Börsengang Sono Motors erzielt Milliardenwert an der Nasdaq

Das Münchener Startup Sono hat den Sprung an die Technologiebörse Nasdaq geschafft. Umgehend verdoppelte sich der Firmenwert auf zwei Milliarden Euro. Das Projekt eines günstigen Solarautos bleibt damit am Leben.
Kurs Wall Street: Prototyp des Solarautos Sono Sion

Kurs Wall Street: Prototyp des Solarautos Sono Sion

Foto: Sono

Der Münchener Solarautoentwickler Sono Motors ist am Mittwoch an der US-Technologiebörse Nasdaq gestartet. "Durch den Börsengang wird Sono Motors voraussichtlich netto rund 135 Millionen Dollar erlösen", sagte der Gründer und Vorstandschef Laurin Hahn (27). Die drohende Insolvenz sei damit abgewendet: "Ja, die Erlöse helfen uns, unser Fortbestehen zu sichern und helfen uns, zusätzliche Investitionen für die Serienproduktion zu tätigen", sagte Hahn der Deutschen Presse-Agentur. Im Börsenprospekt  hatte das Unternehmen gewarnt, ohne den Erlös aus dem Aktienverkauf drohe das Geld im Dezember auszugehen.

Sono platzierte zehn Millionen Stammaktien mit einem Nennwert von 6 Eurocent zum Preis von 15 Dollar je Aktie. Das entspricht 15 Prozent der Unternehmensanteile. Hahn und der Co-Gründer und -Vorstandschef Jona Christians (28) halten weiter die Mehrheit der Stimmrechte. Der Erlös abzüglich Kosten soll für die Fertigstellung der nächsten Prototypengeneration verwendet werden.

Der Kurs der Sono-Aktie  stieg bis zum New Yorker Börsenschluss auf 43,98 Dollar, ein Plus von 155 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis. Das Unternehmen kommt damit auf einen Börsenwert von gut 2,75 Milliarden Dollar (2,43 Milliarden Euro). Zumindest ein kleines Stück des Börsenhypes um Elektroautos fällt damit für die Deutschen ab, etwa in der Liga der von BMW-Veteranen verlassenen Firma Canoo. Die US-Firma Rivian, die ebenso wie Sono bislang noch keinen Umsatz vorweisen kann, war vor einer Woche ebenfalls an der Nasdaq gestartet und überholte am Dienstag mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 150 Milliarden Dollar sogar Volkswagen als drittwertvollste Aktiengesellschaft der Autobranche (nur noch übertroffen von Tesla und Toyota).

Fragezeichen über Produktion in Schweden

"Wir haben uns für einen Börsengang in den USA entschieden, weil Investoren dort stark an Technologieunternehmen interessiert sind", sagte Hahn. Über die Pläne hatte manager magazin bereits Ende 2020 berichtet .

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Sono entwickelt ein Kompaktauto namens Sion, dessen Kunststoffkarosserie rundum mit etwa 250 Solarzellen bestückt ist. Es soll in Schweden gebaut werden - in der ehemaligen Saab-Fabrik Trollhättan, die heute dem Unternehmen NEVS gehört, einer Tochter des schwer angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande. NEVS-Chef Stefan Tilk zufolge wird derzeit nach neuen Investoren gesucht, ein Großteil der Belegschaft wurde entlassen. Mit Sono gebe es noch gar keinen Vertrag, sagte Tilk Ende Oktober der Zeitung "Dagens Nyheter". Erst müsse Sono an die Börse gehen und Geld einsammeln, "dann reden wir weiter". Die Vorbereitungen für eine Serienproduktion ab 2023 liefen nach Plan, beteuert Sono.

Dem Unternehmen zufolge gibt es gut 16.000 angezahlte Reservierungen. In den vergangenen Jahren machte Sono Furore mit einer Crowdfunding-Kampagne. Im Januar 2020 sammelte das Unternehmen 53 Millionen Euro über Anzahlungen, Anteilsverkäufe, Spenden und Darlehen ein – Rekord für ein europäisches Start-up. Die Münchener ließen damals Finanzinvestoren zugunsten überzeugter Fans abblitzen, die auf das Versprechen von Nachhaltigkeit und zudem einem erschwinglichen, kleinen Auto setzten. So postete beispielsweise die Schauspielerin Nora Tschirner "unbezahlte Werbung aus Überzeugung".

Hahn sagte nun: "Wir sind jetzt einen großen Schritt weiter, den Sion an unsere Community auszuliefern und unsere Mission zu verwirklichen, jedes Fahrzeug mit Solarzellen auszustatten."

ak/dpa-afx
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