Sonntag, 21. April 2019

Sixt verschmilzt Carsharing und Autovermietung "Die Sixt-Flotten sollen ineinander atmen"

Alexander Sixt ist Strategiechef des gleichnamigen Autovermieters und der älteste Sohn des Firmengründers Erich Sixt

Mit seiner neuen, globalen Mobilitätsplattform "One" bietet Deutschlands größter Autovermieter Sixt nun Automiete, Carsharing und Fahrdienste in einer einzigen App an. Strategiechef Alexander Sixt erläutert, weshalb Sixt nach dem Ausstieg bei DriveNow in den Carsharing-Markt zurückkehrt, was sich für den klassischen Automiet-Kunden ändert - und warum er bisher China bisher meidet.

manager-magazin.de: Herr Sixt, vor einem Jahr sind sie bei DriveNow ausgestiegen und haben ihren 50-Prozent-Anteil an dem Carsharing-Dienst an BMW zurückverkauft. Nun verschmelzen sie die klassische Autovermietung mit Kurzfristmieten, kehren also doch wieder ins Carsharing-Geschäft zurück. Warum?

Alexander Sixt: Carsharing und Automieten sind im Prinzip das Gleiche: Kunden mieten ein Auto auf Zeit und zahlen dafür Geld. Am Ende ist es egal, ob sie das Auto in einer Station abstellen, ob die nun physisch oder digital ist - oder ob das Auto auf der Straße steht. Die einzig entscheidende Frage ist, wie nahe der Kunde am Angebot ist.

Diesem Thema nähern wir uns nun von zwei Seiten. Auf der einen Seite steht die Digitalisierung der Autovermietung über "Sixt rent". Unser Kunde kann nun 30 Minuten vor der Abholung sein Wunschfahrzeug aussuchen. Er kann dann mit seinem Smartphone direkt zum Mietwagen gehen, ihn über die Sixt-App öffnen und losfahren. Das funktioniert an normalen Stationen oder an digitalen Countern. Auf der anderen Seite bieten wir künftig Fahrzeuge im Freefloat-Carsharing an, die dann direkt auf der Straße parken und sich per Smartphone bzw. über unsere App mieten lassen.

Das funktioniert dann also ähnlich wie bei DriveNow?

Ja, mit Sixt Share können sie minutenweise Fahrzeuge mieten, wenn sie in den Geschäftsgebieten wohnen. Das Freefloat-Geschäft weiten wir aber in Richtung Autovermietung aus. Kunden müssen die Fahrzeuge nicht mehr im eigenen Geschäftsgebiet abgeben, sondern können auch weiterfahren. Sie können den Wagen etwa an nächsten Sixt-Station in einer anderen Stadt oder in deren Geschäftsgebiet zurückgeben. Da verschwimmen nun die Grenzen. Wir wollen Konsumenten vermitteln, dass Sixt nicht nur eine Autovermietung ist - sondern dass man über uns das gesamte Mobilitätsspektrum abdecken kann.

An Mietwagen stellen Kunden wohl andere Anforderungen punkto Sauberkeit. Werden sie künftig deshalb nur einen Teil ihrer Gesamtflotte für das Carsharing verwenden - und den größeren Teil für die klassische Vermietung reservieren?

Nein, wir sehen da keinen großen Unterschied. Bis auf die Sauberkeit ist das exakt das gleiche Produkt. Mittelfristig gehe ich davon aus, dass wir die gesamt Flotte Carsharing-fähig machen. Jetzt gehen wir aber erst mal sukzessive weiter. Die genaue Zahl, mit der wir im Carsharing starten, will möchte ich aber aus Wettbewerbsgründen nicht kommunizieren.

Angedeutet hatte Sixt einen solchen Schritt schon im Sommer. Warum hat das dann doch länger gedauert?

Wir stellen unsere Produkte erst vor, wenn sie wirklich fertig sind. Unsere neue App hat neben der Autovermietung und dem Carsharing noch eine dritte Dimension dazubekommen: Über "Sixt ride" können sie nun einen Fahrer bestellen. In 250 Städten bieten Sixt-Partner über unsere App nun Fahrdienste an. Dazu zählen so große Spieler wie Lyft, aber auch kleinere wie Cabify oder das deutsche Taxigewerbe. Das haben wir in nur einem halben Jahr umgesetzt. Es war ein Kraftakt, diese Plattform so zu bauen, dass sie skalierbar ist.

Warum arbeiten sie bei ihrem Fahrdienst-Angebot mit mehreren Playern zusammen?

Bisher hat sich kein einziger Fahrdienst-Anbieter weltweit durchgesetzt. In den USA gibt es Uber und Lyft, in China dominiert Didi, in Europa ist das Feld eher fragmentiert. Über unsere App ist die Nutzererfahrung gleich, ob sie nun eine Fahrt vom Flughafen München zum Vier-Jahreszeiten-Hotel buchen oder vom New Yorker Flughafen JFK zur Penn Station. Wir wollen aber mit den Fahrdienst-Anbietern keinesfalls in Konkurrenz treten. Unser Geschäft ist es, Kunden international da Autos anzubieten, wo sie sie brauchen. Deshalb haben wir für die Fahrdienste Partner an Bord geholt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung