Mittwoch, 13. November 2019

Autotrend als Gefahr für Weltwirtschaft Internationale Energieagentur schlägt SUV-Alarm

Aus den USA importierte Jeep-Neuwagen in chinesischem Hafen Guangzhou

Um Produkttrends einer einzelnen Branche müsste sich die Internationale Energieagentur (IEA) normalerweise nicht scheren. Die Einrichtung der OECD-Staaten, einst als Antwort auf die Ölkrise 1974 gegründet, hat das große Ganze im Blick: Wie lässt sich eine wachsende Weltwirtschaft mit einem schrumpfenden Angebot an fossiler Energie in Einklang bringen?

Doch der globale Trend zu schweren, energiehungrigen Sportgeländewagen (SUV) ist laut den IEA-Experten inzwischen so bedeutend, dass er diese Mühen fast im Alleingang zunichte macht. Der im November erscheinende Jahresbericht "World Energy Outlook" werde den Schwerpunkt auf "dieses unterschätzte Gebiet der Energiedebatte" legen, kündigen Forschungsleiterin Laura Cozzi und ihr Mitarbeiter Apostolos Petropoulos an.

Einige brisante Ergebnisse liefern sie vorab. Inzwischen sind demnach weltweit mehr als 200 Millionen SUV unterwegs, 2010 waren es noch 35 Millionen. In den USA war im vergangenen Jahr sogar jedes zweite verkaufte Auto ein SUV. Doch auch die anderen großen Märkte folgen dem Trend mit nur wenigen Jahren Verzug. Die IEA rechnet daher mit weiterem Wachstum. Die Rede von "Peak Car" als Wendepunkt der Ölnachfrage sei falsch.

In diesem Jahrzehnt "waren SUV allein verantwortlich für das Wachstum der Ölnachfrage durch Pkw um 3,3 Millionen Fass pro Tag", heißt es in der Studie.

Wegen der zusätzlich verbrannten Ölprodukte vervierfachten sich die CO2-Emissionen der weltweiten SUV-Flotte in dieser Zeit auf rund 0,7 Gigatonnen. Damit leisteten die Pseudogeländewagen den zweitgrößten Beitrag zum Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen seit 2010 - mehr als die Schwerindustrie, mehr als Lkw, Luft- oder Schifffahrt; nur der Ausstoß der Stromerzeuger mit vielen neuen Kohlekraftwerken stieg in diesem Zeitraum noch deutlich stärker an.

Andere Autos hingegen hätten dank sparsamerer Motoren geholfen, Öl und CO2 einzusparen - nur eben weniger, als zugleich durch den Hang der Neuwagenkäufer zu SUV verschleudert wurde.

Der IEA zufolge liegt der Energieverbrauch eines SUV rund 25 Prozent über dem eines mittelgroßen Pkw, was sie auch langfristig zum Hindernis für den Klimaschutz machen könnte. Denn falls der Trend zum Pseudogeländewagen so weitergehe, würde er nach IEA-Angaben nicht nur den globalen Ölbedarf bis 2040 um rund zwei Millionen Fass am Tag steigern - er würde auch die CO2-Einsparungen durch rund 150 Millionen Elektroautos zunichte machen.

Die Bilanz könnte sogar noch negativer ausfallen. Die IEA geht nämlich davon aus, dass es sich bei den hunderten E-Modellen, die in den kommenden Jahren auf den Markt kommen, "zumeist um kleine bis mittlere Varianten" handle. Wenn sich auch bei Elektroautos der SUV-Trend durchsetzt, würden die schwereren Fahrzeuge genauso den Energiebedarf nach oben treiben - nur eben elektrisch.

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