Sonntag, 21. April 2019

Fehlerhafte Produktion BMW-Zulieferer Takata kämpft um seinen Ruf - weil Airbags zu Splitterbomben werden können

Airbag-Produktion in rumänischem Takata-Werk: Für BMW produziert Takata nun vor allem im sächsischen Freiberg

2. Teil: In Europa gibt es noch keinen einzigen Vorfall

BMW hält trotz der Sicherheitsbedenken vorerst an dem japanischen Zulieferer fest. In einer Stellungnahme an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA erklärte BMW, nicht nach einem Ersatzlieferanten für Takata zum Austausch der Airbags zu suchen. Es würde zwei Jahre dauern, bis Teile von einem anderen Hersteller eingesetzt werden könnten. "Das geht nicht auf die Schnelle", sagte ein BMW-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Bayern haben immerhin den Vorteil, dass ihre Takata-Airbags direkt in Deutschland produziert werden. Denn um den Bedarf neuer Airbags von BMW zu decken, habem die Japaner die Produktion in ihrem Werk im sächsischen Freiberg ausgedehnt. Allerdings: Auch im Werk in Monclova/Mexiko, wo die mangelhaften Airbags herstammen, werden die Kapazitäten erhöht.

Die US-Behörde hatte in dieser Woche die ohnehin schon große Rückrufaktion über südliche Bundesstaaten hinaus auf die gesamten Vereinigten Staaten ausgeweitet. Von den regionalen Rückrufen waren in den USA 4,1 Millionen Fahrzeuge betroffen. Wieviele Autos jetzt in die Werkstättten gerufen werden, um die Airbags wegen Explosionsgefahr auszutauschen, ist noch nicht klar. Kern des Problems ist die Chemikalie im Gasgenerator, der die Luftkissen aufbläst. Die Explosion ist bei einem Aufprall so stark, dass heiße Metallteile umherfliegen können.

In Europa sind nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes solche Vorfälle nicht bekannt. BMW ist der einzige deutsche Autobauer, der die entsprechenden Airbags eingebaut hat. Die Münchener riefen im Sommer 1,6 Millionen Fahrzeuge weltweit zurück wegen potenzieller Mängel an Airbags auf der Beifahrerseite, davon 450.000 in Deutschland. Betroffen sind verschiedene Modelle des 3er BMW der Baujahr 2000 bis 2006. Hinzu kamen 12.000 Rückrufe zum Airbag-Austausch auf der Fahrerseite in den USA.

Zurzeit werde noch geprüft, wie umfangreich der Rückruf wegen der jüngsten Ausweitung in den USA wird, erklärte der BMW-Sprecher. "Wir haben keinen einzigen Vorfall, wir machen das alles aus Vorsichtsgründen", sagte er. Der Austausch laufe. Den Kunden wird geraten, bis dahin niemanden auf der Beifahrerseite mitzunehmen. Zur Frage, ob BMW dauerhaft an Takata festhalte, wollte der Sprecher nichts sagen.

Takata schickt seinen Finanzchef vor

Bisher sagen auch die Japaner zu dem Problem nur sehr wenig. Zwar hat sich Takata vor einigen Wochen für seine Versäumisse offiziell entschuldigt. Doch diese undankbare Aufgabe übernahm der Finanzchef des Unternehmens. Vom Takata-Konzernchef, dem Schweizer Stefan Stocker, gibt es bisher kein offizielles Statement. Auch der Enkel des Firmengründers ließ sich bislang nicht in der Öffentlichkeit blicken.

Bei der Anhörung vor dem Senatsausschuss in Washington werden Takata-Vertreter einige sehr kritische Fragen beantworten müssen. Ob ein hochrangiger Takata-Manager dann auch in den USA eine öffentliche Entschuldigung wagt, ist noch unklar.

Wie ein solcher Canossagang aussehen kann, hat GM-Chefin Mary Barra vor einigen Monaten vorexerziert. Zwar ist General Motors im Skandal um fehlerhafte Zündschlösser noch längst nicht reingewaschen. Doch Barras Auftritte und öffentliche Entschuldigungen vor US-Parlamentariern haben die Gemüter besänftigt. Eine solche Strategie würde wohl auch Takata helfen. Denn der Konzern riskiert mit seiner bisherigen Vorgangsweise den Ärger seiner Großkunden - und teure Klagen.

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mit Material von Reuters/dpa

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