Tesla schreibt zum dritten Mal schwarze Zahlen Elon Musk verspricht weitere Gewinne

Elon Musk hält Wort: Tesla weist endlich wieder einen Quartalsgewinn aus - der dritte überhaupt. Das ist aber nicht die einzige Überraschung. Die Aktie schießt in die Höhe, und der exzentrische Musk gewinnt wieder ein Stück Glaubwürdigkeit zurück. Doch ist Tesla damit dem Ziel eines profitablen Massenherstellers wirklich entscheidend nähergekommen?
"Dieses Quartal war ein wichtiger Schritt in Richtung dauerhafte Profitabilität und ich bin unglaublich aufgeregt, was vor mir liegt.", erklärte Elon Musk in einer Telefonkonferenz in der Nacht

"Dieses Quartal war ein wichtiger Schritt in Richtung dauerhafte Profitabilität und ich bin unglaublich aufgeregt, was vor mir liegt.", erklärte Elon Musk in einer Telefonkonferenz in der Nacht

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Andrew Edward Left hatte schon 24 Stunden zuvor das Handtuch geschmissen. "Es ist eine Revolution, die ich unterschätzt habe", sagte der bekannte Tesla-Kritiker dem Sender Bloomberg TV. Hatte der Großanleger zuvor gegen einen Erfolg des Elektroautobauers gewettet, sei er nun zuversichtlich, dass Elon Musk sein Versprechen halten und Tesla profitabel machen werde.

Schon dieses Interview hatte die Aktie von Tesla  zweistellig nach oben katapultiert - am Mittwoch nach Börsenschluss ging es in der Spitze nochmal 14 Prozent auf 320 Dollar nach oben.

Denn Elon Musk hat nicht nur mit dem dritten Quartalsgewinn in der Geschichte des Elektroautopioniers überrascht, wo der Markt eigentlich einen kleinen Verlust erwartet hatte. Tesla konnte zudem durch ein starkes Umsatzplus auch die liquiden Mittel kräftig steigern. Überdies bekräftigte Tesla seine Gewinnprognose und einen positiven Cash Flow für das vierte Quartal.

Das heißt: Musk kommt seinem Versprechen, Tesla zu einem profitablen Autobauer zu machen, ein gutes Stück näher. Zugleich entkräftet er die unter einer ganzen Reihe von Analysten verbreitete Annahme, dem Autobauer könnte wegen der enormen Anlaufkosten für Model 3 das Geld ausgehen und eine weitere Kapitalerhöhung stünde bald bevor.

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Der Glaubwürdigkeit des exzentrischen Managers, der in der Vergangenheit oft die Produktionsziele verfehlte, mal nonchalant mit einem Tweet über einen Börsenrückzug spekulierte, so die Aktie in die Tiefe und Investoren in den Wahnsinn trieb - der Glaubwürdigkeit von Elon Musk kann dieser Quartalsbericht nur gut tun.

Unter dem Strich verdiente Tesla im dritten Quartal rund 312 Millionen Dollar. Im Vorjahresquartal stand hier noch ein Verlust von rund 620 Millionen Dollar. Der Umsatz lag mit 6,8 Milliarden Dollar gut 500 Millionen höher als erwartet. Den positiven Mittelzufluss (Free Cash Flow) bezifferte Tesla auf 881 Millionen Dollar. Zuvor hatte Tesla wegen der hohen Anlauf- und Produktionskosten des Hoffnungsträgers Model 3 jedes Quartal Milliarden verbrannt.

Im dritten Quartal lieferte Tesla 55.840 Model-3-Fahrzeuge aus und spielte allein damit mehr als drei Milliarden Dollar ein. Pro Woche verlassen nun 4300 Stück die Werkshallen, 5300 sollen es zum Ende des Quartals gewesen sein.

Das Quartal "markiert einen Wendepunkt", schreibt Joe Dennison, Portfolio Manager von Zevenbergen Capital Investments. Die starke Nachfrage nach teureren Allrad- und Hochleistungsversionen des Modells 3 sowie der Plan von Tesla, das Auto Anfang nächsten Jahres in Europa zu verkaufen, sollten die Gewinnmargen stützen, schrieb er in einer Kurzanalyse.

Kann Tesla nachhaltig profitabel wachsen?

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Und noch scheint Tesla die Nachfrage nach dem Model 3 halten zu können. Denn trotz der deutlich gesteigerten Auslieferungen, die sich bereits zuletzt abzeichneten, konnte Tesla die Kundeneinlagen für reservierte Autos im dritten Quartal auf gut 900 Millionen Dollar nahezu konstant halten, berichtet Bloomberg .

Im August hatte das Unternehmen den Stand der Reservierungen für das Model 3 mit 455.000 angegeben. In der Nacht erklärte Musk in einer Telefonkonferenz, dass davon knapp 20 Prozent storniert worden seien. Die Einführung neuer Modelle werde die Umwandlung bestehender Reservierung beschleunigen, zeigte sich Tesla überzeugt.

Die Strategie, zuvorderst mit hochpreisigen Versionen des Model 3 hohe Umsätze einzufahren und die Gewinnmargen nach oben zu schrauben, ist natürlich verlockend. Doch lässt Teslas vorangegangener Kommentar den Schluss zu, dass viele Reservierungen sich eben auf den günstigeren "Volks"-Tesla zu 35.000 Dollar beziehen. Springen diese Käufer ab, weil sie sich die bislang günstigste erhältliche Version von 46.000 Dollar nicht leisten können und wollen, könnte es auch schnell Abbestellungen hageln.

10 Milliarden Dollar Schulden drücken

Klar ist, angesichts der hohen finanziellen Verpflichtungen darf der Erlösstrom nicht stocken. Sitzt Tesla doch aktuell noch auf Schulden von 10 Milliarden Dollar, 1,3 Milliarden davon muss Musk bis Ende März begleichen. Um die Produktion schneller zu steigern, will Tesla die Model-3-Fertigung im kommenden Jahr auch in China starten. Ein großes Areal für eine neue Fabrik ist bereits gekauft.

Optimistische Stimmen wie jene von Gene Munster, Partner bei der Venture-Capital-Firma Loup, mehren sich. Mit Blick auf das dritte Quartal spricht der Experte von dem "ermutigendsten Zeichen für nachhaltige Rentabilität das wir in den vergangenen drei Jahren gesehen haben". Und manche Anleger wie besagter Shortseller Andrew Edward Left von Citron Research sind jetzt auf die Käuferseite gewechselt.

Doch bis Tesla nicht den Beweis erbracht hat, nachhaltig profitabel wirtschaften und seine Produktionsziele auf lange Zeit verlässlich erreichen zu können, bleibt weiter Skepsis angezeigt. Das sieht jedenfalls Erik Gordon so. Die Ergebnisse dürften eine Weile den Aktienkurs von Tesla  beflügeln, prophezeit der Wirtschaftsprofessor von der renommierten Universität von Michigan.

"Aber die Investoren werden die Ergebnisse sehr genau prüfen, um zu sehen, ob sie nachhaltig sind oder ob Musk trickreich wieder einen anderen Hasen aus dem Hut gezaubert hat mit Maßnahmen, die kein dauerhaftes Wachstum versprechen."

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