E-Auto-Start-up feiert Meilenstein Sono Motors sammelt 50 Millionen Euro über Crowdfunding ein

Sono Motors-Gründer Jona Christians (li.), Laurin Hahn (re.): Community-Funding statt Finanzinvestoren für den Start ihres Solar-Elektroautos Sion

Sono Motors-Gründer Jona Christians (li.), Laurin Hahn (re.): Community-Funding statt Finanzinvestoren für den Start ihres Solar-Elektroautos Sion

Foto: Sono Motors

Das Start-up Sono Motors hat es geschafft, kann das Solarauto "Sion" nun doch bauen. Die Münchener Firmengründer sammelten jetzt binnen Kürze mehr als 50 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen am Sonntag mitteilte. "Statt aufzugeben wer wir sind, kämpfen wir gemeinsam für das, woran wir glauben," schreiben die Jungunternehmer nicht ohne Stolz auf ihrer Internetseite .

Der "Sion" kann dank Solarzellen in der Karosserie kurze Strecken von bis zu 34 Kilometern mit reiner Sonnenenergie fahren und auch an der Steckdose aufgeladen werden. 10.000 Interessenten hätten das Auto, das für rund 25.000 Euro zu haben ist, gegen Anzahlung bereits bestellt. Die Produktion soll 2022 starten.

Es ist bereits die zweite größere Crowdfunding-Kampagne von Sono Motors. Dem 2016 gegründeten Unternehmen war mit dieser Art der Finanzierung der Start gelungen, es hatte sich Privatinvestoren an Bord geholt und Verträge zur Auftragsfertigung im ehemaligen Saab-Werk in Trollhättan gesichert.

Doch dann machte Sono bei der Finanzierung der Serienfertigung einen spektakulären Rückzieher: Die nach eigenen Angaben weit gediehenen Verhandlungen mit Finanzinvestoren für eine weitere Finanzierungsrunde hatte Sono Dezember vergangenen Jahres abgebrochen und zugleich die 50 Millionen Euro schwere öffentliche Community-Funding-Kampagne angekündigt.

Finanzinvestoren wollten laut Sono Technologie aus Deutschland abziehen

Offenbar zogen die potenziellen Geldgeber und die Gründer nicht am gleichen Strang. "Bei den Verhandlungen mit großen, finanzstarken Investoren hat sich immer wieder gezeigt, dass sie nicht unsere Werte und Ziele verfolgen", erklärte Sono Motors-Mitgründer Laurin Hahn den Schritt seinerzeit. Letztlich sei der eigene Nachhaltigkeitsanspruch nicht mit dem Fokus der Finanzinvestoren auf schnellen Profit vereinbar gewesen. Hätte Sono Motors die neuen Investoren mit ins Boot genommen, wäre das geplante Elektroauto "schlicht nicht auf die Straße gekommen". Zudem wäre es "im Großen und Ganzen ein Technologie-Ausverkauf gewesen", begründete Vorstandschef Hahn seinerzeit.

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Laut Süddeutscher Zeitung hatte Sono Motors am 30. Dezember 32,5 Millionen Euro zusammenbekommen - durch neue Spenden und Darlehen oder weil Interessenten ihre Anzahlung erhöht hatten und neue Käufer hinzugekommen waren. Die taxierten 50 Millionen Euro, um die Erfindung eines Elektroautos mit Solarzellen in der Außenhaut plus Carsharing-Konzept umsetzen zu können, waren aber noch nicht erreicht.

Kampagne mit Erfolg verlängert - weiteres Geld wird benötigt

In einer Abstimmung befürwortete dann "eine große Mehrheit der Investoren und Besteller", die Crowdfunding-Sammlung bis zum 21. Januar zu verlängern. Am vergangenen Sonntag nun hatte Sono Motors, das mittlerweile 100 Beschäftigte zählt, die 50-Millionen-Euro-Marke geknackt. Gegen Montagmittag wies die digitale Sammeluhr  auf der Internetseite des Unternehmens bereits rund 51,6 Millionen Euro aus.

Berichten zufolge hat es weder in Europa noch in den USA zuvor ein junges Unternehmen geschafft, in so kurzer Zeit so viel Geld über eine Crowdfunding-Kampagne zu akquirieren. In Deutschland bewegten sich die erfolgreichsten Crowdfunding-Projekte zudem gerade mal im einstelligen Millionenbereich.

Für Sono Motors ist die Kampagne daher zweifelsohne ein riesiger Erfolg. Und große Verpflichtung zugleich. Denn mit den 50 Millionen Euro ist zwar der Bau von Serien-Prototypen, die Beauftragung von Werkzeugen und Produktionsanlagen bei Partnern und die Erprobung der Fahrzeuge finanziert, wie Sono Motors transparent macht .

Für die erhoffte Serienproduktion in dem ehemaligen Saab-Werk braucht Sono Motors aber weiteres Geld - der gesamte Produktionsanlauf soll eigenen Angaben zufolge rund 255 Millionen Euro kosten. Zumindest einen Teil davon glaubt das junge Unternehmen über den Verkauf sogenannter CO2-Zertifikate einspielen zu können.

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