Autozulieferer im Wandel Umstieg auf Elektromobilität kostet 1300 Jobs bei Schaeffler

Immer mehr Autobauer schwenken auf Elektroautos um, das bleibt auch für die Zulieferer nicht ohne Folgen. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld streicht daher jetzt rund 1300 Arbeitsplätze.
Kostenbremse: Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld will durch den Stellenabbau die Kosten um rund 100 Millionen Euro pro Jahr senken

Kostenbremse: Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld will durch den Stellenabbau die Kosten um rund 100 Millionen Euro pro Jahr senken

Foto: IMAGO/Sepp Spiegl / IMAGO/sepp spiegl

Der Herzogenauracher Auto- und Industriezulieferer Schaeffler streicht weltweit 1300 der insgesamt 83.000 Stellen. Rund 1000 Arbeitsplätze fallen in Deutschland weg, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Knapp drei Viertel des Kapazitätsabbaus betreffen Stellen in der Verwaltung sowie zentrale Funktionen im Bereich Forschung und Entwicklung für Verbrennungsmotoren, der Rest entfällt auf Stellen in der Produktion. An der Börse legten die Aktien  nach der Ankündigung um mehr als 10 Prozent zu.

In Deutschland sind im Wesentlichen die Standorte Herzogenaurach, Bühl und Homburg betroffen. Der Antriebswandel hin zur Elektromobilität komme schneller als erwartet, sagte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld (56). Der Stellenabbau sei eine Reaktion darauf, keine Folge der Gas- und Energiekrise. Mit den Stellenstreichungen will der Autozulieferer weiter Kosten senken. Die Kürzungen sollen Kostenerleichterungen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr bringen, die im Wesentlichen bis 2026 erzielt sein sollen.

In der Autobranche nimmt der Anteil der Elektroautos derzeit rapide zu. So verkaufte etwa BMW zuletzt doppelt so viele Elektroautos wie vor Jahresfrist. Einige Firmen haben bereits angekündigt, schon in wenigen Jahren keine neuen Verbrenner mehr auf den Markt zu bringen.

Schaeffler verweist darauf, dass Autohersteller ihre Entwicklungsaktivitäten für Verbrenner kontinuierlich reduzierten, was entsprechende Anpassungen bei dem Zulieferer notwendig mache. Elektroautos benötigen deutlich weniger Teile als Verbrenner – Kolben, Kurbelwellen oder Abgassysteme fallen ersatzlos weg, wenn ein Elektromotor die Achsen direkt antreibt. Insgesamt liegt die Wertschöpfung – Batteriezellen ausgenommen – im Antrieb von Elektroautos bei einem Drittel der Wertschöpfung für Verbrenner. Auch bei vielen anderen Zulieferern werden deswegen Stellen gestrichen.

Umsatz um ein Drittel gesteigert

Schaeffler erwirtschaftet rund 60 Prozent seines Umsatzes in der Autosparte; bei den Neuaufträgen entfällt inzwischen etwa die Hälfte auf das Geschäft mit Elektroautos. Der nun angekündigte Stellenabbau sei keine Änderung der Strategie und kein Ausstieg aus der Verbrennertechnologie, betonte Rosenfeld. "Aber wir müssen den Prozess begleiten, vielleicht schneller als gedacht."

Im dritten Quartal hat der Autozulieferer die Geschäfte im Vergleich mit dem coronageprägten Vorjahresquartal deutlich gesteigert. Der Gesamtumsatz zog um 27,3 Prozent auf 4,24 Milliarden Euro an, wie das SDax-Unternehmen am Dienstag in Herzogenaurach mitteilte.

Die vor einem Jahr stark in Mitleidenschaft gezogene Autozuliefersparte konnte noch etwas deutlicher um ein Drittel zulegen. Dabei half auch der schwache Euro.

Vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten kletterte das Ergebnis um ein gutes Drittel auf 355 Millionen Euro. Das war deutlich mehr als von Analysten zuvor im Schnitt erwartet. Unter dem Strich wuchs das Nettoergebnis um gut 13 Prozent auf 169 Millionen Euro. Die Jahresprognose behält Schaeffler bei.

dri/Reuters, dpa-afx
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