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Mobilitätsdienst Moia startet in Hamburg Wo es bei VWs Aufbruch ins goldene Shuttle-Zeitalter hakt

Die VW-Tochter Moia startet ihren Betrieb in Hamburg. Der neue Shuttleservice soll die bestehenden Verkehrsmittel "ergänzen, nicht verdrängen". Doch das genaue Gegenteil befürchtet die Konkurrenz. Und auch sonst ist nicht alles Gold, was glänzt.
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Mobilitätsdienst Moia: Jetzt geht es los mit VWs Shuttleservice

Foto: Moia

Dass da etwas ganz Großes, Neues im Anmarsch ist, sollte niemand übersehen. Mit einer großen Werbekampagne suchte die VW-Tochter Moia monatelang nach Fahrern für ihren App-basierten Shuttledienst. Moia-Stellenanzeigen hingen in Bahnen, Bussen, und selbst im Hamburger Hauptbahnhof. Satte 2500 Jobinterviews führte Moia nach eigenen Angaben für die ersten hundert Fahrer.

Jetzt scheint das Unternehmen, das bereits 2016 auf den Weg gebracht wurde, endlich die Richtigen gefunden zu haben und der Shuttleservice startet in Hamburg. Zunächst 100, später 500 und bis zu 1000 Kleinbusse sollen die Kunden durch die Straßen der Hansestadt transportieren. Voll elektrisch, voll ausgestattet und voll flexibel - so proklamiert es Moia zum Start.

Der Zwitter zwischen Taxi und Bus spielt eine wichtige Rolle im großen Markenkonzert des Volkswagen -Konzerns . Moia, die 13. Marke der Wolfsburger, soll dem Autoriesen den Weg ebnen zum großen Geschäft mit Mobilitäts- und Fahrdiensten. Beim Carsharing, Ride-Hailing und Ride-Sharing liegen die Wolfsburger nach mehreren fehlgeschlagenen Gehversuchen bislang weit zurück. Nun soll Moia diesen Rückstand aufholen - und die VW-Tochter muss nun alles besser machen als die Konkurrenz von Uber & Co.

Moia will ökologisch unbedenklich vorfahren, Bus und U-Bahn nur ergänzen statt ersetzen, dabei auch noch arbeitnehmerfreundlich sein - und günstig obendrein. Ein Fahrdienst zum Liebhaben, also. Doch die hehren Ansprüche werden in der Praxis nur teilweise eingelöst, wie Recherchen von manager-magazin.de zeigen.

Taxifahrer klagen, Moia-Fahrer berichten von Restriktionen

Denn nicht alle sind von der innovativen Idee begeistert. Vor allem Taxifahrer befürchten, dass sie von dem Shuttledienst verdrängt werden. Der Unternehmer und Taxifahrer Ivica Krijan hat deshalb sogar Klage gegen die VW-Tochter eingereicht. Der Vorwurf: die von der Stadt erteilte Sondergenehmigung für Moia sei nicht rechtens. Die gold-beige lackierten Moia-Fahrzeuge wurden als "neue Verkehrsform", irgendwo zwischen Taxis und öffentlichen Verkehrsmitteln eingestuft und dementsprechend darf das Geschäftsmodell vier Jahre lang erprobt werden. Deutschlandweit gibt es immer wieder Demos der Taxifahrer gegen Moia. Das Unternehmen wollte sich zum laufenden gerichtlichen Verfahren nicht äußern.

Auch in Hannover, wo Moia seit August 2018 kommerziell als Pilotprojekt läuft (allerdings nicht mit elektrischen, sondern mit Benziner-Bussen), ist man nicht nur positiv gestimmt. Fahrer berichten von harten Restriktionen in den Arbeitsverträgen. Beispielsweise dürfe mit den Fahrgästen kein Gespräch geführt werden, das dementierte das Unternehmen jedoch. Laut einem Hamburger Moia-Fahrer sei ähnlich wie ein Bus-Fahrer angehalten, von sich aus kein Gespräch mit den Fahrgästen anzufangen. Auf Fragen der Passagiere dürfen und sollen die Fahrer jedoch antworten.

Und die Autos dürften während der Schicht nicht gestoppt werden, um so - ähnlich wie bei Taxis - auf Gäste zu warten. Stattdessen sollen die Autos, wie zum Beispiel auch bei Bussen, immer in Bewegung sein. In einem Statement gegenüber manager-magazin.de verteidigte Moia diese Vorgabe. Das Privileg, winkende Gäste aufzunehmen, sei Taxis vorbehalten. Der Algorithmus lotse die Fahrer in Gebiete, in denen neue Aufträge wahrscheinlich seien, und gegebenenfalls zurück zum Betriebshof, "um Leerfahrten zu vermeiden".

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Volkswagen-Marke Moia stellt Elektro-Shuttle vor: Dieser Elektro-Minibus fährt VW in die Mobilitätsdienst-Zukunft

Foto: Moia

Über die Moia-App können Registrierte in Hamburg ab dem 15. April Fahrten buchen. Ein- und Ausstieg ist an einer der virtuellen Haltestellen, die es laut Angaben des Unternehmens alle 250 Meter in der Stadt gibt. Den Passagieren wird dabei zu Fahrtbeginn ein Ankunftszeitraum genannt, den der Algorithmus als Grundlage für potenzielle weitere Fahrgäste nimmt - die Route wird also flexibel verändert. Der Preis bleibt dabei fest und liegt nach eigenen Angaben durchschnittlich bei sechs bis sieben Euro für eine zwei bis drei Kilometer lange Strecke.

Für COO Robert Henrich deckt Moia Anwendungsfälle ab, bei denen die bestehenden Dienste Lücken aufweisen: "Moia ist nicht unbedingt das günstigste Verkehrsmittel für sehr kurze oder sehr lange Fahrten, sondern für Querverbindungen und für Randverbindungen". Gefahren wird in den Moia eigenen Kleinbussen, die auf Basis des VW-Transportermodells eCrafter entwickelt wurden: Sechs Polstersitze, WLan an Bord, sowie USB-Ladebuchsen und Gepäckfach. Eine Mischung aus Luxus-Taxi und Bus, die sich dank Elektroantrieb lautlos und abgasfrei durch die Stadt bewegt.

Doch beim Moia-Pilotprojekt in Hannover kam auch von Kunden-Seite Kritik. Der flexible Algorithmus führe dazu, dass sich eine mit 20 Minuten in der App angegebene Fahrt gut und gerne mal verdopple - und zwar durch den spontanen Zu- und Ausstieg von anderen Fahrgästen. Nach Angaben von Moia kommt es lediglich bei einem Prozent der Fahrten zu Abweichungen des zu Fahrtbeginn angegebenen Zeitfensters. Außerdem würden keine weiteren Fahrgäste durch den Algorithmus hinzugefügt, wenn das dazu führe, dass die bereits bestehenden Fahrenden sich dadurch unverhältnismäßig verspäten.

Mobilitätsdienste erzielen Riesen-Bewertungen - bloß profitabel ist das Geschäft meist noch nicht

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Mobilitätsdienstleister: Die wichtigsten Player

Foto: Pablo Blazquez Dominguez/ Getty Images

Auch wenn die Systeme von Moia und anderer neuer Mobilitätsdienstleister noch nicht ganz ausgereift erscheinen: Die schiere Masse an neuen Angeboten zeugt davon, wie groß die Innovationskraft - und scheinbar auch die Nachfrage - ist. Erst Ende März ist der Fahrdienstleister Lyft in den USA mit einer Rekordbewertung von 25 Milliarden Dollar an die Börse gegangen. Nachdem die Aktien zunächst sogar noch über der Bewertung verkauft wurden, rutschte der Kurs zeitweise stark ab, um sich seit einigen Tagen nun knapp unter dem Wert der Bewertung einzupendeln.

Und auch der Konkurrent Uber hat bereits Details zu seinem im Mai geplanten Börsengang veröffentlicht. Demnach sollen rund zehn Milliarden Dollar eingesammelt werden, was einer Bewertung von hundert Milliarden entsprechen würde. Ubers IPO könnte damit einer der größten Tech-Börsengänge der Geschichte werden.

Auch die Entwicklung von übergeordneten Dienstleistern wie Wunder Mobility, der Software für das Autoteilen und Fahrdienst-Vermitteln entwickelt, zeugen von dem Hype. Doch flächendeckend erfolgreich und profitabel ist bislang keiner der zahlreichen Anbieter wie Uber, Clevershuttle und Co. Für Wunder Mobility-Gründer Gunnar Froh ist es eine Mischung aus geringen Einstiegbarrieren bei dem Preis, aber einer strengen Regulatorik, die es so schwierig macht, einen Service über die Stadt-Grenzen hinaus anzubieten.

Mehr als nur ein Shuttleservice

Auch bei Moia denkt man von Anfang an in größeren Dimensionen. Hamburg und Hannover seien die Probestädte, um das Konzept zu stabilisieren, doch "unser Fokus ist ganz klar international und mit einem starken Fokus auf Europa", heißt es von CEO Ole Harms. Kein Wunder, investiert VW doch Dutzende Millionen in den Start seiner Mobilitätsmarke. Der 42-Jährige ist für das operative Geschäft der VW-Tochter zuständig und spricht von einer Zehnjahresplanung. Moia ist im Konzern der Nutzfahrzeug-Sparte angesiedelt und untersteht damit Vorstand Thomas Sedran. Dass der langjährige oberste Konzernstratege - nicht zuletzt unter Konzernchef Herbert Diess - neue Mobilitätsformen pusht, ist nichts Neues und Moia ein willkommenes Versuchsfeld.

Sollte Moia scheitern, wären die Kosten für VW dabei vergleichsweise gering: Als Automobilhersteller kann der Konzern seine Moia-Flotte quasi zu Selbstkostenpreisen auf die Straße bringen. und auch die Fahrer sind nicht, wie bei Uber, Privatleute, sondern angestellt. Das aufwändige und bislang nur in wenigen Städten profitable Carsharing für Privatleute, wie es Daimler und BMW mit ShareNow vormachen, umgehen die Wolfsburger dabei galant. Vielleicht auch, weil VW sein Carsharing-Pilotprojekt "Quicar" mangels Erfolg im Jahr 2016 einstampfte. Aktuell bastelt VW an einem neuen Dienst für das Autoteilen: "WeShare".

Das Ziel für Moia ist jedoch jetzt erstmal eindeutig: "Wir wollen der effizienteste und effektivste Flottenbetreiber in diesem Geschäft werden und sein", heißt es von Harms weiter.

Die Investitionen seitens VW liegen bei Moia in einem "signifikanten dreistelligen Millionenbetrag". Und es ist nicht das einzige Projekt in Hamburg. Denn für den im Herbst 2021 anstehenden Weltkongress intelligente Transport Systeme (ITS), hat VW verschiedene Initiativen gestartet. Auch die Anfang April vorgestellten autonom fahrenden Golf gehören dazu. Aus Konzernkreisen ist zu hören, dass auch der Crafter dafür Potenzial hätte. Er sei so ausgelegt, dass die für autonomes Fahren erforderliche Rechenleistung einbaubar wäre.

Sollte Moia weniger profitabel werden als prognostiziert, hat VW also vorgesorgt: Dann enden die goldenen Moia-Transporter wohl als Roboterauto-Versuchsflotte. Bei allem Hype rund um das autonome Fahren ist das vermutlich das letzte, was Moia-Chef Harms will.

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