Montag, 25. Mai 2020

Fiat-Boss Marchionne wirbt um Apple, Google, Tesla Silicon Sergio ist fertig mit der Autoindustrie

Sergio Marchionne: Die frechsten Thesen des Auto-Desperados
AP/dpa

Sergio Marchionne hat es jetzt eilig. Keine zwei Wochen nach seinem Aufruf zu Megafusionen in der Autoindustrie ist der Chef von Fiat Chrysler Automobiles Börsen-Chart zeigen selbst auf Werbetour gegangen: nach Kalifornien.

Vor Reportern bei der Einweihung eines Alfa-Romeo- und Maserati-Händlers in der Nähe seiner kanadischen Heimatstadt Toronto berichtete Marchionne voller Stolz von der Reise ins Silicon Valley.

Unter anderem habe er dort Tim Cook getroffen, den Chef des von ihm seit eh und je bewunderten Apple-Konzerns Börsen-Chart zeigen. "Er ist an Apples Intervention ins Auto(geschäft) interessiert", berichtete der Manager von den Plänen, die bisher nie offiziell bestätigt wurden, aber schon die etablierte Autoindustrie in Unruhe versetzen.

Marchionne ist das nur Recht. Auch bei Google Börsen-Chart zeigen ließ er sich von den Fortschritten in der Technik fahrerloser Autos überzeugen.

Und auch dem Chef von Tesla Börsen-Chart zeigen schmeichelte er für dessen Beitrag zur Umwälzung seiner eigenen Branche mit elektrisch angetriebenen Limousinen. "Ich bin unglaublich beeindruckt davon, was der Junge geschafft hat", outet sich der Elon-Musk-Fan.

Ein bisschen Car Guy steckt doch noch in Marchionne

"Wir haben den Dialog eröffnet", kommentierte Marchionne sein Vorsprechen bei all den Angstgegnern seiner Kollegen. Dass das nötig sei, hatte er schon Ende April bei seiner denkwürdigen Telefonkonferenz ausgesprochen. Eigentlich warb er dabei für horizontale Zusammenschlüsse etablierter Autohersteller, um überflüssige Doppelinvestitionen zu vermeiden.

Diese Logik spricht dafür, Fiat Chrysler mit General Motors oder Ford zu verheiraten, nicht mit Apple oder Google. Doch die digitalen Herausforderer könnten durchaus auch Partner sein, um die Branche aufzurütteln. Genau danach hatte Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas den Fiat-Chef in seinem Call gefragt: Wenn Ihre Branchenkollegen Ihren Plan zurückweisen, könnten Sie sich an Apple oder Google wenden? Antwort: Das tun wir. Das gefährdete alte Geschäftsmodell sei ja ohnehin nicht nachhaltig.

"Nicht einer hat mir gesagt, dass ich damit falsch liege", erneuerte Marchionne nun seinen Aufruf. Der Verdacht, dass Fiat selbst einfach nur Hilfe besonders nötig hat und deshalb zum Verkauf stehen könnte, ficht ihn nicht an.

Dann fiel ihm aber doch noch der Anlass seines Auftritts ein. Bei der Eröffnung eines Autohauses wollte er ein bisschen was von dem tief in ihm schlummernden Car Guy zeigen - natürlich wieder auf unkonventionelle Weise, mit einem Lob der Konkurrenz: "Wann immer ich einen Land Rover auf der Straße sehe, kocht mein Blut."

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