Konflikt um Sparprogramm VW-Betriebsratschef Osterloh will McKinsey aus dem Haus jagen

"Steinzeitdenken", "sinnfreies Köpfezählen": VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ist kein Fan der Unternehmensberatung McKinsey. Er wettert gegen den Einsatz der Berater bei Volkswagens Sparprogramm - und fordert deren Abzug.
Volkswagen-Betriebratsboss Bernd Osterloh: "Wir brauchen keine 'Maccies'"

Volkswagen-Betriebratsboss Bernd Osterloh: "Wir brauchen keine 'Maccies'"

Foto: DPA

Wolfsburg - Der Einsatz externer Unternehmensberater bei Volkswagen hat den Groll von VW-Betriebsratsboss Bernd Osterloh heraufbeschworen. Die unter anderem auf Spar- und Effizienzprogramme spezialisierte Strategieberatungsfirma McKinsey sei ohne Wissen der Arbeitnehmerseite in den Konzern geholt worden, sagte Osterloh der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" (Freitag). Er forderte den raschen Abzug der Beratungsfirma, der er ein "Steinzeitdenken" vorwirft.

Ein Konzernsprecher sagte: "Es handelt sich hier um eine reine Prozessbegleitung und nicht um eine inhaltliche. Wir werden selbstverständlich mit dem Betriebsrat klären, ob und welche Berater beteiligt werden sollen in dem Prozess." Mit welchem Auftrag und in welcher Stärke die McKinsey-Berater - genannt: "Maccies" - bei VW arbeiten, war zunächst nicht zu erfahren. Der Betriebsrat nannte die Standorte Wolfsburg und Kassel.

Arbeitnehmervertreter und VW-Manager ringen derzeit um ein milliardenschweres Sparprogramm. Denn Volkswagens Marsch in Richtung Weltmarktführerschaft droht ins Stocken zu geraten. Insbesondere die Rendite der Kernmarke VW machen der Konzernführung Sorgen. Konzernchef Martin Winterkornhat deshalb vor Führungskräften ein Sparprogramm angekündigt, wie manager magazin vor kurzem berichtete.

Er will so Einsparungen von bis zu 5,5 Milliarden Euro pro Jahr erreichen. Alleine die Marke VW soll Kosten von mehr als fünf Milliarden Euro streichen. Winterkorn will die Einhaltung der Sparziele persönlich überwachen - und deshalb seinen Vertrag bis 2018 verlängern.

Osterloh: Vorstand soll lieber auf die eigenen Leute hören

Betriebsratschef Osterloh drohte bereits mit seinem Vetorecht gegen den Sparkurs - nun schießt er sich auf die Berater ein. Osterloh fürchtet, es gehe mit McKinsey um ein "sinnfreies Köpfezählen in der Produktion". Stattdessen gehörten die Komplexität der enormen VW-Produktpalette mit ihren 310 Modellen auf die Agenda oder auch Verbesserungen beim Entwicklungsaufwand. "Der Vorstand schmeißt mit dieser Fremdvergabe schon wieder unnötig Geld zum Fenster raus", kritisierte der Betriebsratschef.

Er verwies auf die eigene Beratungskompetenz im Konzern. So erwuchs zum Beispiel aus der heutigen VW-Tochter Porsche 1994 die Porsche Consulting. Ihr Schwerpunkt: Effizienzprogramme und Strukturverbesserungen.

Zu Winterkorns Sparprogramm hatte Osterloh gesagt: "Kein Mensch muss Angst haben, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Es geht hier um die Weiterentwicklung des Konzerns und darum, zu schauen, wo der Konzern noch Gold vergraben hat."

Osterloh sagte der "Wolfsburger Allgemeinen" in diesem Kontext: "Wir brauchen keine "Maccies"." Der Vorstand müsse nur auf die eigenen Leute hören. "Das kostet keinen Cent. Wer glaubhaft Effizienzen heben will, der legt einen schlechten Start hin, wenn er zuallererst ohne Not Geld versenkt."

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sagte, er stehe voll hinter Osterlohs Kurs. "Eigentlich wollte ich dazu nichts sagen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wenn man sich die McKinseys ins Haus holt, ist der Misserfolg schon vorprogrammiert." Die Berater seien das falsche Signal. "Ich bin bekanntermaßen ein großer Fan von Produktivität, denn wir brauchen Gewinne, um das Soziale zu verteidigen. Deshalb kann ich meinen Freund Bernd nur unterstützen, wenn er hier einen Strategiewechsel fordert", unterstrich Hück.

wed/dpa-afx
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