Smit Salvage Dieses Unternehmen soll den brennenden Autofrachter löschen

Ein 16-köpfiges Bergungsteam des niederländischen Unternehmens Smit soll die Flammen der "Felicity Ace" unter Kontrolle bringen. Wer ist die Firma, was hat sie rund um den Globus bekannt gemacht – und wie löscht man eigentlich brennende E-Autos?
Brennendes Schiff: Tausende Autos befinden sich auf dem Schiff Felicity Ace

Brennendes Schiff: Tausende Autos befinden sich auf dem Schiff Felicity Ace

Foto: PORTUGUESE NAVY HANDOUT / EPA

Seit Tagen lodern die Flammen auf dem Frachter "Felicity Ace" mit Tausenden Autos an Bord - mitten im Atlantik, nahe den Azoren. Für den nächstgelegenen Hafen der Inselgruppe ist das 200 Meter lange Schiff zu groß. Ein Fall für das niederländische Bergungsunternehmen Smit : Seit Freitag befinden sich seine Experten in der Nähe des Frachters und versuchen, das Feuer auf hoher See in den Griff zu bekommen. Am Wochenende hatte Smit laut "Wall Street Journal"  einen Schlepper eingesetzt und mit Wasserkanonen fortwährend die Seiten besprüht. Bilder zeigten, dass der Rumpf des Schiffes durch die große Hitze im Inneren des Frachters Schaden genommen hatte.

Wer ist Smit?

Smit ist ein 1842 gegründetes Bergungsunternehmen mit Sitz im niederländischen Rotterdam, das sich laut eigenen Angaben auf Notfallhilfe auf hoher See spezialisiert ist. Dazu bietet es weltweit Notfall-, Bergungs-, Wrackbeseitigungs- und Umweltdienste an . Durch zahlreiche Einsätze bei Schiffsunglücken und drohenden Umweltkatastrophen wurde Smit international bekannt und gilt als Elite-Truppe bei Schiffsbergungen. Seine vier strategischen Notfallzentren in Rotterdam, Houston, Kapstadt und Singapur in unterschiedlichen Zeitzonen soll es den Bergungsspezialisten ermöglichen, entlang der wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten schnell zu reagieren und Schiffe an abgelegenen Orten zu retten.

Das Unternehmen ist eine Tochter von Royal Boskalis Westminster , ein an Amsterdams Börse gelistetes Unternehmen mit 2,8 Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 10.000 Mitarbeitern. Zu den Kunden von Boskalis zählen unter anderem Regierungen, Hafen- und Terminalbetreiber, Öl-, Gas- und Windenergie- und Bergbauunternehmen sowie Versicherungsgesellschaften.

Smit hat eigene Bergungsmannschaften und Kapitäne, kann aber auch auf die Ressourcen ihrer Muttergesellschaft zurückgreifen. So verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über eine große Flotte von Spezialschiffen und kann in Gefahrenlagen Experten etwa für Brandbekämpfung, gefährliche Chemikalien oder auch Meeresverschmutzung einsetzen.

Wo war das Unternehmen bereits im Einsatz?

Zu den jüngsten bekanntesten Einsätzen zählt der Containerfrachter "Ever Given", der 2021 im Suezkanal havarierte und an dessen Bergung Smit beteiligt war . Das knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite Schiff hatte sich infolge starker Windböen in das Ufer des Kanals zwischen dem Mittelmeer und Roten Meer gebohrt und so eine Woche lang eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen blockiert. Damit das 224.000 Tonnen schwere Containerschiff wieder schwimmen konnte, mussten die Bergungskräfte etwa 30.000 Kubikmeter Sand ausbaggern. Hunderte Schiffe konnten den Kanal nicht passieren, was für Verzögerungen im Welthandel und gestörte Lieferketten insbesondere zwischen China und Europa sorgte. Da auch Tanker vor der Meeresenge im Stau standen, kletterte der Ölpreis seinerzeit empfindlich.

Drahtseilakt: Spezialisten der niederländischen Bergungsfirma Smit auf dem Rumpf der havarierten Costa Concordia

Drahtseilakt: Spezialisten der niederländischen Bergungsfirma Smit auf dem Rumpf der havarierten Costa Concordia

Foto: Laura Lezza / Getty Images

Bei dem verunglückten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia, das im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio in der Toskana gekentert war, pumpten Mitarbeiter von Smit Bunkeröl aus den 17 Tanks des schwankenden Riesen in ein Öl-Auffangschiff, um eine Umweltkatastrophe zu verhindern. Die Firma legte rund 2000 Meter Ölsperren um das Kreuzfahrtschiff und die verschiedenen Strände der Insel Giglio und rückte mit einem Kranschiff zum havarierten Luxusliner vor. Tatsächlich konnte die Costa Concordia erst im September 2013 wieder aufgerichtet werden.

Und auch an der Bergung des untergegangenen russischen Atom-U-Boots "Kursk" im Jahr 2001 war Smit beteiligt. Der Rumpf des 18.000 Tonnen großen Kolosses wurde in einem rund 15-stündigen Manöver von den niederländischen Unternehmen Smit und Mammoet vom Meeresboden 110 Meter tief angehoben. Rund ein Dutzend russische Schiffe assistierten bei der Rettung. Die "Kursk" war ein Jahr zuvor während eines Manövers gesunken.

Wie können die brennenden E-Autos gelöscht werden?

Nach allem, was derzeit bekannt ist, könnten Lithium-Ionen-Batterien von geladenen Elektroautos auf der "Felicity Ace" sich entzündet und das Großfeuer ausgelöst haben. Entzündet sich eine E-Auto-Batterie, ist das Löschen ungleich aufwendiger als bei Bränden von Diesel- oder Benzinfahrzeugen, berichtet der ADAC . Bei solchen Bränden entstehen chemische Reaktionen, die das Lithium entflammen und dabei enorme Temperaturen von bis zu 1000 Grad freisetzen.

Hat die Lithium-Ionen-Batterien eines Elektroautos Feuer gefangen, hat das Kühlen der Batterie laut Experten oberste Priorität. In den meisten Fällen sollen dabei Unmengen an Wasser helfen. Ziel sei es in der Regel nicht, den Brand ganz zu löschen, sondern den Brandherd so weit herunter zu kühlen, dass die Flammen erlöschen und sich nicht weiter über die einzelnen Akkuzellen ausbreiten. Aus früheren Berichten ist jedoch bekannt, dass Batterien von Elektroautos nach dem Löscheinsatz sich sogar noch Tage später neu entzündet hätten, weil chemische Reaktionen im Inneren der Batterie weitergingen. Laut ADAC testen die Feuerwehren auch deshalb neue Methoden zur Brandbekämpfung bei Elektroautos aus.

Auf offenem Meer kommt zudem die Problematik hinzu, dass mit Giftstoffen angereichertes Löschwasser ins Meer entweichen und das Ökosystem empfindlich schädigen kann. Am Wochenende hatte der Hafenkapitän von Horta auf den Azoren, Joao Mendes Cabecas, gesagt, dass der Brand mit einer Spezialausrüstung gelöscht werden müsse. Angeblich seien bislang noch keine Giftstoffe ausgelaufen.