Vager Ausblick Tesla schafft Jahresgewinn und enttäuscht trotzdem

Börsen-Überflieger Tesla hat erstmals einen Jahresgewinn geschafft. Doch der vage Ausblick und das vierte Quartal begeistern die Anleger nicht. Auch wird deutlich, wie stark der Verkauf von Abgaszertifikaten das Ergebnis prägt.
Tesla-Chef Elon Musk: Erstmals ein Jahresgewinn

Tesla-Chef Elon Musk: Erstmals ein Jahresgewinn

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LUCY NICHOLSON/ REUTERS

Tesla hat sein sechstes Quartal mit schwarzen Zahlen in Folge geschafft und erstmals ein ganzes Kalenderjahr mit Gewinn abgeschlossen. Trotz Corona-Krise erreichte der US-Elektroautobauer 2020 einen Überschuss von 721 Millionen Dollar (595 Millionen Euro), wie das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk (49) am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte. Im Vorjahr hatte Tesla noch einen Verlust in Höhe von 862 Millionen Dollar verschmerzen müssen. Die Erlöse kletterten um 28 Prozent auf 31,5 Milliarden Dollar.

Bei Anlegern kamen die Zahlen dennoch nicht gut an, die Aktie  von Tesla rutschte nachbörslich um bis zu 4 Prozent ab. Denn Tesla wird an der Börse extrem hoch und nicht nach Kriterien der Automobilindustrie, sondern nach denen großer Tech-Konzerne bewertet. Die Aktie wird laut Refinitiv mit dem über 200-fachen der durchschnittlichen Gewinnprognose der Analysten für das nächste Jahr gehandelt. Folglich hoch sind auch die Erwartungen, zeigen sich Anleger schnell verschnupft.

Gestern Nacht konkret darüber, dass der Gewinn im Schlussquartal mit 270 Millionen Dollar geringer ausfiel als am Markt angenommen. Die Erlöse hingegen wuchsen im Jahresvergleich um starke 46 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar und übertrafen damit die Prognosen der Analysten leicht.

Quartalsgewinn und vage Prognose kommen nicht gut an

Für Ernüchterung bei Börsianern sorgte unter anderem, dass Tesla lediglich ein vages Auslieferungsziel für das laufende Jahr ausgab. Das Unternehmen, das sich in der Vergangenheit häufig mit den ehrgeizigen Vorgaben von Vorstandschef Musk schwertat, verkniff sich diesmal eine konkrete Zielmarke. Stattdessen hieß es lediglich, dass angestrebt werde, die Wachstumsrate von 50 Prozent aus dem vergangenen Jahr zu übertreffen. Das würde heißen, dass Tesla anpeilt, 2021 weltweit rund 750.000 Autos auszuliefern. 2020 waren es knapp 500.000 gewesen, womit Tesla seinen bisherigen Rekord schaffte.

Ohne Abgaszertifikate hätte Tesla kein Geld verdient

Auch Teslas am Finanzmarkt stark beachtete Gewinnspanne verschlechterte sich zuletzt wieder deutlich, was die Hoffnung auf dauerhafte Profitabilität dämpft. Der Konzern macht einen wesentlichen Teil seines Ertrags mit dem Handel von Abgaszertifikaten, die andere Autobauer benötigen, um ihre Emissionsbilanz auszugleichen und so gesetzliche Vorgaben etwa in Kalifornien oder Europa zu erfüllen. Ohne diese Einkünfte, die sich 2020 auf 1,6 Milliarden und im Schlussquartal auf 401 Millionen Dollar beliefen, hätte Tesla kein Geld verdient.

Klar ist: Je stärker Wettbewerber wie Volkswagen ihren Ausstoß an Elektroautos erhöhen - und hier sind sie auf bestem Wege -, desto weniger stark wird Teslas Quelle mit dem Verkauf von Abgaszertifikaten sprudeln. Musk wird sich dann weniger darauf verlassen können, künftige Ergebnisse des Autobauers damit aufzuhübschen.

Trotz des aus Sicht von Aktionären eher enttäuschenden letzten Vierteljahrs verlief 2020 für Tesla insgesamt äußerst erfolgreich. An der Börse zählte Musks Unternehmen mit einem Kursplus von rund 700 Prozent zu den größten Gewinnern, Tesla ist trotz seiner noch relativ bescheidenen Produktionszahlen und Gewinne der Autobauer mit der weltweit mit Abstand höchsten Börsenbewertung. Mit seiner bislang längsten Gewinnstrecke und dem Aufstieg in den renommierten US-Aktienindex S&P 500 erreichte der Konzern, der vor rund zwei Jahren noch als möglicher Pleitekandidat galt, wichtige Meilensteine.

rei, la/DPA, Reuters