Triumph für Elon Musk Tesla schafft vierten Quartalsgewinn in Folge - und baut weitere Fabrik

Tesla ist an der Börse mehr wert als VW, BMW und Daimler zusammen. Am Mittwoch nach US-Börsenschluss lieferte Tesla-Chef Elon Musk den vierten Quartalsgewinn in Folge ab. Die Aktie steigt weiter.
Tesla: Vierter Quartalsgewinn in Folge - die längste Gewinnserie in der Geschichte des US-Elektroautobauers

Tesla: Vierter Quartalsgewinn in Folge - die längste Gewinnserie in der Geschichte des US-Elektroautobauers

Foto: Aly Song/ REUTERS

Erneuter Triumph für Elon Musk (49): Der US-Elektroautobauer Tesla hat trotz Belastungen durch die Corona-Pandemie einen weiteren Quartalsgewinn erzielt. Unter dem Strich stand in den drei Monaten bis Ende Juni ein Überschuss von 104 Millionen Dollar, wie der Konzern am Mittwoch nach US-Börsenschluss in Palo Alto mitteilte. Im Vorjahr hatte es noch einen hohen Verlust gegeben.

Trotz der ungewissen Lage angesichts der erneuten Corona-Eskalation in den USA hält der Elektroautobauer weiter an seinem ambitionierten Ziel fest, 2020 mehr als 500.000 Autos auszuliefern. Die Kapazität sei vorhanden, es sei aber schwer absehbar, ob es zu weiteren Produktionsstörungen komme. Die Jahresprognose könne deshalb wenn nötig noch angepasst werden. Die Aktie von Tesla  legte nachbörslich weiter zu. Damit winkt Tesla nun der Aufstieg in den US-Index S&P 500 und damit ein weiterer Ritterschlag an der Börse.

In einer Konferenzschalte nach der Bilanzvorlage bestätigte Musk zudem, dass Teslas zweites US-Autowerk neben dem Stammwerk im kalifornischen Fremont in Texas nahe der Stadt Austin entstehen wird. "Wir werden eine atemberaubende Fabrik direkt am Colorado River bauen", kündigte Musk an. Der Bau von Teslas erstem europäischen Werk in Grünheide bei Berlin komme derweil ebenfalls sehr gut voran.

Längste Gewinnserie in der Firmengeschichte

Tesla erreichte mit dem erneuten Quartalsgewinn einen Meilenstein - erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 2003 schrieb die Firma über zwölf Monate hinweg schwarze Zahlen. Angesichts von Produktionsausfällen und Absatzeinbußen in der Corona-Krise ist dies ein besonders großer Erfolg, auch wenn die Erlöse im Jahresvergleich insgesamt um rund fünf Prozent auf 6,0 Milliarden Dollar sanken.

Teslas Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten klar. Am Finanzmarkt ist Musks Firma dieses Jahr mit einem bisherigen Kursplus von rund 280 Prozent ohnehin der Überflieger schlechthin. Der Börsenwert schoss zuletzt sogar zeitweise deutlich über die Marke von 300 Milliarden Dollar, damit wird Tesla höher gehandelt als alle anderen Autobauer und ist an der Börsemehr wert als Volkswagen, Daimler und BMW zusammen.

Reuters

Dass der E-Auto-Pionier aus der Tech-Hochburg Silicon Valley die Corona-Pandemie besser wegsteckt als die Konkurrenz, hatten bereits die Anfang Juli veröffentlichten Auslieferungszahlen für das zweite Quartal gezeigt. Während der Automarkt insgesamt starke Absatzeinbußen verkraften musste, brachte Tesla dank der starken Nachfrage nach seinen Modellen 3 und Y mit knapp 91 000 Fahrzeugen nur fünf Prozent weniger an die Kundschaft als im Vorjahreszeitraum.

Zweites Autowerk in USA: Zuschlag für Texas

Dass Texas den Zuschlag bei der Standortwahl für das zweite US-Autowerk von Tesla erhalten würde, war bereits im Juni absehbar, als der dortige Landreis Travis County konkrete Pläne für den Bau veröffentlichte. Das Investitionsvolumen wird sich den Angaben zufolge auf gut eine Milliarde Dollar belaufen, rund 5000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Nun verriet Musk, dass dort neben Model 3 und Model Y der Elektro-Pick-up Cybertruck und der Sattelschlepper Semi hergestellt werden sollen.

Tesla hat bislang in den USA nur eine Autofabrik in Fremont. Ein weiteres Autowerk wurde in Shanghai eröffnet, eines entsteht in Grünheide bei Berlin. Neben den Autowerken betreibt Tesla noch ein Batteriewerk in Nevada und eine Fabrik in New York, die vor allem Solaranlagen herstellt. Angesichts der großen Nachfrage insbesondere nach dem neuen Model Y müssen zügig neue Fertigungsstätten her.

Musk knackt Vergütungs-Jackpot

Musk winkt aufgrund des Höhenflugs bereits der nächste große Zahltag. Dank der Kursrally stehen dem 49-Jährigen seit Dienstag Aktienoptionen im Wert von mehr als zwei Milliarden Dollar zu. Grund ist ein Vergütungsplan, der an den Börsenwert und bestimmte Geschäftsziele von Tesla gekoppelt ist. Da Tesla in den vergangenen sechs Monaten im Schnitt mehr als 150 Milliarden Dollar wert war, hat Musk nun die Option, Aktien weit unter Marktwert zu kaufen und dadurch - zumindest auf dem Papier - einen enormen Profit zu machen. Doch selbst dieser märchenhafte Buchgewinn von 2,1 Milliarden Dollar dürfte Musk nicht besonders beschäftigen: Mit einem Vermögen von knapp 70 Milliarden Dollar zählt er laut "Forbes" ohnehin zu den 30 reichsten Menschen der USA.

Tesla-Chef Elon Musk: Nach der jüngsten Rekordjagd ist der Börsenwert von Tesla zeitweise auf 300 Milliarden Dollar gestiegen

Tesla-Chef Elon Musk: Nach der jüngsten Rekordjagd ist der Börsenwert von Tesla zeitweise auf 300 Milliarden Dollar gestiegen

Foto: PATRICK T. FALLON/ REUTERS

Während Musk dank Teslas Börsen-Hype immer reicher wird und sich in den Milliardärs-Charts wie der "Forbes"-Liste oder dem "Bloomberg Billionaires Index" immer weiter in Richtung der Spitzenplätze vorschiebt, hat das Unternehmen nach wie vor viele Skeptiker. Trotz der jüngsten Erfolgswelle zählt Tesla weiterhin zu den Konzernen, auf deren Kursverfall die größten Wetten am Finanzmarkt laufen. Doch für die "Short-Seller", über die Musk sich jüngst mit roten Satin-Shorts im Tesla-Fanshop lustig machte, wird es immer enger. Denn auch abseits der Börse macht der E-Autobauer große Fortschritte.

Aufstieg in den S&P 500 steht bevor

Während der globale Automarkt von der Corona-Krise ausgebremst wurde, brachte Tesla zuletzt überraschend viele Autos an die Kundschaft. Das ist eigentlich auch wenig überraschend, da es schon vor der Pandemie lange Wartelisten für Teslas Model 3 und Model Y gab und Musks Firma traditionell auf den Online-Vertrieb setzt, weshalb ihr geschlossene Autohäuser weniger ausmachen als der Konkurrenz. Nun steht Tesla vor einem Meilenstein, der Musks Firma den Weg zum Aufstieg in die US-Börsenelite im Leitindex S&P 500 ebnen könnte. Eine entscheidende Voraussetzung dafür sind vier Quartale mit schwarzen Zahlen in Serie - die Tesla nun vorweisen kann.

Ob es mit dem Aufstieg auch tatsächlich klappt, war zuletzt unklar. Eine Sprecherin von S&P Dow Jones Indices hatte vor der Veröffentlichung der Zahlen eine Stellungnahme abgelehnt. Über die Aufnahme entscheidet ein Komitee, einen festen Zeitplan gibt es nicht. Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 295 Milliarden Dollar wäre Tesla einer der größten Einzelwerte - größer als 95 Prozent der anderen. Als Folge einer Aufnahme müssten zudem Index-Fonds rasch Tesla-Aktien kaufen - etwa 25 Millionen Stück, schätzt der ETF-Experte Ivan Cajic von Virtu Financial. Diese hätten insgesamt einen Wert von grob 40 Milliarden Dollar.

Musks Zweifler weisen indes immer wieder darauf hin, dass Tesla bislang nur an der Börse eine echte Größe ist. Tatsächlich fertigt das Unternehmen trotz immenser Investitionen und rasanter Expansion im Vergleich zu den etablierten Branchenschwergewichten bislang noch recht geringe Stückzahlen. Toyota etwa lieferte im jüngsten Quartal mit 398.029 Neuwagen allein in den USA mehr aus als Tesla im gesamten vergangenen Jahr weltweit. So zeigt der Hype auch, wie abgekoppelt der Börsenhandel von den realwirtschaftlichen Grundlagen sein kann.

la/dpa-afx/Reuters
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