Aktie im Ausverkauf Kurssturz von Tesla beschleunigt sich

Milliardengrab: Ex-Börsenliebling Tesla hat 2022 zwei Drittel seines Börsenwertes verloren. Dass Elon Musk Twitter übernommen hat, wurde für Tesla-Investoren zum Albtraum. Auch Musks angekündigter Rücktritt als Twitter-CEO kann den Kurssturz bei Tesla nicht bremsen. Im Gegenteil.
Tesla: Rot sind derzeit vor allem die Vorzeichen an der Börse

Tesla: Rot sind derzeit vor allem die Vorzeichen an der Börse

Foto: Alex Plavevski / EPA

Vom Börsenstar zum Aussteiger-Papier: Der Kurssturz der Aktien von Tesla hat sich kurz vor Weihnachten noch einmal beschleunigt. Mit einem Verlust von weiteren 8 Prozent auf 126 US-Dollar fielen die Tesla-Aktien am Donnerstag in den USA auf das tiefste Niveau seit zwei Jahren. Allein im Dezember summieren sich die Verluste auf 30 Prozent. Seit Januar 2022 hat Tesla bereits mehr als 65 Prozent an Wert verloren: Zu Jahresbeginn hatte die Tesla-Aktie noch bei 400 US-Dollar notiert. Zwei Drittel der Marktkapitalisierung von Tesla haben sich bereits in Luft aufgelöst.

Der Kurssturz des einstigen Börsenlieblings ist nicht nur mit dem allgemeinen Kursverfall der Technologiewerte an der Nasdaq in diesem Jahr zu erklären. Tech-Schwergewichte wie Amazon oder Nvidia sind seit Jahresbeginn zwar auch abgestürzt, aber nicht im gleichen Ausmaß wie Tesla. Bei Apple halten sich die Kursverluste mit rund 20 Prozent noch in Grenzen. Bei Tesla belasten vor allem drei Faktoren: Erstens die turmhohe Bewertung, zweitens Teslas Twitter-Trauma sowie drittens die Erkenntnis, dass der einstige Tech-Messias Elon Musk immer unberechenbarer und damit vom Heilsbringer zum Risiko für das Unternehmen wird . Daran ändert auch der Umstand nichts, dass Musk nach einer Abstimmung bei Twitter seinen baldigen Abschied als Twitter-CEO angekündigt hat.

Die zuvor gehypten Papiere des US-Elektroautobauers leiden außerdem schon eine Weile unter Sorgen über die Nachfrage und unter Schwierigkeiten in China. Hinzu kommt, dass Konzernlenker Elon Musk (51) durch seine neue Rolle als Eigentümer und Unternehmenschef des Kursnachrichtendienstes Twitter seit Monaten abgelenkt scheint. Selbst die Aussicht, dass Musk in Kürze die Doppelrolle als Chef von Tesla und von Twitter beenden und den Chefposten bei Twitter räumen wird, hat den Kursverfall der Tesla-Aktie bislang nicht bremsen können. Im Gegenteil.

Viele Investoren, darunter auch der Milliardär und Musk-Fanboy Leo Koguan nehmen Musk übel, dass er seit der Übernahme des Sanierungsfalls Twitter offenbar nur noch am Rande um die Gewinnmaschine Tesla, das ungleich wertvollere Unternehmen, kümmere. Musk sei für Tesla-Investoren "Missing in Action" (MIA), beschwerte sich Koguan.

Anders gesagt: Twitter stehle dem Tesla-Chef wertvolle Zeit - und koste ihn obendrein eine Menge Geld.

Da Musk Geld braucht, um die Twitter-Übernahme zu finanzieren, hatte er zuletzt weiterhin kräftig Tesla-Aktien verkauft, das drückt den Kurs zusätzlich. Zuletzt hatte Musk zwischen dem 12. und 14. Dezember fast 22 Millionen Tesla-Aktien für insgesamt knapp 3,6 Milliarden Dollar verkauft. Es war bereits das vierte Mal in diesem Jahr, dass er sich von Tesla-Anteilen im Milliardenvolumen getrennt hatte, vermutlich maßgeblich zur Finanzierung des umstrittenen Twitter-Kaufs mit einem Volumen von insgesamt 44 Milliarden Doller. Damit bringt Musk die Investoren des US-Elektroautobauers weiter gegen sich auf.

"Der Twitter-Albtraum geht weiter", kommentierte der Wedbush-Analyst Dan Ives, der zuletzt auch schon Kritik an Musk geäußert hatte, weil er seine Managementkapazitäten zunehmend auf Twitter statt auf Tesla konzentriert habe. Musk sei in den Augen der Tesla-Investoren jetzt ein Schurke, so Ives. Seiner Meinung nach sind die Fundamentaldaten von Tesla weiterhin gesund, aber Musks Verhalten bei Twitter schade der Marke. "Die selbstverschuldeten Probleme von Musk im Zusammenhang mit Twitter belasten weiterhin die Tesla-Story und die Frustration der Anleger wächst."

Trotz Kurssturz noch mehr wert als BMW, Mercedes und VW zusammen

Die Wertverluste in den Portfolios der Investoren sind gewaltig. Zu Beginn des Jahres 2022 war Tesla noch rund 850 Milliarden Dollar wert. Nun sind es noch rund 440 Milliarden Dollar. Allerdings ist Tesla damit an der Börse immer noch mehr wert als die deutschen Konkurrenten BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen zusammen. Sie bringen es in Summer auf weniger als die Hälfte.

Die fallenden Aktienbewertungen haben Musk auch von seinem Status als reichster Mensch der Welt verdrängt, sein Nettovermögen ist laut "Forbes" auf aktuell 154 Milliarden Dollar gefallen. Reichster Mensch ist aktuell der französische Luxusunternehmer  und LVMH-Boss Bernard Arnault (73).

Musk bleibt auch nach den Verkäufen Großaktionär von Tesla. Er besitzt nun 13,4 Prozent der Anteile. Immerhin erwarten Beobachter kurzfristig keine weiteren Paketverkäufe mehr, da sich das Fenster möglicher Verkäufe am Freitag wieder geschlossen hatte. Wegen der Veröffentlichung der Quartalszahlen im Januar darf der Tesla-Chef nun erst mal keine Aktien mehr verkaufen.

la / mmo
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