Abgasskandal Ex-Audi-Chef Rupert Stadler erhält keinen eigenen Prozess

Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wird wohl jahrelang zusammen mit drei Motorentwicklern auf der Anklagebank sitzen müssen. Das Landgericht München hat den Antrag auf Abtrennung seines Verfahrens abgelehnt.
Rupert Stadler (r.) im Gespräch mit Anwältin Ulrike Thole-Groll

Rupert Stadler (r.) im Gespräch mit Anwältin Ulrike Thole-Groll

Foto: PETER KNEFFEL / AFP

Ex-Audi-Chef Rupert Stadler (57) bekommt keinen eigenen Prozess. Das Landgericht München II lehnte am Dienstag den Antrag auf Abtrennung des Verfahrens gegen den prominentesten der vier Angeklagten im Prozess um den Dieselskandal ab. Es sei "zweckmäßig", das Verfahren gemeinsam weiterzuführen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Weickert. Stadlers Rechte würden dadurch nicht übermäßig eingeschränkt. Es werde eine umfangreiche Beweisaufnahme unter Wahrung der Verteidigungsrechte aller Beteiligten geben.

Stadlers Verteidiger hatten moniert, dass es nicht sinnvoll sei, ihren Mandanten zusammen mit den drei anderen Angeklagten vor Gericht zu stellen. Diese sollen zusammen ab 2008 Abgastricksereien an Audi-Dieselmotoren veranlasst haben. Stadler wird dagegen vorgeworfen, den Verkauf manipulierter Fahrzeuge ab Herbst 2015 nicht gestoppt zu haben. Zudem kritisieren Stadlers Verteidiger, dass viele andere Beschuldigte als Zeugen ausfallen könnten, weil sie die Aussage verweigern können.

Der Vorsitzende Richter hielt dem nun entgegen, dass man sich bei der Auswahl der Beschuldigten im Prozess keineswegs auf einen vermeintlichen Kern des Tatvorwurfs konzentrieren müsse. Im aktuellen Komplex gehe es um mögliche Straftaten über mehrere Hierarchieebenen hinweg und durch viele Beteiligte. Es könne durchaus sinnvoll sein, dem anhand ausgewählter Angeklagter nachzukommen. Dass Zeugen möglicherweise die Aussage verweigerten, sei ein Problem, das bei einer anderen Kombination auch andere Beschuldigte vorbringen könnten.

Die Anwälte des langjährigen Audi-Chefs hatten die Abtrennung vergangene Woche beantragt. In ihrer Begründung machten sie der Münchner Justiz deutliche Vorwürfe. Das Verfahren sei "grob unfair", sagte Verteidiger Thilo Pfordte. Im Kern der Kritik steht, dass Stadler zusammen mit den drei anderen Beschuldigten angeklagt wird, obwohl ein großer Teil der ihnen vorgeworfenen Handlungen ihn nicht betrifft. Zudem kritisiert die Verteidigung, dass so wichtige Zeugen fehlen würden, weil sie als Beschuldigte in anderen Verfahren die Aussage verweigern könnten.

Die Staatsanwaltschaft argumentiert damit, dass gegen Stadler ein Haftbefehl existiere. Auch wenn dieser inzwischen ausgesetzt sei, müsse Stadlers Fall deshalb schnell verhandelt werden.

akn/dpa
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