Samstag, 18. Januar 2020

Verkaufszahlen steigen, aber Akzeptanz sinkt Das SUV-Dilemma der Deutschen

VW SUV-Modelle T-Cross und T-Roc bei der Auslieferung in Wolfsburg
Carsten Koall/ Getty Images
VW SUV-Modelle T-Cross und T-Roc bei der Auslieferung in Wolfsburg

2019 war das Jahr, in dem die Deutschen auf breiter Front über den Sinn und Unsinn von Stadtgeländewagen (SUV) debattierten. Bei der Automesse IAA gab es zahlreiche Wortmeldungen von Automanagern und Branchenkritikern zu SUVs - und heftige Kritik von Umweltschutzorganisationen an spritfressenden "Stadtpanzern".

Die Debatte ist wohl längst auch an den Stamm- und Familientischen angekommen - und sorgt für Diskussionen. Der Beliebtheit der SUVs tut dies aber vorerst keinen Abbruch, zeigt eine Studie. Denn trotz sinkender sozialer Akzeptanz wird der Anteil der Stadtgeländewagen (SUV) am deutschen Automarkt auch im kommenden Jahr wachsen. Zu diesem Ergebnis kommt vor kurzem vorgestellte Studie des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen.

Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer erwartet für 2020 zwar einen leichten Rückgang der SUV-Verkäufe auf 1,14 Millionen Exemplare nach 1,16 Millionen in diesem Jahr. Wegen des allgemein sinkenden Autoabsatzes werde damit aber der Marktanteil von 32,5 Prozent auf 34 Prozent aller Neuwagen steigen. Schon zuletzt haben Daimler, BMW und Audi dank höherer SUV-Verkaufszahlen mehr Umsatz gemacht.

Die Autogattung habe sich in den vergangenen Jahren mit immer mehr Modellen auch unterer Preisklassen "demokratisiert", erklärte Dudenhöffer. So seien die SUV im Jahr 2019 durchschnittlich nur noch 9 Prozent teurer gewesen als der Schnitt aller Modelle. Im Jahr 2005 hätten die Stadtgeländewagen im Schnitt noch 52 Prozent mehr gekostet als das Durchschnittsauto.

Für Diesel-SUVs stehen höhere Rabatte "vor der Haustüre"

Dudenhöffer sieht besonders die sehr großen SUV-Modelle wegen ihres Platzbedarfs in der gesellschaftlichen Kritik. Zu den so genannten "High-End SUV" zählt er rund 30 Modelle und damit rund jedes vierte der angebotenen Autos. Zahlenmäßig machten sie nur rund 8,1 Prozent der SUV-Verkäufe aus, stünden aber für knapp 17 Prozent des Umsatzes. Für die Hersteller seien sie wegen der hohen Gewinnbeiträge eigentlich unverzichtbar, so dass bereits vermehrt Elektrovarianten angeboten würden.

Bei einer Antriebsvariante dürften SUV-Fans aber im kommenden Jahr mit geringeren Neuwagenpreisen rechnen: Für Dieselfahrzeuge rechnet Dudenhöffer generell mit steigenden Rabatten im Jahr 2020, wie eine weitere Studie des CAR zeigt. Der Grund sind laut CAR ausgerechnet die ab 2020 geltenden strengeren CO2-Flottenemissionswerte.

Denn Dieselfahrzeuge haben generell einen niedrigeren CO2-Ausstoß als Benzinerautos. Reine Elektromodelle gibt es aber noch wenige, Plugin-Hybride sind selbst mit Umweltprämie vergleichsweise teuer. Deshalb mache es "viel Sinnn mit Diesel, die bei allen Autobauern breit im Angebot sind, bessere CO2-Werte für die verkauften Neuwagen zu erzielen", schreibt Dudenhöffer. Diesel-Rabatte stehen deshalb "vor der Haustüre", meint er.

mit Material von dpa-afx

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