Weniger Angestellte, mehr Flexibilität Tesla-Chef Elon Musk will mehr Mitarbeiter "auf Stundenbasis"

Das Hin und Her um die künftige Mitarbeiterzahl von Tesla setzt die Aktie des Autobauers unter Druck. Chef Elon Musk will zwar mehr Mitarbeiter "auf Stundenbasis", aber offenbar weniger Festangestellte.
Nachgerechnet: Tesla-Chef Elon Musk will zwar mehr Mitarbeiter, aber auch mehr Flexibilität und weniger Festanstellungen

Nachgerechnet: Tesla-Chef Elon Musk will zwar mehr Mitarbeiter, aber auch mehr Flexibilität und weniger Festanstellungen

Foto: FREDERIC J. BROWN / AFP

Plant Tesla-Chef Elon Musk (50) trotz voller Auftragsbücher einen kräftigen Jobabbau, um den US-Elektroautobauer für eine nahende Rezession in den USA zu wappnen? Das Hin und Her um die künftige Mitarbeiterzahl von Tesla ging auch am Wochenende weiter: Am Freitag hatte Musk in einer internen Mail noch mitgeteilt, die Zahl der fest angestellten Mitarbeiter um 10 Prozent zu senken, da er ein "super bad feeling" mit Blick auf die Wirtschaftslage habe. Am Samstag dann teilte Musk ebenfalls auf Twitter mit, die Gesamtzahl der Mitarbeiter des E-Auto-Herstellers solle in den nächsten zwölf Monaten nicht sinken, sondern steigen.

Dabei zielt Musk aber offenbar auf den verstärkten Einsatz flexibler Arbeitskräfte auf Stundenbasis. Bei Festanstellungen bleibt Musk trotz der ambitionierten Wachstumspläne des Unternehmens weiterhin zurückhaltend. "Die Gesamtzahl der Mitarbeiter wird steigen, aber die Zahl der Angestellten sollte ziemlich gleich bleiben", schrieb Musk. Übersetzt heißt das: Weniger feste Jobs, mehr Leiharbeit, mehr Jobs auf Stundenbasis.

"In vielen Bereichen überbesetzt"

Tesla werde die Zahl der Angestellten um 10 % reduzieren, da das Unternehmen "in vielen Bereichen überbesetzt" sei, hatte Musk in einer weiteren Mail an die Führungskräfte geschrieben. Die Zahl der "Mitarbeiter auf Stundenbasis" werde steigen.

Ende 2021 beschäftigte das Unternehmen weltweit rund 100.000 Menschen. Der Autobauer fährt derzeit die Produktion in seinem neuen Werk in Grünheide in Deutschland hoch und hat dazu aktuell noch Hunderte Stellen ausgeschrieben.

Weltweit sind zum Beispiel auf der Job-Plattform LinkedIn rund 5000 Tesla-Jobs offen, von Verkäufern in Tokio über Mechatronikern in Berlin bis zu IT-Spezialisten in Palo Alto. Eine offizielle Mitteilung des Autobauers zu dem geplanten Stellenabbau liegt bisher nicht vor.

Tesla-Aktie stark unter Druck

An der US-Börse kamen die Rezessionssorgen des Tesla-Chefs nicht gut an. Die Aktien  des US-Konzerns sackten am Freitag um knapp 10 Prozent ab. Zuletzt hatten sie sich von ihrem Tief seit Sommer 2021 bei rund 650 US-Dollar deutlich erholt.

Auch die Wall Street ist bereits alarmiert

Musks eindringliche Warnung vor einer möglichen Rezession und den Folgen für die Automobilhersteller ist die direkteste und öffentlichkeitswirksamste Prognose dieser Art in der Branche. An der Wall Street herrscht bereits Alarmstimmung. Am Mittwoch hatte JPMorgan-Chef Jamie Dimon (66) vor einem aufziehenden "Hurrikan" gewarnt. "Der Wirbelsturm ist da draußen und er kommt auf uns zu", sagte der CEO der größten Bank der USA angesichts einer drohenden Rezession.

Nur einen Tag später äußerte sich der zweithöchste Manager des Rivalen Goldman Sachs mindestens ähnlich alarmiert. Die Weltwirtschaft werde gerade von einer Reihe Erschütterungen gleichzeitig getroffen, warnte der President und Chief Operating Officer, John Waldron (50). "Dies ist eines der komplexesten, wenn sogar das komplexeste und dynamischste Umfeld, das ich in meiner Karriere je erlebt habe", so Waldron auf einer Investorenkonferenz.

Die Inflationsrate in den USA liegt inzwischen bei 8,3 Prozent und damit so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die US-Notenbank Fed hat zur Bekämpfung der hohen Inflation bereits eine radikale Zinswende eingeleitet.

Tesla hat Mitarbeitern im Homeoffice mit Entlassung gedroht

Anfang der Woche hatte Musk die Belegschaft aufgefordert, ins Büro zurückzukehren oder das Unternehmen zu verlassen. "Jeder bei Tesla ist verpflichtet, mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro zu verbringen", schrieb Musk in einer E-Mail, die er am Dienstagabend an seine Mitarbeiter schickte. "Wenn Sie nicht auftauchen, gehen wir davon aus, dass Sie gekündigt haben." Für Musk wäre dies sicher die günstigere Möglichkeit, einen Teil der Belegschaft loszuwerden, da Tesla in diesem Fall keine Abfindung zahlen müsste.

Musk sorgt immer wieder für Verwirrung

Der Tech-Milliardär ist bekannt für sein erratisches Verhalten. Zuletzt sorgte er mit seinen Übernahmeplänen bei dem Kurznachrichtendienst Twitter für Verwirrung. Rund 44 Milliarden US-Dollar wollte der derzeit reichste Mann der Welt ursprünglich für das Unternehmen bezahlen. Kurze Zeit später legte er die Übernahme allerdings auf Eis – angeblich, um die Anzahl der Fake-Accounts zu überprüfen. Die Twitter-Aktie  schickte er damit auf Talfahrt.

Angesichts des gesunkenen Aktienkurses brachte er anschließend einen niedrigeren Preis für den Kurznachrichtendienst ins Spiel. Spekuliert wird daher auch, dass Musks Finanzierung für den Milliardendeal wackelt. Schließlich ist auch die Aktie von Tesla im Sog des Kursrutsches an der Nasdaq unter Druck geraten. Ursprünglich wollte Musk für rund zwölf Milliarden Dollar des Kaufpreises Kredite aufnehmen, die mit seinen Tesla-Aktie besichert sein sollten.

Rekordgewinn im ersten Quartal

Im ersten Quartal 2022 fuhr Tesla noch Rekordmarken bei Gewinn, Umsatz und Absatz ein. So stieg der Umsatz von 10,3 auf 18,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag mit 3,3 Milliarden Dollar deutlich über den Erwartungen. Die operative Marge, ein wichtiger Vergleichswert in der Autobranche, lag bei stolzen 19,2 Prozent – und damit nochmals 4,5 Prozentpunkte über dem bisherigen Spitzenwert aus dem Schlussquartal 2021. Wegen der rasant steigenden Rohstoffpreise warnte Tesla-Chef Musk allerdings davor, dass der Konzern mit einem erheblichen Inflationsdruck konfrontiert sei. Höheren Preise sollten die höheren Kosten für die nächsten sechs bis 12 Monate aber abdecken, hieß es.

la/mg//Reuters
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