Start-up Sono Motors Solarauto Sion steht erneut auf der Kippe

Das Start-up-Unternehmen Sono Motors sucht 3500 Kunden, die für das Solarauto Sion einen ermäßigten Kaufpreis von 27.000 Euro vorauszahlen. Gelingt dies den beiden Mitgründern Jona Christians und Laurin Hahn nicht innerhalb von 50 Tagen, scheitert das Projekt.
Letztes Läuten für den Sion? Die Sono-Motors-Mitgründer Jona Christians (li.) und Laurin Hahn versuchen einmal mehr, Geld für ihr Solarauto einzutreiben

Letztes Läuten für den Sion? Die Sono-Motors-Mitgründer Jona Christians (li.) und Laurin Hahn versuchen einmal mehr, Geld für ihr Solarauto einzutreiben

Foto: Sono Motors

Dem Münchener Start-up-Unternehmen Sono Motors ist das Geld für sein geplantes Solarauto Sion ausgegangen. Die beiden Vorstandschefs und Mitgründer Jona Christians (29) und Laurin Hahn (28) sagten am Donnerstag: "Wir haben es nicht geschafft, den Investoren und Investorinnen zu erklären, warum der Sion das Potenzial zum ersten erschwinglichen Solar-Elektroauto der Welt hat." Die letzte Chance sei jetzt, dass 3500 Kunden einen ermäßigten Kaufpreis von 27.000 Euro für ihr Auto komplett vorauszahlen – sonst sei das Projekt gescheitert. Das benötigte Geld auf andere Wege einzusammeln, "dauert viel länger als erwartet", so die Gründer.

Das Unternehmen hat für den Rettungsversuch eine Frist von 50 Tagen bis Ende Januar festgesetzt. Sono Motors hat im laufenden Jahr bis Ende September 104 Millionen Euro Verlust gemacht und braucht frisches Geld, um 2023 die Vorserie und Anfang 2024 das erste Serienauto bauen zu können.

Das geplante E-Auto hat 456 Solarzellen auf der Karosserie, die laut Sono Motors Strom für durchschnittlich 112 Kilometer pro Woche liefern. Mit einem Akku und Strom aus der Steckdose soll das Auto gut 300 Kilometer Reichweite haben. Rund 21.000 private Kunden haben bereits Reservierungen getätigt und durchschnittlich 2000 Euro angezahlt, für weitere 22.000 Solarautos gibt es Vorbestellungen von Flottenbetreibern.

Heftiger Einbruch an der Börse

Der Sion steht nicht zum ersten Mal vor dem Aus. Ende 2019 hatte sich Sono bereits einmal nur durch eine Crowdfunding-Kampagne über Wasser halten können. Damals sammelten Hahn und Christians binnen 50 Tagen mehr als 50 Millionen Euro von ihren Anhängern ein. Den Start ihres Solarautos mussten die Gründer mehrmals verschieben, zudem erhöhten sie zwischenzeitlich mehrfach die Preise. Im Frühjahr 2022 gab das Start-up zudem bekannt, den geplanten Auftragsfertiger für das Auto wechseln zu müssen. Statt National Electric Vehicle Sweden (NEVS) soll nun Valmet Automotive aus Finnland den Sion bauen. Falls es dazu überhaupt noch kommt.

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Um eine Insolvenz abermals zu vermeiden, waren die Münchener zudem vor einem Jahr an die Börse gegangen. Doch auch das bedeutete nicht den erhofften Befreiungsschlag: An der Techbörse Nasdaq ging es für Sono seitdem fast ununterbrochen bergab. Seit dem Start hat die Aktie fast 94 Prozent an Wert verloren. Aktuell wird das Unternehmen noch mit gut 100 Millionen Dollar bewertet.

Hauptaktionäre sind die beiden Gründer sowie US-Investoren. "Viele Investoren und Investorinnen raten uns dazu, dass wir uns auf unser weniger kapitalintensives B2B-Solargeschäft, das bereits Umsätze generiert, konzentrieren und das Sion-Programm aufgeben sollten", teilten Hahn und Christians mit. Sono Motors baut inzwischen auch Solarlösungen für Busse und Lastwagen.

Sollten die Sion-Fans Sono Motors nicht noch einmal unter die Arme greifen, "planen wir uns auf unser attraktives B2B-Solargeschäft zu konzentrieren, das deutlich weniger kapitalintensiv ist", erklärten Laurin Hahn und Jona Christians. Sono stattet als Zulieferer beispielsweise Busse mit Solarzellen aus. "Bevor wir es jedoch wagen, die Sion-Entwicklung einzustellen, wollen wir unserer Community eine letzte Chance geben, das Sion-Programm am Leben zu halten."

hr, sey/dpa-afx
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