Carlos Tavares Stellantis-Chef wegen 66-Millionen-Euro-Vergütung in der Kritik

Nach der Fusion von Peugeot und Fiat soll der Chef des neuen Autokonzerns für 2021 Gehalt, Bonus, Gratisaktien und eine Sondervergütung erhalten. Das sorgt mitten im französischen Präsidentschaftsrennen für Empörung.
"Unanständig": Stellantis-Boss Carlos Tavares bekommt viel Geld

"Unanständig": Stellantis-Boss Carlos Tavares bekommt viel Geld

Foto: MASSIMO PINCA / REUTERS

Mitten in der heißen Phase des französischen Präsidentschaftswahlkampfs gerät einer der prominentesten Manager des Landes wegen seiner hohen Vergütung in die Kritik. Carlos Tavares (63), der Vorstandschef des Autobauers Stellantis, soll für das vergangene Jahr mit mehr als 19 Millionen Euro vergütet werden – und über kostenlose Aktienzuteilungen und eine Sondervergütung weitere 47 Millionen Euro erhalten.

Im Vorfeld der Hauptversammlung am Mittwoch geißelten Gewerkschaften und Investoren die deutlich gestiegenen Bezüge als "unanständig" und "empörend". Tavares, der aufgrund seines harten Sparkurses als einer der härtesten Autobosse der Welt  gilt, führt den Anfang 2021 entstandenen Konzern mit Marken wie Peugeot, Citroen, Fiat, Opel, Chrysler oder Maserati unangefochten. Vor der Fusion als Chef des französischen PSA-Konzerns hatte der Portugiese allerdings deutlich weniger verdient, 2019 waren es keine 8 Millionen Euro.

Die politische Lage in Frankreich – in gut einer Woche treten Präsident Emmanuel Macron (44) und die rechtspopulistische Herausfordererin Marine Le Pen (53) zur Stichwahl an – macht die Lage besonders brisant. Der französische Staat ist bis heute an Stellantis beteiligt und nach der Exor Holding der Agnelli-Familie  und der Peugeot-Familie der drittgrößte Anteilseigner des Konzerns. Der französische Regierungssprecher Gabriel Attal sagte am Mittwoch, die Vergütung für Tavares sei nicht "normal" und zeige, dass mehr Regulierung auf europäischer Ebene erforderlich sei.

Tavares soll für das erste Stellantis-Jahr 2021 ein Grundgehalt von 1,9 Millionen Euro erhalten. Dazu kommen 7,5 Millionen Euro variable Vergütung, 5,5 Millionen aufgrund eines dreijährigen Leistungsplans, rund 1,7 Millionen Euro Prämie für die Fusion sowie 2,3 Millionen Euro Altersversorgung. Den größten Anteil machen aber Gratisaktien (32 Millionen Euro) aus, die ihm bei der Fusion zugeteilt wurden, sowie eine Sondervergütung für die Transformation des Konzerns (25 Millionen Euro). Zwar wird ein großer Teil davon erst zwischen 2026 und 2028 ausbezahlt, das bremst die Kritik aber nicht. Die Zahl von insgesamt 66 Millionen Euro sei inakzeptabel, schimpfte etwa Jean-Pierre Mercier von der Gewerkschaft CGT gegenüber der Zeitung "Le Monde". Man müsse bedenken, dass Stellantis in Frankreich 2.600 Stellen streiche und den Mitarbeitern nur eine Lohnerhöhung von gerade 2,8 Prozent gewähre.

Ein Stellantis-Sprecher verteidigte das Vergütungspaket für Tavares. Es werde allein "auf Grundlage der Meritokratie vergeben". Das Board und dessen Vorsitzender, der Exor-Chef John Elkann (46) seien voll und ganz auf dieses Prinzip ausgerichtet. Im Konzern wird außerdem daran erinnert, dass Stellantis mit 14,2 Milliarden Euro Nettogewinn im Jahr 2021 einer der profitabelsten Hersteller der Welt war. An der Börse ist das in New York gelistete Unternehmen aktuell rund 47 Milliarden Dollar wert.

lhy