Stellantis Opel fährt im Corona-Jahr dreistelligen Millionengewinn ein

Opel erweist sich im neuen Stellantis-Konzern als Ertragsstütze. Opel-Chef Lohscheller darf zufrieden sein, Stellantis-Chef Tavares hat vor allem bei Fiat Chrysler noch viel Arbeit vor sich und will die Rendite nach oben bringen.
Nachhaltig profitabel: Was Opel-Chef Michael Lohscheller (r.) jetzt für den deutschen Autobauer konstatiert und was ebenso für PSA gilt, will Stallantis-Chef Carlos Tavares auch für Fiat Chrysler erreichen

Nachhaltig profitabel: Was Opel-Chef Michael Lohscheller (r.) jetzt für den deutschen Autobauer konstatiert und was ebenso für PSA gilt, will Stallantis-Chef Carlos Tavares auch für Fiat Chrysler erreichen

Foto: Arne Dedert/ dpa

Nach vielen Verlustjahren scheint sich Opel unter dem Dach des umbenannten Mutterkonzerns Stallantis zu einem profitablen Autobauer zu entwickeln. Jedenfalls gibt Stellantis in einer Übersicht den operativen Gewinn seiner Tochter Opel-Vauxhall, die bisher zu PSA gehörte, für das Corona-Jahr 2020 mit 527 Millionen Euro an , zum Halbjahr hatte hier ein Plus von 110 Millionen Euro gestanden. Zwar ist der Jahresgewinn der Tochter um die Hälfte gegenüber 2019 geschrumpft. Allerdings hatte Opel im Corona-Jahr auch einen Absatzeinbruch von 35 Prozent zu verkraften.

Die Marke mit dem Blitz habe sich zu einem nachhaltig profitablen Unternehmen entwickelt, erklärte Opel-Chef Michael Lohscheller (52) in einem Brief an die Belegschaft. Die Mitarbeiter sollen mit einer Prämie von je 500 Euro am Erfolg beteiligt werden.

Stellantis ist vor gut anderthalb Monaten aus der Fusion von PSA mit Opel und Fiat-Chrysler zum viertgrößten Autobauer der Welt aufgestiegen. Zu dem Konzern mit 14 Marken und weltweit 400.000 Beschäftigten zählen auch Marken wie Citroën, Jeep, Maserati oder Alfa Romeo. Der neu formierte Autogigant, der im vergangenen Jahr knapp sechs Millionen Autos verkaufte, hat laut Konzernchef Carlos Tavares (62) "einen fliegenden Start" hingelegt. Nun komme es darauf an, die angekündigten Synergien von jährlich fünf Milliarden Euro zu erzielen.

Tavares hält an Synergien von fünf Milliarden Euro fest

Tavares will dabei ohne Werksschließungen auskommen. Analysten bezweifeln aber, dass das ohne Stellenstreichungen möglich sein wird. "Stellantis hat Überkapazitäten von zwei Millionen Fahrzeugen", sagte Frank Schwope von der NordLB. Der Autoanalyst rechnet in den nächsten Jahren damit, dass vor allem in Italien Werke geschlossen werden. "Kostensenkungen und der Abbau der massiven Überkapazitäten dürften die nächsten Jahre des fusionierten Konzerns prägen, damit aus Stellantis kein Atlantis wird."

Für das laufende Jahr gab Tavares eine operative Rendite in der Spanne von 5,5 bis 7,5 Prozent vor. Zum Vergleich: Bei Fiat Chrysler lag die bereinigte Marge im vergangenen Jahr bei 4,3 Prozent, bei PSA waren es ohne die Beteiligung an dem zum Konzern gehörenden Zulieferer Faurecia 7,1 Prozent. Aggregiert über alle lag die Marge bei 5,3 Prozent.

Fiat Chrysler fährt PSA-Gruppe noch hinterher

Tavares hat sich vorgenommen, die Rendite von Fiat Chrysler möglichst bald auf die von PSA zu heben. Unklar ist noch, wie sich der weltweite Mangel an Computerchips, der fast allen großen Autobauern zu schaffen macht, auf das Geschäft auswirkt. Stellantis erklärte, die Elektrifizierungsoffensive könnte die Ergebnisse auch in diesem Jahr belasten.

Der gebürtige Portugiese Tavares sagte mit Blick auf die Geschäftszahlen der beiden Fusionspartner, Stellantis sei finanziell gesund. Der Peugeot-Hersteller PSA erzielte im vergangenen Jahr einen auf den Konzern entfallenen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Euro - im Jahr zuvor waren es noch 3,2 Milliarden Euro gewesen. Der Umsatz sank wegen der Corona-Krise um rund 19 Prozent auf 60,7 Milliarden Euro.

Bei Fiat Chrysler (FCA) wiederum brach der Nettogewinn im vergangenen Jahr im fortgeführten Geschäft von 2,7 Milliarden Euro auf nur noch 24 Millionen Euro ein. Sondereffekte herausgerechnet, sackte das Ergebnis von 4,3 Milliarden auf knapp 1,9 Milliarden Euro zusammen. Der Umsatz betrug 86,7 Milliarden Euro - ein Fünftel weniger als im Vorjahr.

rei/dpa-afx, Reuters
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