Samstag, 18. Januar 2020

Studie stützt Hilferufe der Autobranche vor Autogipfel Elektroautos könnten Verbrenner 2030 weltweit überholen

Ein Elektroauto tankt Strom an einer Ladesäule
Roland Weihrauch/ DPA
Ein Elektroauto tankt Strom an einer Ladesäule

Wie schnell setzen sich Elektroautos im Alltag durch? Diese Frage beschäftigt die Autobranche schon länger - und die Antwort hieß oft: sehr langsam. Doch die Meinung von Experten dazu ändert sich nun schnell - wie auch eine neue Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zeigt.

Nach der Studie mit dem Titel "Who will drive electric cars to the tipping point?" könnten im Jahr 2030 weltweit erstmals mehr Autos mit Elektroantrieben als mit Verbrennungsmotoren verkauft werden. Die Unternehmensberatung rechnet dabei batteriebetriebene Wagen und Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieben zusammen.

Vor etwas mehr als zwei Jahren prognostizierte BCG bereits ähnliches - doch nun rechnen die Experten mit einem beschleunigten Wachstum bei Elektrofahrzeugen. Treiber für die Entwicklung seien dabei unter anderem der Druck durch Vorgaben der Regulierer zum Schadstoffausstoß sowie sinkende Batteriekosten. So dürfte der Batteriepreis zwischen 2014 und 2030 um 80 Prozent fallen, prognostiziert BCG.

Der Anteil verschiedener Typen von Fahrzeugen mit Elektromotoren werde dabei von Region zu Region unterschiedlich sein, betonen die BCG-Experten. So werde in China und Europa zum Jahr 2030 gut jedes vierte neue Fahrzeug nur mit Batterien betrieben werden, während der Anteil von Wagen mit Benzinmotoren auf rund ein Drittel sinken werde.

Besonders stark schrumpft der Studie zufolge die Bedeutung von Dieselmotoren. In vergangenen Jahr 2019 hielten Dieselmotoren in Europa noch einen Anteil von 35 Prozent aller verkauften Neuwagen, heißt es in der Studie. Im Jahr 2030 werden dagegen nur mehr 8 Prozent aller Neuwagen in der EU mit einem Selbstzünder ausgeliefert.

In den USA hatte der Dieselmotor schon zuletzt nur einen Mini-Marktanteil von 3 Prozent aller verkauften Neuwagen. In zehn Jahren schnurrt dieser auf nur mehr 1 Prozent zusammen. Dagegen dürften nach der Prognose Benziner in den USA im Jahr 2030 noch auf einen Anteil von 47 Prozent bei Neuwagen kommen - und reine Batterie-Antriebe auf gut ein Fünftel.

Autobranche fordert zweistelligen Milliardenbetrag vom Staat

Auch in Deutschland dürfte sich angesichts solcher Prognosen wohl vieles in der Autobranche ändern - und Interessensverbände liefert die BCG-Studie wohl durchaus Munition für weitere Forderungen. Der Verband der Automobilindustrie etwa rechnet, dass allein im Zuge des Umstiegs auf Elektroautos im Bereich des Antriebsstrangs bis 2030 zwischen 80.000 und 90.000 Stellen in der Branche wegfallen könnten.

Beim sogenannten "kleinen Autogipfel" im Kanzleramt, der am Mittwochnachmittag beginnen sollte, soll es um die Beschäftigungssicherung in der Branche gehen. Im Vorfeld forderte der VDA Milliarden an staatlicher Unterstützung für den Strukturwandel in dem Wirtschaftszweig.

"Ich denke wir reden da schon über einen zweistelligen Milliarden-Betrag, den wir brauchen in der Summe für die Zuliefer- und Automobilindustrie", sagte VDA-Vorstand Stefan Wolf am Mittwochmorgen im Deutschlandfunk. "Wir reden über zehn bis zwanzig Milliarden."

Diese müssten in den Ausbau der Ladeinfrastruktur und der regenerativen Energien fließen, damit die Nachfrage nach E-Autos steige, sowie in die Förderung neuer Technologien wie etwa Wasserstoff.

"Die Bundesregierung muss sich darüber klarwerden, ob sie zu diesem wichtigen Industriezweig steht und ob sie den weiter unterstützen möchte und ob sie weiter will, dass wir die Nummer eins bleiben in der Automobilindustrie", sagte Wolf, der auch Vorstandschef des Zulieferers Elringklinger ist. Der Hauptgegner der deutschen Konzerne sei China, wo der Staat kräftig investiere, um die Autobranche an die Weltspitze zu führen. "Dagegen müssen wir ankämpfen."

mit Material von Reuters, dpa

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