Quartalgewinn und Kursrally Teslas Traumfahrt - Aktie steigt über 600 Dollar

Seht, es geht! Tesla-Chef Elon Musk schafft den zweiten Quartalsgewinn in Folge. Die ohnehin seit Monaten steigende Aktie macht in der Nacht noch mal einen Sprung von mehr als 10 Prozent

Seht, es geht! Tesla-Chef Elon Musk schafft den zweiten Quartalsgewinn in Folge. Die ohnehin seit Monaten steigende Aktie macht in der Nacht noch mal einen Sprung von mehr als 10 Prozent

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Der US-Elektroautobauer Tesla hat dank einer hohen Nachfrage in Europa und China das zweite Quartal in Folge einen Gewinn eingefahren. Zugleich zeigte sich das Unternehmen am Mittwoch zuversichtlich, 2020 voraussichtlich ohne weiteres mehr als 500.000 Fahrzeuge auszuliefern nach 367.500 Autos im vergangenen Jahr.

Die Aktie von Tesla  schoss nach Börsenschluss in New York 13 Prozent in die Höhe auf 654 Dollar. Erstmals übersprang sie damit die 600-Dollar-Hürde. Ob die Geschäftszahlen diese Euphorie tatsächlich rechtfertigen, darüber lässt sich trefflich streiten.

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Teslas Traumfahrt jedenfalls bringt Tesla-Chef Elon Musk dem Zahltag deutlich näher. Schon vor einigen Wochen knackte Tesla an der Börse die 100-Milliarden-Dollar-Marke, aktuell sind es gar 105 Milliarden Dollar. Tesla ist damit mehr wert an der Börse als die größten US-Autobauer General Motors und Ford zusammen.

Bleibt der durchschnittliche Börsenwert des Unternehmens für einen Zeitraum von sechs Monaten über 100 Milliarden, kann Musk die erste von insgesamt 12 Tranchen aus seinem Bonusprogramm ausüben. Allein die erste Tranche wäre knapp 350 Millionen Dollar wert. Die Ausübung der Optionen ist noch an weitere operative Ziele gebunden, die Musk aber bereits mit dem letzten Auslieferungsschub erreicht hat. Bleibt der Tesla-Kurs vergleichsweise stabil, ist Zahltag für Elon Musk.

Teslas Angaben zufolge belief sich der ausschüttungsfähige Nettogewinn in den drei Monaten bis Ende Dezember auf 105 Millionen Dollar - ein Minus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von sieben Prozent. Ohne Sonderposten verdiente Tesla 2,06 Dollar je Aktie. Analysten hatten im Schnitt mit 1,72 Dollar gerechnet. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 7,8 Prozent auf 7,38 Milliarden Dollar und übertraf ebenfalls die Erwartungen

Der Wert der Tesla-Aktie hat sich mehr als verdoppelt seit das Unternehmen für das dritte Quartal einen Gewinn ausgewiesen hatte. Seine anfänglichen Produktionsprobleme hat der Konzern aus dem Silicon Valley immer besser im Griff und rollt nun sein Angebot an aufladbaren Autos weltweit aus.

In der ersten Gigafabrik in China ist vor Kurzem die Fertigung angelaufen, mit der Unternehmenschef Elon Musk den weltgrößten Markt für E-Autos erobern will. In der Rekordzeit von weniger als einem Jahr nach Baubeginn des zwei Milliarden Dollar teuren Werks in Shanghai hatte Tesla Ende Dezember die ersten Fahrzeuge ausgeliefert.

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Die erste Fabrik in Europa soll in Grünheide vor den Toren Berlins entstehen. Dort sollen in der vollen Ausbaustufe jährlich sogar eine halbe Million Elektroautos für den Export nach Europa vom Band rollen - die ersten laut bisherigem Zeitplan bereits 2021. In der Hauptstadt will Tesla zudem ein Ingenieurs- und Designzentrum hochziehen.

Die Pläne von Tesla haben die deutschen Autobauer elektrisiert. Sie müssen den CO2-Ausstoß ihrer Flotten in diesem und um nächsten Jahr massiv senken, um Strafzahlungen in der EU zu vermeiden. Das ist nur mit einem größeren Anteil an Elektroautos und Hybridwagen möglich, die Antriebe aus beiden Welten vereinen.

Neidvoll blicken die Rivalen zudem auf Tesla, dessen Software für das Batteriemanagement in der Branche als vorbildlich gilt. Der hohe Automatisierungsgrad in der Produktion setzt Volkswagen, Daimler & Co zusätzlich unter Druck, weil Tesla dadurch günstiger produzieren kann.

Neidvoll und warnend aber auch auf den mit herkömmlichen Maßstäben nur schwer zu rechtfertigenden Aktienkurs von Tesla, das Investoren längst nicht mehr wie einen Autobauer, sondern wie ein Technologieunternehmen bewerten. Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess machte dies in einer Brandrede vor Führungskräften kürzlich noch einmal eindringlich klar und forderte das Management beim Umbau zu mehr Tempo und Unverzagtheit auf.

Die traditionellen Autohersteller müssen ihre Werke mühsam auf neue Verfahren umstellen. Da beim Bau von E-Autos weniger Arbeitskräfte benötigt werden, fallen Zehntausende Arbeitsplätze weg. Um die Umwälzungen der Branche abzufedern, sollen die Regeln für Kurzarbeit gelockert werden.

rei mit Reuters
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