Trotz Umsatzsteigerung Sondereffekt verhagelt BMW den Gewinn, Ausblick enttäuscht

BMW steigert trotz rückläufiger Absatzzahlen seine Erlöse. Konzernchef Oliver Zipse blickt allerdings mit Skepsis auf das zweite Halbjahr.
BMW-Chef Oliver Zipse (58) rechnet mit Problemen im zweiten Halbjahr

BMW-Chef Oliver Zipse (58) rechnet mit Problemen im zweiten Halbjahr

Foto: Hannes Magerstaedt / Getty Images

Der Münchner Autobauer BMW stellt sich nach einem Umsatzplus im zweiten Quartal auf Gegenwind ein. Die Geschäftsbedingungen dürften in der zweiten Jahreshälfte schwierig bleiben, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. "Inflation und Zinssteigerungen, die das makroökonomische Umfeld auch in den kommenden Monaten prägen, wirken sich auf die Nachfrage aus. Entsprechend ist gegen Jahresende mit einer Normalisierung des überdurchschnittlich hohen Auftragsbestands, insbesondere in Europa, zu rechnen", so der Münchner Autobauer.

Derzeit bremst vor allem der anhaltende Chipmangel bei vielen Autobauern weltweit die Produktion. Auch in München zeigte sich die Knappheit. BMW setzte in der ersten Jahreshälfte 1,16 Millionen Autos und damit rund 14 Prozent weniger als vor Jahresfrist ab.

BMW erwartet stagnierenden Absatz für 2022

Die Münchner kamen im vergangenen Jahr jedoch besser mit dem Chipmangel klar als die Konkurrenz von Volkswagen und Mercedes. Die Versorgung mit Halbleitern soll sich zudem im zweiten Halbjahr dieses Jahres verbessern. BMW geht aber unter anderem wegen Einschränkungen rund um den Ausbruch des Ukraine-Kriegs für das Gesamtjahr nur von einem Absatz auf Vorjahresniveau aus, was 2,5 Millionen Autos entspricht. Die Verkäufe von vollelektrischen Autos sollen sich hingegen erneut verdoppeln.

Ob des skeptischen Ausblicks zogen sich BMW-Aktionäre zurück. Am frühen Nachmittag gab die Aktie von BMW fast 6 Prozent nach und war damit schwächster Wert im Dax.

Trotz des Absatzrückgangs erwirtschafteten die Münchner im abgelaufenen Quartal mehr Umsatz. Die Erlöse stiegen nach Unternehmensangaben von April bis Juni um 21,6 Prozent auf 34,8 Milliarden Euro. Von Refinitiv befragte Analysten hatten mit 33,4 Milliarden Euro gerechnet. Zudem profitiere BMW vom günstigen Wechselkurs, gestiegenen Autopreisen und der guten Lage an den Gebrauchtwagenmärkten.

Mehr Umsatz und weniger Gewinn im zweiten Quartal

Beim Gewinn bekam BMW dagegen unter anderem einen Sondereffekt zu spüren: Das Ergebnis vor Steuern fiel mit 3,9 Milliarden Euro um gut ein Drittel niedriger aus als vor Jahresfrist, als die Münchner eine Milliarde Euro Rückstellung für ein EU-Verfahren auflösen konnten. Dazu kamen negative Konsolidierungseffekte aus der Übernahme von der chinesischen Tochter BMW Brilliance Automotive (BBA) von rund 1,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte.

Die Buchhaltungseffekte wegen der Mehrheitsübernahme von BBA schmälerten die Rendite von BMW zunächst – im ersten Quartal waren es rund 500 Millionen Euro an Abschreibungen auf den Kaufpreis. Das Joint Venture in Shenyang ist für beide Partner einer der wichtigsten Ertragsbringer. Es fertigt unter anderem BMWs Elektro-SUV iX3, der aus China nach Deutschland exportiert wird.

mje, rei/Reuters/dpa-afx
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