten interessiert, ist, welche Personen und Organisationen mit Katz zusammenarbeiten und versucht haben, auf illegale Weise Informationen von uns zu beschaffen", sagte ein Tesla-Sprecher. "Das besorgt uns und viele Menschen in der Öffentlichkeit."

Teslas Aufstieg in den USA ist ein Politikum. Tech-Fans, Liberale und Umweltschützer sehen in der Firma eine der größten Industrie-Hoffnungen für die USA seit Jahrzehnten, die zudem Rettung für die von Abgasen und Klimawandel geplagte Umwelt verheiße. Konservative und Rechte kritisieren, dass Elon Musk die Firma nur dank hoher Subventionen aufbauen und auf die Erfolgsspur bringen konnte und die Geschäftsmodelle von anderen Autoherstellern, Autohändlern aber auchder Ölindustrie in Gefahr bringt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung