Freitag, 23. August 2019

Buffett & Soros Warum Star-Investoren unter die Autoverkäufer gehen

Anlage: Star-Investoren als Autoverkäufer
REUTERS

George Soros wandelt auf den Spuren von Warren Buffett: Bereits im Vorjahr hatte Buffett den fünftgrößten Autohändler der USA gekauft - und nun denkt auch Soros darüber nach, einen Milliardenbetrag in den Autohandel zu investieren. Warum die Branche für Investoren attraktiv ist.

Hamburg - George Soros und der Autohandel, eine undenkbare Verbindung? Von wegen. Offenbar will der Großinvestor eine Milliarde Dollar in diese Branche stecken. Entsprechend soll er sich auf einer Abendveranstaltung geäußert haben, berichtet die Branchen-Website autonews.

Die Veranstaltung war ein Dinner, das in die "National Automobile Dealers Association convention" in San Francisco eingebettet war. Und dort - vor rund 40 Branchenkapitänen - sprach unter anderem auch Vipul Tandon, ein Repräsentant des Soros-Fonds. Im Nachhinein ging ein Raunen durch die Zuhörerschaft. "Die mögen Autos", sagte einer von ihnen und klang dabei fast ein wenig verwundert. Wenn die richtige Situation käme, dann wolle Soros aufspringen. Bestätigen wollte Tandon diese Erklärung nicht, entsprechende Telefonanrufe von automotive news wurden nicht beantwortet. Dabei wäre Soros längst nicht der erste Großinvestor, der zugreift.

Bereits Warren Buffett hat das getan. 2014 kaufte er mit der Van Tuyl Group den fünftgrößten Autohändler der USA. Hohe Volumina und niedrige Kapitalkosten seien es gewesen, die ihn zu diesem Investment bewegt hätten, sagte Buffett in einem Interview. Außerdem könne man über dieses Netzwerk noch Versicherungen und Finanzprodukte verkaufen.

Was die Investoren wirklich antreibt

Doch ganz so einfach ist das Geschäft mit dem Autoverkauf nicht. Denn die Margen sind niedrig. Und dürften in Zukunft nicht steigen. Entsprechend gab es auch Kritik am Buffett-Einstieg. "Ich glaube nicht, dass das sinnvoll ist", sagte zum Beispiel Sarwant Singh, ein Auto-Analyst bei Frost and Sullivan. "Die Struktur der Händler, gerade in den USA, ist ein altes Modell, das aussterben wird."

Insofern dürfte auch ein anderer Grund für die Begehrlichkeiten vorliegen. Denn zumindest in dieser Hinsicht geht es den Star-Investoren wie Buffett und Soros wie dem Jedermann-Anleger: Sie alle suchen nach rentablen Anlagechancen im Umfeld niedriger Leitzinsen. Und im Gegensatz zum Kleinsparer haben die Stars ein Handikap - sie bewegen ein Milliardenvermögen. Es ist so groß, dass sie lukrative Nischen gar nicht erst ansteuern können, weil sie damit die Börse in Alarmstimmung versetzen würden.

Entsprechend greifen sie nach großvolumigen Anlagen, die auch Milliarden absorbieren können. Wie dem Autohandel. Genau das hat Buffett zuletzt auch Kritik eingebracht. Denn diese Großinvestments können nicht so rasante Entwicklungssprünge hinlegen wie Kleinunternehmen. Aber wer weiß - bislang behielten Soros und Buffett in der Regel und am Ende des Tages doch Recht.

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung