Mittwoch, 18. September 2019

Saab-Nachfolger NEVS wird Auftragsfertiger für Sion Solarauto-Start-up Sono belebt Saab-Werk in Schweden wieder

Serienversion des Sono Motors Sion: Dieses Solar-Elektroauto wird im schwedischen Trollhättan vom Band rollen

Vom Weltverbesserer-Traum zu einer Art deutschem Tesla Motors - in etwas kleinerer und bescheidenerer Dimension als das US-Original: Diese erstaunliche Story scheint dem Münchner Solarauto-Startup Sono Motors zu gelingen. Vor wenigen Wochen präsentierte das erst 2016 gegründete Jungunternehmen das finale Seriendesign seines ersten Fahrzeuges Sion, bei dem in die Karosserie integrierte Solarzellen bis zu 34 Kilometer Reichweite pro Tag generieren können.

Nun gab das Unternehmen den Auftragsfertiger bekannt, der künftig den Sion vom Band laufen lassen wird - und sorgt damit für eine handfeste Überraschung. Denn Sono Motors wird seinen Solarwagen im schwedischen Trollhättan fertigen lassen, in jener traditionsreichen Autofabrik, in der bis zum Jahr 2010 Modelle der Marke Saab gefertigt wurden.

Die Automarke Saab ist jedoch seit längerem Geschichte, da der Saab-Mutterkonzern General Motors sämtliche Übernahmeideen für die einst so hochangesehene Marke torpedierte. Aus den Ruinen der missglückten Saab-Übernahmepläne entstand das von chinesischen Investoren finanzierte Unternehmen National Electric Vehicles of Sweden (NEVS), dem das ehemalige Saab-Werk in Trollhättan gehört.

In der Saab-Fabrik wurden 2014 ein paar hundert Verbrenner-Fahrzeuge auf Basis eines alten Saab-Modells gefertigt, 2017 lief eine noch kleinere Zahl an Elektroautos probehalber von den Bändern. Abgesehen davon liegt die Fabrik seit der Saab-Insolvenz im Jahr 2011 quasi still, wie ein NEVS-Sprecher gegenüber manager-magazin.de bestätigte. In den vergangenen Jahren hat NEVS jedoch jährlich Millionen investiert, um das Werk und die Maschinen weiter produktionsreif zu halten.

Sono will mindestens 260.000 Sions in Schweden fertigen lassen

Der Vertrag mit Sono wird die alte Saab-Fabrik nun wiederbeleben: "Die Werksmitarbeiter und die Stadt Trollhättan freuen sich wirklich auf Sono Motors", erklärte ein NEVS-Sprecher gegenüber manager-magazin. Man erwäge zwar in Zukunft auch die Fertigung weiterer E-Autos anderer Marken in dem Werk, doch Sono sei vorerst der einzige Auftraggeber für die Autoproduktion.

Etwas hat sich seit Saab-Zeiten aber in dem Werk entscheidend verändert: Die Schweden setzen nun für die Energieversorgung des Werks auf erneuerbare Energieträger. Nur für das Heizen mancher Werksteile werde zum Teil noch Erdöl eingesetzt, erklärte NEVS dazu - das werde aber nun geändert.

Denn die Möglichkeit einer möglichst CO2-armen Autoproduktion war ein wichtiges Entscheidungskriterium für den Auftragsfertiger, wie Sono-Mitgründer Laurin Hahn erklärt: "NEVS ist dafür bekannt, das Thema Elektromobilität voranzubringen, auch Shared Mobility ist bei NEVS ein großes Thema. Ich finde, wir passen da gut zusammen," erläuterte Hahn im Gespräch mit manager-magazin.de. "Die Themen Nachhaltigkeit und europäische Logistik waren für uns besonders wichtig. Sie gaben den Ausschlag, warum wir uns am Ende für NEVS entschieden haben", so Hahn.


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Der Auftrag von Sono Motors an die Schweden hat eine durchaus respektable Größe: Innerhalb von acht Jahren will Sono rund 260.000 Fahrzeuge in dem Werk fertigen lassen, peilt also eine Jahresproduktion von rund 43.000 Stück an. Im Vergleich zu Autoriesen wie Volkswagen ist das zwar eher wenig - doch Kleinserie ist ein solches Volumen auch nicht mehr.

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