VW steckt Millionen in Fahrdienst-App So funktioniert Gett, VWs neues App-Investment

Website des Taxi-Vermittlers Gett (Get Taxi): Elegant - und mit plakativer Werbung dafür, dass die Gett-Preise nicht nach Tageszeit schwanken.

Website des Taxi-Vermittlers Gett (Get Taxi): Elegant - und mit plakativer Werbung dafür, dass die Gett-Preise nicht nach Tageszeit schwanken.

Der Name ist einprägsam und schräg zugleich: 300 Millionen Euro steckt der Volkswagen-Konzern in ein Startup mit dem Namen Gett - und ist mit seinem Investment in einen Mobilitätsdienstleister nicht alleine in der Branche. Die Gett-Website präsentiert sich in schicken Schwarz- und Grautönen, weißen Schriften und ein ockerfarbenen Schaltflächen. Edel sieht das aus, weit weg von einer doch eher bodenständigen Branche: Dem Taxigewerbe.

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Dabei startete Gett im Jahr 2011 unter dem Namen Get Taxi, und die Grundidee ist seither gleich geblieben: Gett vermittelt wie sein Gegenspieler Uber Fahrtdienstleistungen in Städten. Doch anders als der umstrittene Fahrdienst arbeitet Gett nur mit klassischen, lizensierten Taxifahrern zusammen - und nicht mit freiberuflichen Nebenerwerbs-Fahrern wie Uber.

Doch in einem Punkt gleichen sich die beiden Fahrdienstvermittler: Sie werben gerne sehr aggressiv um Kunden. Dabei schrecken auch sie nicht davor zurück, kräftig gegen den anderen zu stänkern oder sich mit nicht ganz sauberen Methoden zu triezen.

Gett setzt stark auf Unternehmen als Kunden

Wie jedes Startup, das etwas auf sich hält, hat auch Gett eine hübsche Gründungsgeschichte parat: Shahar Waiser kam die Idee zu seinem Taxi-Vermittlungsdienst im Jahr 2009, als er in der Silicon-Valley-Stadt Palo Alto 30 Minuten auf ein vorbestelltes Taxi warten musste - ohne zu wissen, wann es denn endlich da sein würde.

"Ich dachte: Es ist absurd, dass man ein Taxi bestellen kann, wenn man es eilig hat. Doch dann weiß man nicht, wo es gerade unterwegs ist und wann es exakt am vorbestellten Ort sein wird", erklärte der heute 40-jährige Waiser vor ein paar Jahren der israelischen Tageszeitung Haaretz. Am Ende würden viele Taxi-Besteller dann schnell ein Fahrzeug auf der Straße herbeiwinken - aus Zeitgründen.

Getts Fixpreise gegen die Uber-Schwankungen

Die Gett-App ermöglicht Taxi-Bestellungen mit präzisen Informationen, wann der Wagen nun vor der Türe steht. Zudem erleichtert sie auch größeren Unternehmen die Taxi-Order. Anders als beim Taxiruf per Telefon muss per App nicht jedes Mal die genaue Adresse angegeben werden, zu der ein Fahrer kommen soll - die übermittelt die App automatisch. Abrechnen lassen sich Fahrten von Firmenmitarbeiter so auch viel leichter. Denn die Taxi-Passagiere reichen am Ende keine Rechnung bei ihrem Arbeitgeber ein, sondern bezahlen per Smartphone - und Firmen-Account.

Vom großen Konkurrenten Uber unterscheidet sich Gett in einem wichtigen Punkt. Bei Uber können die Fahrtpreise für dieselbe Distanz je nach Tageszeit und Auslastung schwanken. Bei Gett sind diese fix, teils bietet der Taxidienst sogar Pauschaltarife für Fahrten innerhalb einer Region an.

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Laut Eigenangaben ist Gett in 60 Städten weltweit verfügbar. Gestartet ist der Vermittlungsdienst in Israel, in den Metropolen London, New York und Moskau lassen sich Taxifahrten längst per Gett buchen. Das Unternehmen ist keine kleine Bastelbude, sondern agiert professionell. Gett-Chef Waiser hat vor dem Taxidienst schon mehrere IT-Unternehmen gegründet und erfolgreich verkauft. Zu den Gett-Investoren der ersten Stunde zählt auch der US-Milliardär Leo Blavatnik.

Gett hat sich anders als Uber stark auf Geschäftskunden, vor allem auf große Unternehmen, spezialisiert. Bereits ein Jahr nach der Gründung zählte Gett etwa Google, PriceWaterhouseCoopers, oder Goldman Sachs zu seinen Kunden, zeigt eine Präsentation des Vermittlungsdienstes. Heute bedient Gett laut eigenen 4000 Unternehmenskunden weltweit, seine Technologie ist in 50.000 Taxis weltweit eingebaut.

Von Taxivermittler zum Topspeed-Zusteller

Zuletzt hat Gett 520 Millionen Dollar an Investorengeldern erhalten, heißt es auf der Firmenwebsite. Dazu kommen nun noch 300 Millionen des VW-Konzerns. Gett-Gründer Waiser arbeitet daran, sein Geschäftsmodell von der reinen Personenbeförderung Richtung Warenbeförderung in Städten auszudehnen. Wie der der Financial Times vor einigen Monaten verriet, sollen Gett-Fahrer innerhalb der nächsten zwei Jahre auch etwa Blumen, Sushi oder Champagnerflaschen liefern - und das innerhalb von zehn Minuten.

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Laut Waiser hat sein 700 Mitarbeiter starkes Unternehmen 2015 bereits 500 Millionen Dollar weltweit umgesetzt. Wie viel davon als Gewinn übrigblieb, lässt sich jedoch kaum sagen.

Nebulös bleibt auch, was sich VW von seinem Einstieg bei Gett erhofft und wie der Fahrdienst davon profitieren soll. VW selbst bezeichnet den Einstieg als "ersten Meilenstein auf dem Weg zu ganzheitlichen Mobilitätslösungen" und will die Gett-Dienste mit einer gemeinsamen Wachstumsstrategie weiter ausbauen. Konkreter werden die Wolfsburger dabei nicht. Der zuletzt in der Abgasaffäre stark unter Druck geratene Autohersteller hat als Ziel ausgegeben, bis 2025 einen substanziellen Teil seines Umsatzes mit derartigen Geschäftsmodellen zu erwirtschaften.

Doch was VW außer Barem konkret bei Gett einbringt, erklären die Wolfsburger nicht. Und auch Gett gibt sich ziemlich schweigsam. Auf der Website des "Vermittlers von Fahrdienstleistungen auf Abruf", wie VW das Gett-Geschäft beschreibt, findet sich noch nicht mal eine Pressemitteilung zum Einstieg der Wolfsburger.

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