Samstag, 28. März 2020

Unterwegs reicht das Smartphone Junge Autokäufer wollen gar kein total vernetztes Auto

Tankstopp-Anzeige von Audi: Jüngere Autokäufer lassen von den extra von Herstellern entwickelten Diensten nicht so richtig beeindrucken, zeigt eine Studie

Auf dem Genfer Autosalon werben Hersteller dafür, wie gut sich ihre neuen Modelle mit dem Internet und Onlinediensten verbinden lassen. Doch jungen Autokäufern ist diese Komplettvernetzung nicht so wichtig, zeigt eine Studie - für den Netzzugang unterwegs nützen sie lieber anderes.

Ihre Namen suggerieren volle Kontrolle über die Vernetzung: "Comand" holt das Internet an Bord, wirbt Mercedes für sein in Pkws eingebautes Infotainmentsystem. Audis Gegenstück "Connect" macht Autos zum mobilen Zuhause, erklärt die Werbe-Abteilung aus Ingolstadt.

Solche Sprüche dürften in Zukunft schriller ausfallen. Auf dem Genfer Autosalon führen die Autohersteller die neuesten Versionen ihrer Infotainment-Systeme vor - und werden dabei mächtig Wind um die Leistungsfähigkeit ihrer Systeme machen. Denn der Wettstreit um den reibungslosen Internetzugang im Auto wird zum Wettbewerbsfaktor: Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey zeigt, dass weltweit schon ein Fünftel der Kunden wegen eines besseren Internet-Angebots im Auto die Automarke wechseln würden.

Kein Wunder also, dass viele Autohersteller auch ihre Innenräume digital aufrüsten. Bei vielen Herstellern lassen sich bereits Apps im Auto installieren, der Zugriff auf manche Fahrzeugfunktionen via Smartphone ist ebenfalls bereits Standard. Mit einem Überangebot an Internet-Diensten im Auto könnte die Branche allerdings über das Ziel hinausschießen. Denn deren Nutzung sehen selbst junge Autofahrer skeptisch, die mit Online-Services und Smartphones aufgewachsen sind. Das zeigt eine Studie des Marken-Beratungsunternehmens Prophet, die manager magazin online exklusiv vorliegt.

Die Markenberater stellten tausend Deutschen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren je zehn Fragen zur Zukunft der Automobilität. In der Umfrage gaben zwar zwei Drittel der Befragten an, dass sie mit den elektronischen Assistenten im Auto gut zurechtkommen. Rund 61 Prozent stimmten allerdings der Aussage zu, dass weitere Dienste und Services im Auto vom Verkehr ablenken und das Unfallrisiko erhöhen würden.

Smartphones schlagen Bordsysteme

Besonders deutlich war die Zustimmung bei einer Frage: Drei Viertel der Befragten jungen Autofahrer erklärten, dass ihr Auto gar nicht komplett vernetzt sein müsse, da ihr Smartphone unterwegs längst als Zugang zu Internet, Navigation und Kommunikationsdiensten fungiere.

Das sei eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie gewesen, erklärt Felix Stöckle von Prophet. "Smartphones können bereits all das, was Autohersteller jetzt in ihre Fahrzeuge einbauen wollen". Stöckle hält es deshalb für einen Fehler, wenn Hersteller sich an Apple orientieren und ein geschlossenes System an Apps und Diensten rund um ihre Marke aufbauen. Denn die meisten für junge Autofahrer notwendigen Dienste seien bereits auf ihrem Smartphone gespeichert.

Autohersteller sollten deshalb eher darauf achten, die auf Smartphones enthaltenen Informationen einfacher im Auto nutzbar zu machen - statt mit von ihnen extra entwickelten Diensten punkten zu wollen. Ein zu dichtes Angebot an Informationen ist ohnedies kontraproduktiv, warnt Stöckle. "Junge Leute betrachten solche Dienste eher als Ablenkung. Sie sehen da weniger den Nutzen, sondern die Gefahren."

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