Hochkarätiger Abgang Tesla verliert den Chef seiner "Autopilot"-Sparte

Teslas "Autopilot" steht seit Langem in der Kritik, zuletzt weitete die US-Verkehrsbehörde Untersuchungen aus. Dieser Abgang dürfte den Elektroautobauer daher empfindlich treffen: Andrej Karpathy, der federführend für den Fahrassistenten verantwortlich ist, verlässt Tesla.
Passion für technische Entwicklungen: KI-Experte Andrej Karpathy verlässt Tesla

Passion für technische Entwicklungen: KI-Experte Andrej Karpathy verlässt Tesla

Foto: Michael Macor / San Francisco Chronicle via Getty Images

Teslas Führungsriege bleibt in Bewegung. Wie am Mittwochabend bekannt wurde, verliert der Elektroautobauer demnächst seinen Topmanager für die Entwicklung seiner Fahrerassistenztechnologie: Andrej Karpathy (35), Leiter der Abteilung für künstliche Intelligenz (KI), verlässt nach einer viermonatigen Auszeit das Unternehmen.

"Es war mir eine große Freude, Tesla in den letzten fünf Jahren bei der Erreichung seiner Ziele zu unterstützen, und es ist eine schwierige Entscheidung zu gehen", schrieb Karpathy am Mittwoch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Er habe noch keine konkreten Pläne für die Zukunft, wolle sich aber wieder stärker seiner Passion für technische Entwicklungen in den Bereichen KI, Open Source und Bildung widmen.

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Tesla-Chef Elon Musk (51) antwortete in einem Tweet: "Danke für alles, was du für Tesla getan hast! Es war eine Ehre, mit dir zu arbeiten."

Karpathy war 2017 zu Tesla gestoßen und war dort federführend für die Entwicklung des Fahrassistenzsystems, genannt "Autopilot", verantwortlich. So sollte er dafür sorgen, dass die Software ihre Umgebung besser erkennen kann. Zudem hatte Karpathy die Hoheit über weitere Softwarethemen im Unternehmen, berichtet Bloomberg.

Tesla versucht gerade, das "Autopilot"-System von relativ einfachen Aufgaben wie dem Halten von Spur und Abstand für den Betrieb in der Stadt mit Ampeln, Kreuzungen und Vorfahrtsregeln fit zu machen. Wie Videos von Beta-Testern zeigen, macht die Software zum Teil aber noch eklatante Fehler, die vom Menschen am Steuer korrigiert werden müssen. Zum Training des "Autopilot"-Systems gehört auch, dass Menschen Objekte im Bild zunächst benennen.

Der Abgang des KI-Experten kommt indes nicht von ungefähr. Teslas "Autopilot" steht seit Langem in der Kritik. Immer wieder werden Unfälle bekannt, bei denen die Software im Einsatz war. Im Juni weitete die US-Verkehrsbehörde NHTSA laufende Untersuchungen zu Teslas Fahrassistenzsystem aus. Die Behörde prüft unter anderem, inwieweit das System das Risiko menschlicher Fehler verschärfe.

Ende Juni wurde zudem bekannt, dass Tesla im Bereich des Fahrassistenten erhebliche Einsparungen vornimmt. Diese Informationen hat das Unternehmen jetzt per Mitteilung bestätigt.

Demnach macht der weltgrößte Elektroautobauer sein Büro im kalifornischen San Mateo, das an der Entwicklung und Verbesserung des "Autopiloten" arbeitet, dicht. Die 229 Beschäftigten würden entlassen, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Tesla-Chef Musk hatte intern schon Anfang Juni über die Pläne für Stellenstreichungen informiert. In einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Mail hatte Musk das mit einem "super schlechten Gefühl" über die Wirtschaftsentwicklung begründet.

Im zweiten Quartal 2022 musste der Autobauer dem schlechteren Wirtschaftsumfeld bereits Tribut zollen. Wegen der Lockdowns in China, höherer Rohstoffkosten und Lieferkettenproblemen verkaufte Tesla in den Monaten April bis Juni weniger Fahrzeuge als im Quartal zuvor. Es war der erste Absatzrückgang in einem Quartal seit Langem. Nicht zuletzt deshalb verlor Tesla im ersten Halbjahr auch den Spitzenplatz bei den weltweiten Verkäufen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden. Der chinesische Hersteller BYD trotzte allen Widrigkeiten und konnte sich mit einem Wachstum von mehr als 300 Prozent an die globale Spitze setzen.

cr/dpa-afx, Reuters
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