Saab-Nachfolger NEVS wird Auftragsfertiger für Sion Solarauto-Start-up Sono belebt Saab-Werk in Schweden wieder

Serienversion des Sono Motors Sion: Dieses Solar-Elektroauto wird im schwedischen Trollhättan vom Band rollen

Serienversion des Sono Motors Sion: Dieses Solar-Elektroauto wird im schwedischen Trollhättan vom Band rollen

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Sono Motors Solar-Elektroauto Sion: Dieses Billig-Elektroauto tankt beim Stehen

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Vom Weltverbesserer-Traum zu einer Art deutschem Tesla Motors - in etwas kleinerer und bescheidenerer Dimension als das US-Original: Diese erstaunliche Story scheint dem Münchner Solarauto-Startup Sono Motors zu gelingen. Vor wenigen Wochen präsentierte das erst 2016 gegründete Jungunternehmen das finale Seriendesign seines ersten Fahrzeuges Sion, bei dem in die Karosserie integrierte Solarzellen bis zu 34 Kilometer Reichweite pro Tag generieren können.

Nun gab das Unternehmen den Auftragsfertiger bekannt, der künftig den Sion vom Band laufen lassen wird - und sorgt damit für eine handfeste Überraschung. Denn Sono Motors wird seinen Solarwagen im schwedischen Trollhättan fertigen lassen, in jener traditionsreichen Autofabrik, in der bis zum Jahr 2010 Modelle der Marke Saab gefertigt wurden.

Die Automarke Saab ist jedoch seit längerem Geschichte, da der Saab-Mutterkonzern General Motors sämtliche Übernahmeideen für die einst so hochangesehene Marke torpedierte. Aus den Ruinen der missglückten Saab-Übernahmepläne entstand das von chinesischen Investoren finanzierte Unternehmen National Electric Vehicles of Sweden (NEVS), dem das ehemalige Saab-Werk in Trollhättan gehört.

In der Saab-Fabrik wurden 2014 ein paar hundert Verbrenner-Fahrzeuge auf Basis eines alten Saab-Modells gefertigt, 2017 lief eine noch kleinere Zahl an Elektroautos probehalber von den Bändern. Abgesehen davon liegt die Fabrik seit der Saab-Insolvenz im Jahr 2011 quasi still, wie ein NEVS-Sprecher gegenüber manager-magazin.de bestätigte. In den vergangenen Jahren hat NEVS jedoch jährlich Millionen investiert, um das Werk und die Maschinen weiter produktionsreif zu halten.

Sono will mindestens 260.000 Sions in Schweden fertigen lassen

Der Vertrag mit Sono wird die alte Saab-Fabrik nun wiederbeleben: "Die Werksmitarbeiter und die Stadt Trollhättan freuen sich wirklich auf Sono Motors", erklärte ein NEVS-Sprecher gegenüber manager-magazin. Man erwäge zwar in Zukunft auch die Fertigung weiterer E-Autos anderer Marken in dem Werk, doch Sono sei vorerst der einzige Auftraggeber für die Autoproduktion.

Etwas hat sich seit Saab-Zeiten aber in dem Werk entscheidend verändert: Die Schweden setzen nun für die Energieversorgung des Werks auf erneuerbare Energieträger. Nur für das Heizen mancher Werksteile werde zum Teil noch Erdöl eingesetzt, erklärte NEVS dazu - das werde aber nun geändert.

Denn die Möglichkeit einer möglichst CO2-armen Autoproduktion war ein wichtiges Entscheidungskriterium für den Auftragsfertiger, wie Sono-Mitgründer Laurin Hahn erklärt: "NEVS ist dafür bekannt, das Thema Elektromobilität voranzubringen, auch Shared Mobility ist bei NEVS ein großes Thema. Ich finde, wir passen da gut zusammen," erläuterte Hahn im Gespräch mit manager-magazin.de. "Die Themen Nachhaltigkeit und europäische Logistik waren für uns besonders wichtig. Sie gaben den Ausschlag, warum wir uns am Ende für NEVS entschieden haben", so Hahn.


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Der Auftrag von Sono Motors an die Schweden hat eine durchaus respektable Größe: Innerhalb von acht Jahren will Sono rund 260.000 Fahrzeuge in dem Werk fertigen lassen, peilt also eine Jahresproduktion von rund 43.000 Stück an. Im Vergleich zu Autoriesen wie Volkswagen ist das zwar eher wenig - doch Kleinserie ist ein solches Volumen auch nicht mehr.

"Wir haben neben Kostenzielen auch ökologische Ziele"

Starten will Sono aber erstmal etwas vorsichtiger als viele andere Elektroauto-Startups. "Wir werden den Sion im Zweischichtbetrieb fertigen lassen", erklärt COO Thomas Hausch, der jahrzehntelange Erfahrung in der Autoindustrie in das Start-up einbringt. "Wenn die Nachfrage steigt, haben wir aber noch Möglichkeiten, die Produktion auszuweiten", erklärt Hausch. Platz genug hat Sono jedenfalls: Denn das Saab-Werk ist auf eine Jahreskapazität von bis zu 200.000 Fahrzeugen ausgelegt.

Für jene 10.000 Sono-Fans, die bei dem per Crowdfunding gestarteten Unternehmen einen Sion vorreserviert haben, hat Hausch allerdings auch eine schlechtere Nachricht parat: Sie müssen sich noch etwas länger gedulden als geplant. Ursprünglich wollte Sono die Produktion seines Solarautos noch Ende 2019 starten, nun geht es mit der Produktion allerdings erst im zweiten Halbjahr 2020 los.

"Wir haben es uns noch schwerer gemacht, weil wir neben Kostenzielen auch noch ökologische Ziele haben," begründet Hausch die Verschiebung. Tatsächlich will Sono Motors bei der Autoproduktion vorbildlich umweltbewusst sein. Nicht nur, dass das Werk in Trollhättan ausschließlich mit Ökostrom betrieben wird und die Autoherstellung damit möglichst wenig CO2 verursachen soll. Sono Motors will auch seinen Zulieferern punkto CO2-Vermeidung auf die Finger sehen. Was dabei an CO2 nicht zu vermeiden sei, "das kompensieren wir dann über den Zukauf von CO2-Zertifikaten", so Sono-Mitgründer Hahn. "Wir können wirklich sagen, dass der Sion vollständig CO2-kompensiert auf den Markt kommt".

Der Sion, so plant es Sono, soll also ein Elektroauto werden, das bereits beim Kauf eine vorbildliche Ökobilanz aufweist - und damit über den Lebenszyklus hinweg viel sauberer sein wird als ein Verbrennerauto.

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Sono berichtet von großem Interesse von Carsharing-Betreibern

Rund 25.500 Euro soll der Sion inklusive Batterie kosten, wenn er in gut eineinhalb Jahren an die ersten Kunden übergeben wird. Sono peilt eine Reichweite von 250 Kilometer pro Akkuladung an, der 4,10 Meter lange Fünfsitzer soll allerdings nicht schneller als 140 km/h fahren können.

Angekündigt war der Sono einst als 20.000-Euro-Elektroauto - doch das sei wegen Preissteigerungen bei Batterien schlicht nicht machbar, räumt COO Hausch nun ein. Dennoch sei man auch mit 25.500 Euro noch immer um 10 bis 12.000 Euro billiger als vergleichbare Elektroautos im sogenannten C-Segment, also bei Kompaktwagen, meint Sono.

Das dürfte sich allerdings in Kürze ändern, wenn VW mit seinem I.D. Neo auf den Markt kommt - ein E-Auto in Größe des Golfs und einem Zielpreis unter 30.000 Euro. Als Konkurrenz für VWs kommende Elektromodell-Armada sieht sich Sono aber ohnedies nicht. Den Sion wird es erstmal nur in der Farbe schwarz geben, innen verwendet Sono etwa Schalter und Teile, die bereits in den Modellen traditioneller Autohersteller zu sehen waren. Das spart Entwicklungkosten - gedacht ist der Sono auch nicht für Autobahn-Bolzer, sondern etwas als Stadt-Familienwagen oder ideales Vehikel für geteilte Fahrfreuden.

Denn ab Werk lässt sich der Sion per Knopfdruck in ein Carsharing-Auto verwandeln. "Wir haben sehr viele Anfragen von großen und kleinen Carsharing-Anbietern. Die haben sehr großes Interesse, weil der Sion schon ab Werk mit der nötigen Technik ausgeliefert wird," sagte COO Hausch gegenüber manager-magazin.de. "Normalerweise müssen Flottenbetreiber pro Fahrzeug rund 2000 Euro investieren, um es sharing-fähig zu machen. Das fällt bei uns komplett weg."

Das Weltverbesserer-Auto könnte sich also zum Liebling vieler Carsharing-Flottenbetreiber mausern - wenn der Produktionsstart anders als bei Tesla reibungslos verläuft. Die Chancen dafür sind durchaus gut, denn bei NEVS arbeiten viele ehemalige Saab-Leute - und Saab baute immerhin seit 1946 Autos in Trollhättan. Den Zeitplan für die Straßenzulassung des Sion könne man jedenfalls einhalten, heißt es bei Sono Motors. Das Verhalten der Aluminium-Karosserie mit der Polymer-Außenhaut entspreche bei Crashtests bislang den Erwartungen.

Es sieht also danach aus, als würden rund 18 Monaten die ersten Autos von Deutschlands jüngster Automarke auf den Straßen rollen - erdacht und auf den Weg gebracht von den wohl jüngsten Gründern in Deutschlands Autoindustrie. Denn die älteste im Sono-Gründertrio, Navina Pernsteiner, ist gerade mal 30 Jahre alt. Laurin Hahn zählt 24, sein Schulfreund und Mitgründer Jona Christians 25 Jahre. Bewertet wurde das Start-Up noch im Oktober mit rund 100 Millionen Euro.

Mittlerweile sei das schon deutlich mehr, ist aus dem Unternehmen zu hören.

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