Ölstaat sucht Weg in abgasfreie Zukunft Saudi-Arabien prüft eigene Elektroauto-Fertigung

Mit seinem Staatsfonds PIF war Saudi-Arabien lange am Elektroauto-Pionier Tesla beteiligt – bevor der Fonds auf den Konkurrenten Lucid Motors umsattelte. Nun verdichten sich Hinweise, dass es dabei nicht nur um eine Finanzbeteiligung geht.
"Air" macht was her: Das erste Modell "Air" des Elektroauto-Herstellers Lucid Air, an dem der saudische Staatsfonds PIF beteiligt ist, könnte durchaus als Grundlage für eine eigene saudische E-Auto-Marke dienen

"Air" macht was her: Das erste Modell "Air" des Elektroauto-Herstellers Lucid Air, an dem der saudische Staatsfonds PIF beteiligt ist, könnte durchaus als Grundlage für eine eigene saudische E-Auto-Marke dienen

Foto: PR

Große Ölvorräte, aber nur wenig produzierende Industrie: Daran krankt Saudi-Arabiens Wirtschaftsstruktur schon seit langem. Kein Wunder, dass der umstrittene Kronprinz des Landes, Mohammed bin Salman (35), auf eine stärkere Öffnung des Landes für ausländische Investoren drängt.

Dass dabei auch ein eigenes Autowerk im Land durchaus erwünscht wäre, ist seit gut einem Jahrzehnt ein offenes Geheimnis. Vor einigen Jahren überlegte etwa der britische Hersteller Jaguar Land Rover, ein Werk in dem Wüstenstaat hochzuziehen. Sogar eine Absichtserklärung unterzeichneten die Briten dafür, 2013 erklärte der damalige CEO Ralph Speth, dass sich die Gespräche darüber "in fortgeschrittenem Stadium" befänden.

Aus dem Projekt wurde nichts – doch nun nimmt Saudi-Arabien offenbar einen weiteren Anlauf mit einem moderneren Ansatz: Wie Bloomberg berichtet , hat das Land offenbar Berater angeheuert, die den Aufbau einer eigenen Elektroauto-Marke in dem Land prüfen sollen. Zu den beauftragten Consultants soll laut dem Bericht auch die Boston Consulting Group zählen.

Das Projekt sei verknüpft mit bereits existierenden Plänen, eine Autozuliefererindustrie im Land aufzubauen und die lokale Fertigung zu forcieren, heißt es in dem Bericht, der sich auf mit der Sache vertraute Personen beruft.

Als Steigbügelhalter für solche Pläne dürfte wohl auch der Saudische Staatsfonds PIF eine Rolle spielen. Der 400 Milliarden Dollar schwere Fonds war mit einem kleinen Anteil am Elektroauto-Pionier Tesla beteiligt, verkaufte seine Anteile aber Ende 2019. Das passierte, nachdem Tesla-Chef Elon Musk in einem Tweet erwähnte, Tesla von der Börse zu nehmen – mit Hilfe saudischer Investoren. Musks erratischer Tweet, der ihm Probleme mit der US-Börsenaufsicht SEC einbrachte, hat die PIF-Manager zum Komplettrückzug bewogen.

Doch kurz darauf stiegen sie mit einer Milliarde Dollar bei dem Elektroauto-Start-up Lucid Motors ein, das via Spac-Vehikel an die Börse gegangen ist und dessen Kursentwicklung den Saudis satte Buchgewinne verschafft hat.

Offenbar soll Lucid aber nun eine wichtige Rolle bei den Autoplänen des Königreichs bekommen: Der PIF und Lucid sollen über den Bau eines Elektroauto-Werks nahe Jeddah am roten Meer verhandeln, wie Bloomberg bereits im Januar berichtete.

Die von Lucid entwickelte Plattform und Elektroauto-Technologie, die demnächst bei der Serienfertigung des Modells "Air" eingesetzt wird, könnte wohl auch bei einem eigenen saudischen Elektroauto eingesetzt werden. Die Saudis wären beileibe nicht das einzige Land, das Pläne für den Aufbau einer nationalen Automarke wälzt: In der Türkei steht bereits ein eigener Elektro-SUV des nationalen Togg-Konsortiums in den Startlöchern, über den manager magazin bereits berichtete. Und in Vietnam gibt es mit dem jungen Autohersteller Vinfast ebenfalls einen E-Auto-Aspiranten, der künftig Elektro-SUVs für das asiatische Land produzieren will.

Mit den tiefen Taschen des Staatfonds PIF hätte Saudi-Arabien wohl das entsprechende Kapital, um ein solches nationales Autoprojekt in größerem Maßstab anzuschieben. Die weltweite Konkurrenz bei Elektroauto-Marken ist aber nicht gerade klein: In China gibt es Dutzende Hersteller, die sich daran versuchen, auch wenn wohl nur eine Handvoll tatsächlich auch globalere Ambitionen hegt.

Bislang hält sich Saudi-Arabien zu seinen Plänen allerdings sehr bedeckt. Im Januar erklärte PIF-Chef Yasir Al-Rumayyan laut Bloomberg immerhin, dass das Königreich in diesem oder nächsten Jahr konkrete Schritte für den Ausbau der lokalen Fertigung beschließen wolle.

Zunächst gehe es um Elektrogeräte, so der PIF-Chef. Was Autos betreffe, schaue man sich aktuell mehr als ein Projekt an. "Diese werden in diesem Jahr oder spätestens nächstes Jahr ausgeführt", so Al-Rumayyan.

wed
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.