Nach Twitter-Umfrage Elon Musk will ein Zehntel seiner Tesla-Aktien verkaufen

Elon Musk will 17 Millionen Tesla-Aktien abstoßen, weil seine Twitter-Fans es so entschieden. Der reichste Mann der Welt reagiert damit auf die Forderung, auch mal Steuern zu zahlen - und den abgehobenen Börsenkurs.
Milliardenspaß: Protestaktion der "Patriotic Millionaires" für eine Milliardärssteuer mit Elon-Musk-Bild in Washington

Milliardenspaß: Protestaktion der "Patriotic Millionaires" für eine Milliardärssteuer mit Elon-Musk-Bild in Washington

Foto: Drew Angerer / Getty Images

Tesla-Chef Elon Musk (50) hat auf Twitter seine Anhänger befragt, ob er 10 Prozent seiner Aktien an dem Elektroautobauer verkaufen soll. "In letzter Zeit wird viel über nicht realisierte Gewinne als Mittel zur Steuervermeidung gesprochen", schrieb Musk am Samstagabend. "Daher schlage ich vor, 10 Prozent meiner Tesla-Aktien  zu verkaufen." Der Tweet enthielt eine Umfrage, die "Ja" und "Nein" als Antworten vorgab. Das Ergebnis am Sonntagabend: Von 3,5 Millionen Stimmen waren 57,9 Prozent dafür. "Ich war darauf eingestellt, das Ergebnis in jede Richtung zu akzeptieren", schrieb Musk. Da er weder Bargehalt noch Boni erhalte, sei der Verkauf von Aktien der einzige Weg für ihn, steuerpflichtig zu werden. Von seinem Immobilienbesitz hat er sich ebenfalls bereits getrennt.

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Der Eigner von Unternehmen wie SpaceX und Neuralink hielt am 30. Juni etwa 170,5 Millionen Tesla-Aktien. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters würde er unter Berücksichtigung des Aktienkurses vom Freitag durch den Verkauf eines Zehntels davon fast 21 Milliarden Dollar einnehmen. Bei einem Steuersatz von 37 Prozent stünden dem Staat dann mehr als sieben Milliarden Dollar zu. Als Neubürger von Texas müsste Musk nur die Bundessteuer zahlen, denn Texas erhebt als einer von wenigen US-Bundesstaaten keine eigene, zusätzliche Einkommensteuer. An Musks vorigem Wohnsitz Kalifornien gilt ein Spitzensatz von 12,5 Prozent, der dem Milliardär zufolge aber auch rückwirkend für vor seinem Umzug erworbene Ansprüche greift und "erheblich" sei.

Laut "Bloomberg Billionaires Index"  hat sich Musks Vermögen seit Jahresbeginn vor allem dank der Tesla-Rallye auf 338 Milliarden Dollar verdoppelt. Er führt das Ranking mit weitem Abstand vor Amazon-Gründer Jeff Bezos an. Musk selbst hat den Kursanstieg wiederholt als irrsinnig charakterisiert, bei anderen Gelegenheiten aber auch angefeuert.

Elons Bruder Kimbal Musk macht Kasse

Mehrere andere Mitglieder des Tesla-Boards nutzten die jüngsten Höchstkurse, um Kasse zu machen. Sein Bruder Kimbal Musk (49) verkaufte am Freitag laut einer Pflichtmitteilung  15 Prozent seiner Aktien zu Kurs um 1230 Dollar und nahm damit mehr als 100 Millionen Dollar ein. Analysten zufolge muss Elon Musk möglicherweise ohnehin eine größere Zahl von Aktien verkaufen, um Steuern auf Optionen zu begleichen, die kommendes Jahr auslaufen. Der Tesla-Chef selbst warnte im September, ihm drohe in diesem Jahr eine "massive" Steuerlast. Nach Unternehmensangaben hat der Firmenchef eine am 13. August 2022 auslaufende Option, 22,86 Millionen Aktien zu einem Stückpreis von 6,24 Dollar zu kaufen. Musk sagte, er müsse wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Gewinne versteuern, die er beim Ausüben der Optionen mache.

Kursgewinne von Aktien werden in den USA erst dann besteuert, wenn die Papiere verkauft werden und damit ein Gewinn realisiert wird. Dies gilt als ein Grund, warum US-Konzerne gerne ihre eigenen Aktien zurückkaufen - und damit den Kurs stützen - statt das Geld als Dividenden auszuzahlen. Kritiker bemängeln, dass reiche Bürger damit ein Vermögen aufbauen können, ohne dabei Steuern zahlen zu müssen. Einige Superreiche wie Musk bestreiten aus dem Vermögenszuwachs auch ihren Lebensunterhalt, indem sie ihre Aktien oder Optionen als Sicherheiten für Kredite einsetzen. Dabei entsteht kein steuerpflichtiges Einkommen. Die Plattform "Propublica" enthüllte im Juni  Daten der US-Steuerbehörde IRS, denen zufolge Elon Musks effektiver Steuersatz für die Jahre 2014 bis 2018 lediglich 3,3 Prozent betrage. Darin eingerechnet sind Jahre wie 2018, in denen Musk null an den Bund abführte, ebenso wie 2016, als ein Fälligkeitsdatum für Aktienoptionen eine größere Steuerlast auslöste.

Im Zuge von geplanten Steuerreformen von Präsident Joe Biden ist im Gespräch, dies zu ändern. Diskutiert wird konkret im Kongress eine so genannte "Milliardärssteuer" von 23,8 Prozent auf Gewinne bei Wertpapieren, egal, ob diese durch einen Verkauf realisiert wurden oder nicht. Betroffen wären etwa 700 Steuerzahler in den USA, die ein Vermögen von mehr als eine Milliarde Dollar besitzen oder drei Jahre in Folge 100 Millionen Dollar als Jahreseinkommen aufweisen. Das so eingenommene Geld soll dabei helfen, Bidens geplante Sozial- und Klimareformen zu finanzieren. Musk hat die Überlegungen kritisiert. Nach einer kurzen Phase, in der die Milliardärssteuer als mögliche Lösung einer Blockade im Kongress erwogen wurde, gilt das Projekt schon wieder als politisch gescheitert.

Ökonom Gabriel Zucman kritisiert Schauspiel

"Ich freue mich auf den Tag, an dem es nicht von einer Twitter-Umfrage abhängt, ob die reichste Person der Welt Steuern zahlt", kommentierte der Ökonom Gabriel Zucman von der Universität Berkeley.

Am vergangenen Sonntag hatte sich Musk auf Twitter mit David Beasley, dem Leiter des UN-Welternährungsprogramms, gestritten. Dieser hatte die Reichsten aufgefordert, sechs Milliarden Dollar von ihrem Vermögen abzugeben, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Musk erklärte, er würde sofort Tesla-Aktien in diesem Wert verkaufen, wenn man ihn überzeugte, dass damit der Hunger zu beseitigen sei - ließ am Ende des Disputs aber seine Skepsis durchblicken.

Nähren dürfte die neue Twitter-Eskapade in jedem Fall den Dauerstreit zwischen Tesla und der US-Börsenaufsicht SEC. Die Behörde hatte bereits 2019 in einem Vergleich die Auflage gemacht, die oft kursbewegenden Tweets des Milliardärs müssten vorab vom Unternehmen geprüft werden - und in diesem Jahr festgestellt, dass Tesla diese Pflicht nicht erfüllte. Anlass waren damals Äußerungen Musks, er werde Tesla von der Börse nehmen. In diesem Jahr kamen vor allem zahlreiche Stellungnahmen zu Kryptowährungen hinzu. Musk zeigt sich zunehmend gleichgültig gegenüber den Anweisungen. Steht der Milliardär über dem Staat? Es sieht noch nicht einmal nach einer Machtprobe aus.

ak/Reuters
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