Reiseboom pusht Autovermietung Starkes Quartal beeindruckt Sixt-Aktionäre nicht

Der Autovermieter Sixt profitiert stark von der neuen Reiselust nach der Corona-Krise. Umsatz und Gewinn des Unternehmens gingen im vergangenen Quartal geradezu durch die Decke – doch Investoren lassen die Aktie einbrechen.
Große Nachfrage: Bei Sixt laufen die Geschäfte dank Reiseboom rund

Große Nachfrage: Bei Sixt laufen die Geschäfte dank Reiseboom rund

Foto: Marc Müller/ dpa

Der Autovermieter Sixt hat im zweiten Quartal von einer anhaltend starken Nachfrage nach seinen Mietwagen in Europa und den USA profitiert. Dabei konnte Sixt höhere Mietpreise verlangen, weil Menschen nach zwei Jahren der Corona-Pandemie wieder deutlich mehr reisen und entsprechend auch öfter Mietwagen buchen. Außerdem ist das Fahrzeugangebot am Markt nach wie vor knapp, weil die Autobauer mit Produktionseinschränkungen zu kämpfen haben. Insgesamt entwickelte sich das Jahresviertel damit deutlich besser als Analysten im Schnitt auf dem Zettel hatten.

An der Börse zeigten sich Investoren von den Zahlen allerdings wenig beeindruckt. Für die seit März im MDax notierten Stammaktien von Sixt ging es im frühen Handel um bis zu 8 Prozent nach unten. Die Papiere hatten in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt.

Hintergrund: Der Tourismus in Deutschland erreicht allmählich wieder sein Vorkrisenniveau. Das geht auch aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt ebenfalls am heutigen Mittwoch veröffentlicht hat. Demnach verbuchten deutsche Beherbergungsbetriebe im Juni dieses Jahres knapp 49 Millionen Übernachtungen. Im Vorjahresvergleich war das ein Plus von 60,5 Prozent. Das Vorkrisenniveau vom Juni 2019 wurde mit einer Differenz von 3,4 Prozent nur knapp verfehlt.

Insgesamt lasse sich aber eine positive Tendenz erkennen, erklärten die Statistiker weit. So nahm die Differenz zum Vorkrisenniveau bei den Übernachtungszahlen seit Beginn des Jahres beständig ab: Betrug diese im Januar noch gute 38 Prozent, sank sie auf 11,5 Prozent im April und im Mai auf ebenfalls 3,4 Prozent.

Sixt-Erlöse wachsen um fast die Hälfte

Die Entwicklung stärkte auch die Geschäfte des Autovermieters Sixt. Dessen Erlös zwischen April und Juni legte im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte auf knapp 744 Millionen Euro zu, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Nicht nur in Deutschland, sondern insbesondere auch in Südeuropa verzeichnete der Vorstand ein hohes Reiseaufkommen, nachdem in vielen Ländern coronabedingte Beschränkungen weggefallen sind. Trotz der Knappheit an verfügbaren Fahrzeugen habe das Management die Flotte erweitern können, hieß es. Faktisch gingen die Investitionen aber bei der Fahrzeuganzahl um rund 44 Prozent zurück, und auch das Investitionsvolumen war rückläufig.

Expansion in USA geplant, Europa-Geschäft wächst

Bei seiner USA-Strategie hat Sixt vor allem Flughäfen und Geschäftszentren ins Visier genommen: Besonders an den großen Drehkreuzen der amerikanischen Fluggesellschaften solle die Expansion von Anmietstationen dafür sorgen, dass mehr Firmenkunden bei den Pullachern reservieren. Derzeit betreibe das Unternehmen an 36 der 50 wichtigsten US-Flughäfen Stationen. In Kanada solle nach demselben Verfahren die Hälfte der zehn wichtigsten Flughäfen in den Fokus genommen werden.

Im zweiten Quartal machten die USA und Deutschland jeweils weniger als 30 Prozent des Konzernumsatzes aus. Deutlich imposanter gestaltete sich unterdessen die Erlösentwicklung des Segmentes Europa: Gegenüber dem Vorjahr legte der Geschäftsbereich um fast 75 Prozent zu. Bereits damals war Europa das wichtigste Segment, der Abstand zu den beiden anderen Märkten wurde nun aber deutlich vergrößert.

Vor Steuern blieben dem Unternehmen mit etwa 130 Millionen Euro fast zwei Drittel mehr Gewinn als noch im Vorjahresquartal. Das Nachsteuerergebnis stieg um knapp die Hälfte auf nun rund 94 Millionen Euro.

Das Management blieb bei seinem Umsatzziel und konkretisierte den Ausblick für die Profitabilität. Zwar dürfte in den Sommermonaten die hohe Nachfrage anhalten. Allerdings belastet Sixt die eingeschränkte Verfügbarkeit an Fahrzeugen, weil die Autobauer wegen Lieferkettenproblemen nach wie vor deutlich weniger Modelle bauen können. 2022 dürfte der Konzernumsatz dennoch deutlich über dem Vorjahreswert von 2,28 Milliarden Euro liegen. Beim Vorsteuerergebnis (EBT) will der Vorstand nun das obere Ende von 380 bis 480 Millionen Euro schaffen – bislang war nur die Spanne genannt.

cr/dpa-afx, AFP
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