Zulieferer wächst kräftig Schaefflers Optimismus lässt Aktionäre kalt

Der Autozulieferer Schaeffler lässt die Corona-Krise hinter sich und wächst stärker als erwartet. Aktionäre bleiben jedoch skeptisch.
Gute Nachrichten für Großaktionäre: Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und Sohn Georg Schaeffler können sich wieder über bessere Geschäfte freuen

Gute Nachrichten für Großaktionäre: Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und Sohn Georg Schaeffler können sich wieder über bessere Geschäfte freuen

Foto: DPA

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler ist in der Erholung von der Corona-Krise kräftiger gewachsen als erwartet und wird erneut optimistischer für das Gesamtjahr. Im zweiten Quartal steigerte Schaeffler den Umsatz unerwartet kräftig um die Hälfte auf 3,45 Milliarden Euro, wie das SDax-Unternehmen am Mittwoch in Herzogenaurach mitteilte. Das bereinigte operative Ergebnis betrug 319 Millionen Euro, die entsprechende Marge lag bei 9,2 Prozent.

Vor einem Jahr hatte Schaeffler wegen der wegbrechenden Automärkte in der Corona-Krise einen operativen Verlust von 159 Millionen Euro gemacht. Auch unter dem Strich konnte das Unternehmen diesmal wieder einen Gewinn vorweisen in Höhe von 227 Millionen Euro nach einem Verlust von 175 Millionen ein Jahr zuvor.

Das Management um Vorstandschef Klaus Rosenfeld rechnet nun 2021 mit einem währungsbereinigten Umsatzanstieg von mehr als 11 Prozent. Vorher standen über 10 Prozent im Plan. Dabei soll auch mehr operativer Gewinn herausspringen, die um Sondereffekte bereinigte Marge vor Zinsen und Steuern soll nun zwischen 8 und 9,5 Prozent liegen statt nur bei 7 bis 9 Prozent.

Rosenfeld machte deutlich, dass das zweite Halbjahr vermutlich nicht ganz so stark ausfallen werde wie das erste. Er führt die gute Entwicklung vor allem auf eine hohe Nachfrage zurück. "Die Märkte haben sich schneller erholt, als wir eigentlich gedacht hatten", sagte Rosenfeld am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Es gab mehr Nachfrage als gedacht, und das stößt auf eine relativ niedrige Kostenbasis", erklärte er.

Rosenfeld offen für Zusammenarbeit mit Vitesco

Zu den Zugpferden gehörten neue Geschäfte im Bereich der Nachhaltigkeit. "Unser Industriegeschäft wird einer der Profiteure des Trends zur Nachhaltigkeit sein", sagte Rosenfeld und nannte Windturbinen und Wasserstoff-Technik als Beispiele. "Bei der E-Mobilität ist unser Jahresziel schon jetzt erreicht", sagte Rosenfeld. Schaeffler erhielt im ersten Halbjahr Aufträge über 2,1 Milliarden Euro, etwa für Komponenten für Elektroantriebe. Ab 2022 habe sich das Unternehmen ein Ziel beim Auftragseingang in Höhe von zwei bis drei Milliarden Euro gesetzt. In Verbrenner-Technik werde nur noch sehr fokussiert investiert, sagt Rosenfeld.

Rosenfeld zeigte sich auch offen für eine Zusammenarbeit mit Vitesco. Zunächst müsse die Continental-Tochter ihren für den September angekündigten Ausgliederung schaffen, sagte der Schaeffler-Chef. Einen unmittelbaren Handlungsbedarf gebe es nicht. "Aber wenn eine Partnerschaft mit Vitesco im operativen Geschäft im Interesse beider Unternehmen ist, ist das etwas, was wir uns anschauen."

Hauptaktionär von Vitesco dürfte die Familie Schaeffler werden: Ihr gehören neben den Schaeffler-Stammaktien auch 46 Prozent von Continental. Der Autozulieferer will seine Antriebssparte an die Börse bringen und die Aktien dabei an die eigenen Aktionäre verteilen. Vitesco-Chef Andreas Wolf hatte zuletzt Spekulationen auf ein Zusammengehen mit Schaeffler zurückgewiesen.

Nach dem Scheitern der Dodge-Übernahme seien zudem Zukäufe möglich, sagte Schaeffler-Chef Rosenfeld. Die ABB-Sparte war Ende Juli für 2,9 Milliarden Dollar an die amerikanische RBC Bearings gegangen. Der Preis sei zu hoch für Schaeffler gewesen, betonte Rosenfeld. "Eine Übernahme muss strategisch und finanziell Sinn ergeben." Konkrete Ziele habe Schaeffler gegenwärtig nicht im Auge, allerdings kämen derzeit viele Angebote. Eine Verstärkung sei insbesondere im Industriegeschäft möglich. Die Sparte steuerte im ersten Halbjahr 1,7 Milliarden Euro Umsatz bei und ist damit der zweitwichtigste Bereich nach dem Autogeschäft.

Die Aktien von Schaeffler reagierten zwiegespalten auf die Geschäftszahlen und Aussichten: Zunächst legten die Papiere zu, konnten ihre Anfangsgewinne dann jedoch nicht halten. Den Anlegern waren die Quartalszahlen und der angehobene Ausblick der Franken offenbar nicht gut genug für eine charttechnische Befreiung und auch bei den Analysten waren die Reaktionen nicht überschwänglich.

Nach einem etwa ein Prozent höheren Start notierten die Papiere des Auto- und Industriezulieferers zuletzt 1,5 Prozent tiefer bei 7,10 Euro. Im Chart wird ersichtlich, dass sich der Kurs im Tageshoch einmal mehr vergeblich der 21-Tage-Linie näherte, die seit Anfang Juli nicht nachhaltig zurückerobert werden konnte. Im Tief waren sie zeitweise sogar bis nahe an die 7-Euro-Marke gefallen. Dort geriet die längerfristig relevante 200-Tage-Linie kurzzeitig in Gefahr.

cr/dpa/Reuters

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