Traton-Tochter Scania räumt Bestechungsfälle ein

Die Traton-Tochter Scania hat hochrangige Mitarbeiter nach Bestechungsvorwürfen vor die Tür gesetzt. Derweil erwartet Traton selbst ein kräftiges Plus bei Absatz und Erlösen.
Scania-Produktion in Indien: Das Unternehmen hat den Verkauf von Bussen in Indien eingestellt und das Werk geschlossen, sagt der Vorstand

Scania-Produktion in Indien: Das Unternehmen hat den Verkauf von Bussen in Indien eingestellt und das Werk geschlossen, sagt der Vorstand

Foto: Aijaz Rahi/ AP

Der zur VW-Tochter Traton gehörende schwedische Lkw-Bauer Scania hat nach Medienberichten über Bestechungsfälle Fehlverhalten in Indien eingeräumt. Interne Ermittlungen hätten ergeben, dass Mitarbeiter, darunter auch hochrangige Manager, gegen die Regeln verstoßen hätten, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Betroffenen hätten Scania verlassen.

In Berichten unter anderem des schwedischen Nachrichtensenders SVT hatte es geheißen, Scania habe zwischen 2013 und 2016 Bestechungsgeld gezahlt, um Aufträge für Busse in sieben indischen Bundesstaaten zu erhalten. Ein Scania-Sprecher sagte, intern werde seit 2017 in dem Fall ermittelt.

Scania-Chef Henrik Henriksson (50) sagte SVT, das Unternehmen habe den Verkauf von Bussen in Indien eingestellt und das Werk geschlossen. "Wir waren vielleicht ein bisschen naiv, aber wir wollten es ... wir wollten es wirklich in Indien schaffen, haben aber die Risiken unterschätzt." Inzwischen seien die Verträge mit allen beteiligten Geschäftspartnern beendet worden. Die Verstöße richteten sich gegen die internen Vorschriften bei Scania, die Beweise reichten aber nicht für strafrechtliche Untersuchungen aus, sagte ein Sprecher.

Traton gibt sich optimistisch - Prognose blendet zwei Faktoren aus

Die Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton sagt indes für das laufende Jahr ein kräftiges Plus bei Absatz und Erlösen voraus. Die Auftragslage habe sich zuletzt deutlich verbessert, teilte das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Die operative Gewinnmarge dürfte zwischen 5 und 6 Prozent liegen. "Wir blicken optimistisch auf das Jahr 2021 und erwarten einen starken Absatzanstieg und einen erheblich steigenden Umsatz", sagte Traton-Chef Matthias Gründler (55). Im Vorkrisenjahr 2019 hatte Traton noch eine Gewinnmarge von sieben Prozent erreicht.

Allerdings seien in der Prognose noch keine Aufwendungen für die Restrukturierung bei MAN enthalten, hieß es weiter. Der Münchner Lastwagen- und Bus-Hersteller hinkt bei den Renditen weit hinter der schwedischen Schwestermarke Scania her. Bis Ende kommenden Jahres sollen 3500 Stellen wegfallen. Traton rechnet den Angaben zufolge mit Restrukturierungskosten im oberen dreistelligen Millionenbereich, vor allem für den Personalabbau. Auch die Übernahme des US-Herstellers Navistar sei noch nicht in der Prognose berücksichtigt.

Traton hatte 2020 die Pandemie deutlich zu spüren bekommen; der Umsatz sank um 16 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro, der bereinigte Betriebsgewinn brach auf 135 Millionen Euro ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von 124 Millionen Euro. Dennoch sollen die Aktionäre eine Dividende von 25 Cent je Aktie erhalten.

rei/Reuters/dpa-afx
Mehr lesen über