Audi-Manager wegen Betrugs angeklagt Stadler vor Gericht - erster großer Strafprozess in Deutschland

Rupert Stadler: Der Ex-Audi-Chef saß zeitweise in Untersuchungshaft. Für den Prozess gegen ihn und drei weitere Audi-Manager sind 176 Verhandlungstage angesetzt

Rupert Stadler: Der Ex-Audi-Chef saß zeitweise in Untersuchungshaft. Für den Prozess gegen ihn und drei weitere Audi-Manager sind 176 Verhandlungstage angesetzt

Foto: Armin Weigel/ dpa

Im Dieselskandal bei Volkswagen plant das Landgericht München einen Mammut-Prozess gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler. Die Gerichtsverhandlung über die massenhafte Manipulation von Abgaswerten allein bei der Ingolstädter Volkswagen-Tochter dürfte nach vorläufiger Planung mehr als zwei Jahre dauern. Das Gericht will mit dem Strafprozess am 30. September beginnen und hat 176 Verhandlungstage bis Ende 2022 angesetzt, wie die Münchner Justiz am Montag mitteilte. Es handelt sich um den ersten großen Strafprozess im Dieselskandal in Deutschland.

Die Geächteten: Wie die VW-Bosse ins Visier der Ermittler gerieten 

Die Wirtschaftskammer ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Stadler, den früheren Audi- und Porsche-Manager Wolfgang Hatz und zwei weitere Ingenieure den Angaben zufolge im wesentlichen unverändert zu. Die Staatsanwaltschaft hatte die vier im Juli vergangenen Jahres nach jahrelangen Ermittlungen wegen Betrugs, mittelbarer Falschbeurkundung und strafbarer Werbung angeklagt. Stadler, Hatz und ein weiterer Beschuldigter saßen vorübergehend in Untersuchungshaft. Stadler musste Audi verlassen.

Täuschung bei Audi, Porsche und VW

Weil Audi eine zentrale Rolle bei der Motoren-Entwicklung des Volkswagen-Konzerns spielt, sollen die vier Angeklagten laut Staatsanwaltschaft für hunderttausendfache Täuschung nicht nur bei Audi, sondern auch bei den Schwestermarken Porsche und VW verantwortlich sein. Stadler hätte spätestens nach Auffliegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte im September 2015 eingreifen müssen, lautet der Vorwurf der Strafverfolger. Stadler und Hatz haben die Vorwürfe nach früheren Angaben zurückgewiesen. Am Montag waren von ihren Verteidigern zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Die Münchner Anklage umfasst 250.712 Autos der Marke Audi, 112.131 Pkw der Marke Porsche und 71.577 VW-Fahrzeuge. Sie seien mit illegaler Software ausgestattet worden, die dafür gesorgt habe, dass die Fahrzeuge bei Abgastest auf dem Prüfstand sauberer erschienen als im Straßenverkehr. Die Fahrzeuge seien in betrügerischer Absicht in den USA, Europa und weiteren Regionen verkauft worden.

Mammut-Prozess dürfte mehr als zwei Jahre dauern

Der Skandal um die millionenfache Manipulation von Abgaswerten im Volkswagen-Konzern insgesamt war im September 2015 von US-Behörden aufgedeckt worden. Volkswagen gab auf Druck der dortigen Umweltbehörden zu, Diesel-Abgase durch eine Software manipuliert zu haben. Diese erkannte, ob sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befand und hielt auch nur dann die Stickoxidwerte ein. Auf der Straße waren die Werte um ein Vielfaches höher.

Die Wiedergutmachung kostete Volkswagen bislang mehr als 30 Milliarden Euro. Weltweit kam es zu Ermittlungen und Prozessen, die erst zu einem Teil abgeschlossen sind. In Braunschweig wurde unter anderem der im Dieselskandal zurückgetretene Volkswagen-Chef Martin Winterkorn wegen schweren Betrugs und unlauteren Wettbewerbs angeklagt. Er will sich in dem erwarteten Braunschweiger Strafprozess ebenfalls zur Wehr setzen. Eine Entscheidung des Gerichts über eine Zulassung der Anklage steht noch aus. Ein Strafverfahren gegen den heutigen Volkswagen-Chef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch wegen Marktmanipulation wurde gegen Geldauflagen eingestellt.

von Jörn Poltz, Reuters