Samstag, 25. Mai 2019

Kurssturz nach Interview Musk spricht über seine Erschöpfung, Tesla-Aktie stürzt

Erschöpft: Tesla-Chef Elon Musk

Er ist erschöpft, und er gestand das gegenüber den Reportern der "New York Times" in einem Interview auch freimütig ein. Ungewohnt klare Äußerungen von Elon Musk über die extrem hohen körperlichen und geistigen Anstrengungen des Tesla-Chefs haben die Tesla-Aktie am Freitag stark ins Minus gedrückt. Tesla-Anleger reagierten verunsichert auf die Offenheit des Konzernchefs: Die Aktie schloss in den USA rund 9 Prozent im Minus und schloss nur knapp über der Marke von 300 US-Dollar. Binnen fünf Handelstagen hat das Papier rund 18 Prozent an Wert verloren.

Musk hatte in einem Interview mit der "New York Times" zuvor über die Anstrengung bei seinen Bemühungen Auskunft gegeben, die Produktion bei Tesla auf Kurs zu bringen.

In dem Interview berichtete Musk über den persönlichen Tribut, den er in diesem Jahr gezahlt habe. "Es gab Zeiten, da habe ich die Fabrik drei oder vier Tage nicht verlassen - Tage an denen ich nicht vor der Tür war", sagte er. "Das vergangene Jahr war das schwierigste und schmerzhafteste meiner Karriere." Dies sei "kaum auszuhalten" gewesen.

Um schlafen zu können, habe er sich Medikamente verschreiben lassen müssen. Zudem habe er jede einzelne Stunde seines 47. Geburtstages bei der Arbeit verbracht und beinahe die Hochzeit seines Bruders verpasst. "Es kamen Freunde vorbei, die sich wirklich Sorgen gemacht haben", sagte der Tesla-Chef der Zeitung.

Suche nach einem Stellvertreter - doch Sheryl Sandberg winkte ab

Zugleich berichtete Musk von der bislang erfolglosen Suche nach einem Stellvertreter. Er habe bei Facebook-Vize Sheryl Sandberg angefragt.

Seinen aufsehenerregenden Tweet über den möglichen Börsenrückzug des Autobauers verteidigte Musk indes. Diesen bereue er nicht. Musk hatte Anfang vergangener Woche mit einer Reihe von Tweets für Wirbel und Verwirrung gesorgt, in denen er Pläne eines Börsenrückzugs erwähnte. Dabei schrieb er auch, dass die Finanzierung gesichert sei und er Chef des Unternehmens bleiben wolle - ein Tweet, der mit seiner Formel "Funding secured" weiter für Aufsehen sorgt. Erst später gab es eine offizielle Firmenmitteilung. Mittlerweile beschäftigt sich die US-Börsenaufsicht mit dem Fall.

Auch den Vorstand des Unternehmens überraschte der Firmenchef mit seiner Ankündigung. Gegenüber der "New York Times" gestand er nun ein, dass niemand seinen Tweet mit der Ankündigung zum möglichen Börsenrückzug gelesen habe, bevor er online ging. Dennoch bereue er ihn nicht. "Wieso sollte ich?", sagte er. Seinen Worten zufolge waren die Äußerungen auf Twitter ein Versuch, transparenter zu kommunizieren.

Der in Südafrika geborene Musk, der neben Tesla auch noch mit seiner Firma SpaceX Touristen ins All bringen will und weitere ambitionierte Projekte verfolgt, gilt als einer der innovativsten Unternehmer in den USA. Zugleich steht er unter wachsendem Druck von Investoren, da es zuletzt immer wieder Verzögerung bei der Produktion von Teslas Model 3 gab, mit dem der Elektroautobauer den Durchbruch auch auf dem Massenmarkt schaffen will. Das Modell soll umgerechnet 30.000 Euro kosten. Tesla war 2010 an die Börse gegangen, Musk hält selbst knapp 20 Prozent der Anteile.

la/dpa/reuters

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