Bericht über verstorbenen Ex-Fiat-Chrysler-Chef Marchionne soll ein Jahr lang Lungenkrebs verheimlicht haben

Ende Juli verstorben: Ex-Fiat-Chrysler-Chef Marchionne

Ende Juli verstorben: Ex-Fiat-Chrysler-Chef Marchionne

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Sergio Marchionne: Der Draufgänger

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Bereits kurz nach dem Tod des Ex-Fiat-Chrysler-Chefs Sergio Marchionne Ende Juli machte die Nachricht die Runde, der Manager sei bereits seit geraumer Zeit schwer krank gewesen. Um welches Leiden es sich dabei gehandelt haben könnte, blieb allerdings bislang im Dunkeln.

Das ändert nun offenbar ein Bericht des Schweizer Wirtschaftsmagazins "Bilanz" . Demzufolge litt Marchionne bereits seit mehr als einem Jahr an Lungenkrebs, und zwar offenbar ohne dass er dies irgendjemandem in seinem beruflichen Umfeld mitgeteilt hätte.

Laut "Bilanz"  verbarg der Topmanager, der für seinen betont legeren Kleidungsstil bekannt war, die schwere Krankheit systematisch. Mehrfach habe er das Krankenhaus schriftlich zur Geheimhaltung verpflichtet. Und das offenbar mit Erfolg: Obwohl insgesamt mehr als hundert Mitarbeiter über die Behandlung Marchionnes Bescheid gewusst hätten, sei es zu keinem Leck gekommen, so "Bilanz".

Marchionne, der zu Hochzeiten bis zu drei Schachteln Zigaretten am Tag geraucht haben soll und offenbar erst mit Beginn seiner Behandlung mit dieser Gewohnheit aufhörte, sei ein Jahr lang immer wieder für einige Tage ins Krankenhaus gekommen, so "Bilanz" weiter. Dabei habe er darauf geachtet, inkognito zu bleiben. Marchionne sei mehrfach operiert worden, habe dann aber stets darauf bestanden, so schnell wie möglich die Klinik wieder zu verlassen. Begleitet habe ihn häufig seine Lebensgefährtin Manuela Battezzato.


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Besonders brisant: Auch gegenüber seinem Vorgesetzen verschwieg der Fiat-Chef offenbar seine lebensbedrohliche Krankheit. "Er hat mir nichts von seiner Krankheit gesagt, und ich glaube, dass John Elkann auch nicht informiert war", zitiert "Bilanz" Peter Kalantzis, der beim Genfer Warenprüfer SGS nach Marchionnes Tod das Präsidium übernahm. John Elkann leitet als Erbe der Fiat-Familie Agnelli den Aufsichtsrat des Autokonzerns. Fiat bestätigte nach Marchionnes Tod, dass weder der Konzern noch Elkann etwas von der Krankheit gewusst hätten.

Letzteres könnte nun ein juristisches Nachspiel haben, denn lebensbedrohliche Erkrankungen von Topmanagern gelten im Börsenrecht eigentlich als veröffentlichungspflichtig. Dem Finanzinformationsdienst Bloomberg zufolge ermittelt die italienische Börsenaufsicht bereits, ob gegen diese Offenlegungspflicht verstoßen wurde.

Investoren können also möglicherweise auf eine Chance zum Schadensersatz hoffen: Der Tod Marchionnes hatte die Fiat-Aktie um mehr als 15 Prozent abstürzen lassen, und bis heute hat sich das Papier von diesen Verlusten nicht wieder vollständig erholt. Mit dem US-Investor Schultze Asset Management hat sich laut "Bilanz" bereits der erste Aktionär gefunden, der eine detaillierte Aufklärung fordert und mit rechtlichen Schritten droht.

cr
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