Technikmesse CES Was deutsche Automanager jetzt in Las Vegas zeigen

Auf der Technik-Messe CES in Las Vegas drängen Autohersteller ins Rampenlicht. Deutsche Nobelmarken präsentieren sich als Technologie-Vorreiter bei selbstfahrenden Autos - und schicken Top-Manager in die Wüstenstadt. Was Daimler, Audi und BMW zeigen.
Audi-Forschungsauto "Jack": Deutsche Autohersteller zeigen auf der CES ihre neuen Konzepte für selbstfahrende Autos

Audi-Forschungsauto "Jack": Deutsche Autohersteller zeigen auf der CES ihre neuen Konzepte für selbstfahrende Autos

Foto: Jim Fets/Audi AG/dpa

Traditionen ändern sich - in den USA schneller als anderswo. Bis vor kurzem standen bei der Elektronikmesse Consumer Electronics Show (CES) die neuesten Entwicklungen bei Fernsehern, Hifi und Computern im Vordergrund. Doch in den vergangenen fünf Jahren hat die Autobranche die CES als neue Spielwiese entdeckt, um die Elektronik-Innovationen in ihren Fahrzeugen anzupreisen.

Deutschlands Nobelautohersteller geben bei der CES 2015, die heute startet, viel Mühe. Audi, BMW und Daimler wollen beweisen, dass sie einen technischen Vorsprung besitzen bei Themen wie dem autonomen Fahren oder der Vernetzung von Fahrzeugen.

Kein Wunder, denn die deutschen Autohersteller geraten von ungewohnter Seite unter Druck. Google und Apple drängen in den lukrativen Markt für Unterhaltungsangebote und Informationsdienste im Auto, der Suchmaschinenriese Google forscht auch am fahrerlosen Auto. Der Elektroauto-Spezialist Tesla bietet in seinen Autos bereits Updates für die Bordelektronik via Mobilfunkverbindung an - ein Schritt, den die großen Hersteller wegen Sicherheitsbedenken scheuen.

Elf Autohersteller haben in diesem Jahr eigene Stände auf der CES gebucht. Gerade die deutschen Nobelmarken gewähren bei der Technik-Messe lieber ausführliche Ausblicke in eine nicht allzu ferne Zukunft, in der Autos ohne Zutun des Fahrers durch die Gegend flitzen sollen. Was die Autohersteller in Las Vegas präsentieren, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Daimler-Chef Zetsche blickt ins nächste Jahrzehnt

Daimler-Chef Zetsche bei seiner CES-Präsentation im Jahr 2012: Diesmal geht es um die künftige Rolle des Automobils

Daimler-Chef Zetsche bei seiner CES-Präsentation im Jahr 2012: Diesmal geht es um die künftige Rolle des Automobils

Foto: DPA

Mercedes-Benz kann sich sicher sein, gehörig im Rampenlicht zu stehen. Daimler-Chef Dieter Zetsche hält in diesem Jahr die CES-Hauptrede. Dabei wird er sich als Visionär betätigen - und einen Ausblick auf die künftige Rolle des Automobils geben. Passend dazu präsentiert Mercedes in der Wüstenstadt ein Forschungsauto, das einen Blick auf das Autofahren im kommenden Jahrzehnt wagt. Daimler geht davon aus, dass autonom fahrende Autos dann bereits zum Alltag gehören. Das elektrisch angetriebene Forschungsvehikel soll laut ersten Berichten zeigen, wie Fahrzeuginnenräume gestaltet werden können, wenn sich die Fahrer nicht mehr um das Lenken des Autos kümmern müssen.

Audi lässt Selbstfahrer "Jack" von Journalisten begleiten

Audi-Forschungsauto "Jack": Legt 900 Kilometer autonom zurück - mit Journalisten an Bord

Audi-Forschungsauto "Jack": Legt 900 Kilometer autonom zurück - mit Journalisten an Bord

Foto: Jim Fets/Audi AG/dpa

Auch Audi setzt auf das Thema selbstfahrende Autos - mit einer durchaus aufsehenerregenden Aktion: Ein mit zahlreichen Sensoren aufgerüstetes Audi-Fahrzeug mit dem Spitznamen "Jack" fährt in zwei Tagen die knapp 900 Kilometer lange Strecke vom Entwicklungslabor im kalifornischen Silicon Valley zur Messestadt Las Vegas. Bis Sonntagabend Ortszeit legte der Audi mit US-Journalisten an Bord rund die Hälfte des Weges zurück und kam bis zur kalifornischen Stadt Bakersfield. Dabei sieht das Fahrzeug äußerlich aus wie alle anderen Autos des Modells A7 (im Bild) während zum Beispiel die Roboterautos von Google mit Radar-Wölbungen auf dem Dach fahren. Auf der Messe präsentiert Audi auch das Innenraumkonzept des neuen Q7 samt abnehmbaren Tablets, über die sich einige Funktionen des Autos steuern lassen.

BMW zeigt Parken per Smartwatch - und neue Cloud Services

BMW-i3-App für Smartwatch Galaxy Gear: Künftig könnte sich auch automatisches Einparken über die Uhr steuern lassen

BMW-i3-App für Smartwatch Galaxy Gear: Künftig könnte sich auch automatisches Einparken über die Uhr steuern lassen

Foto: BMW

BMW zeigt auf der CES ein Konzeptfahrzeug mit besonders hell leuchtender Laserlicht-Technologie, die mit Kameras, Sensoren und Assistenzsystemen vernetzt ist. Diese Verknüpfung soll in Zukunft neue Funktionen ermöglichen, verspricht BMW. Außerdem führen die Bayern ein Forschungsfahrzeug ihres Elektroautos i3 vor, das ohne Fahrer in einem Parkhaus einen freien Platz finden und dort einparken kann. Das selbständige Parken lässt sich über eine Smartwatch aktivieren. Ein verbessertes System zur Vermeidung von Kollisionen haben die Bayern ebenfall im Gepäck.

Auch neue Cloud Services präsentiert BMW in Las Vegas: Apps für BMW-Fahrzeuge lassen sich nun auch in den USA über den heimischen Rechner buchen und stehen wenige Minuten später im Auto zur Verfügung.

US-Hersteller erneuern Infotainmentsysteme

Ford-Infotainmentsystem Sync in bisheriger Version: Die neue Version soll Smartphones deutlich besser einbinden

Ford-Infotainmentsystem Sync in bisheriger Version: Die neue Version soll Smartphones deutlich besser einbinden

Foto: Ford

Auch die großen US-Hersteller setzen auf die CES. Ford-Chef Mark Fields hält eine der Keynote-Reden, der Autohersteller führt sein überarbeitetes Infotainmentsystem Sync 3 vor. General Motors stellt in Las Vegas neue Dienste für sein Infotainmentsystem OnStar vor und gewährte Journalisten vorab einen Blick auf die überarbeitete Version des Elektro-Hybridautos Chevrolet Volt. Der weltgrößte Autohersteller Toyota und der koreanische Angreifer Hyundai sind in Las Vegas ebenfalls mit eigenen Messeständen vertreten.

Nvidia zeigt neuen Baustein für autonome Fahrzeuge

Grafik-Spezialist Nvidia arbeitet eng mit Audi zusammen - und hat ein System zur besseren Umwelterkennung entwickelt

Grafik-Spezialist Nvidia arbeitet eng mit Audi zusammen - und hat ein System zur besseren Umwelterkennung entwickelt

Foto: AFP

Der Grafik-Spezialist Nvidia bietet zum Auftakt der Messe einen Blick hinter die Kulissen der autonomen Autos. Die US-Firma, die unter anderem eng mit Audi zusammenarbeitet, zeigt einen Computer, der besonders schnell und präzise Objekte in seiner Umgebung erkennen soll. Das System "Nvidia Drive" unterscheide zum Beispiel zwischen Fußgängern und Radfahrern und könne auch einzelne Automodelle auseinanderhalten, sagte Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang. Der Autocomputer ist dafür mit reichlich Rechenleistung ausgestattet und kann gleichzeitig Bilder von bis zu zwölf Kameras verarbeiten. "Das Auto der Zukunft wird von Software bestimmt", betonte der Nvidia-Chef.

mit Material von dpa