Jim Hackett löst Ford-CEO Fields ab Dieser Möbelexperte führt jetzt den US-Autobauer Ford

Jim Hackett ist Fords neuer CEO

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Ist es der seit langem sinkende Aktienkurs, der den Elektroauto-Emporkömmling Tesla  bei Börsenbewertung an Ford  vorbeiziehen ließ? Das vor wenigen Tagen verkündete Sparprogramm? Oder der nicht ganz klare Fahrplan in die Zukunft, der jüngst in der milliardenteuren Übernahme eines Spezialisten für künstliche Intelligenz gipfelte? Noch ist nicht sicher, mit welchem Schritt Ford-CEO Mark Fields den Verwaltungsrat von Amerikas zweitgrößtem Autohersteller erzürnt hat.

Klar ist allerdings, dass die Ära Fields nach nur drei Jahren zu Ende ist: Wie Ford nun offiziell mitteilte, geht der 56-jährige Fields in den Ruhestand. Das ist eine hübsche Umschreibung dafür, dass Fords Aufsichtsräte ihn rausgeworfen haben. Nachfolgen wird Fields der bisherige Leiter der Sparte für autonomes Fahren, James P. Hackett.

Hackett ist eine höchst ungewöhnliche Wahl für den Chefsessel des zweitgrößten US-Autoherstellers. Denn der 62-jährige ist nicht nur ein paar Jahre älter als Fields und damit keine Verjüngung an der Spitze. Hackett bringt zudem nur magere drei Jahre Erfahrung in der Autobranche mit.

Von 2013 an war er Mitglied des Ford-Verwaltungsrats, der in vielen Aspekten einem einem deutschen Aufsichtsrat entspricht. Seit etwas mehr als einem Jahr, genauer seit 10. März 2016, leitet Hackett die Sparte Ford Smart Mobility. In der Holding bündelt Ford seine Aktivitäten in Richtung autonomes Fahren, Konnektivität und neuen Mobilitätsdiensten.

Auch für diesen Posten war Hackett qua Lebenslauf eine ungewöhnliche Wahl. Denn der auch in den USA nur wenig bekannte Manager hat den Großteil seines Berufslebens in der Möbelbranche verbracht - als Chef des zeitweise weltgrößten Büromöbelausstatters Steelcase. Den Möbelhersteller aus Michigan leitete Hackett von 1994 bis 2014.

Netzwerken beim Frühstücken - mit den Gefeuerten

Berichten zufolge führte Hackett Steelcase ziemlich erfolgreich durch schwere Zeiten. Hackett, den in den USA alle "Jim" nennen, erkannte früh den Trend zu offenen Großraumbüros und verordnete Steelcase einen harten Sanierungskurs. Die Hälfte der Mitarbeiter musste gehen, darunter auch viele gut ausgebildete Leute. Doch anders als manche Topmanager kümmerte sich Hackett auch persönlich darum, dass die von ihm Entlassenen neue Jobs fanden.

Wie lokale US-Medien berichten, ging er regelmäßig mit den gefeuerten Managern frühstücken. Dabei bot Hackett seinen Frühstücks-Gesprächspartnern an, ihnen durch Kontakte aus seinem Netzwerk bei der Jobsuche zu helfen. "Ich musste es spüren. Sonst läuft man Gefahr, das Gespür dafür zu verlieren, was sie durchmachen mussten", erklärte Hackett seinen Schritt. Er wollte die Macht seines Jobs dafür nutzen, ihnen so viel Gutes wie möglich zu tun. Das habe bei jedem von ihnen funktioniert, erzählte er der Lokalzeitung "Grands Rapids Press" einmal.

Auch mit solchen weniger populären Maßnahmen wandelte er Steelcase von einem traditionellen Büromöbelhersteller zum einer Art Designer für Büroabeitsflächen um. Anfang der 1990er setzte Steelcase noch im großen Umfang auf die in US-Büros bekannten "Cubicles", also die wabenförmigen Arbeits-Einzelzellen. Heute ist Steelcase als Ausrüster von offenen Großraumbüros und Ausrüstung für Videokonferenzen bekannt.

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" brach Hackett nicht nur eine Lanze dafür, in Büros mehr café-artige, gemeinsam genutzte Arbeitsflächen zu haben. In dem Gespräch ging es nur am Rande um Zahlen, Umsatzerwartungen oder große Wachstumsgebiete. Hackett sprach lieber über gesellschaftliche Umwälzungen, die Nutzung von Smartphones oder die Vorstellungen junger Arbeitnehmer. All das manifestiere sich eben in neuen, offeneren Büros.

Schon bisher hatte Hackett ein "ziemlich breites Mandat"

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Auch um provokante Statements war Hackett nicht verlegen: "Wir alle arbeiten wahrscheinlich zu viele Stunden", erklärte er damals unverblümt. Und er frage sich, ob es in den Betrieben immer um mehr Produktivität gehen müsse. Wohl auch wegen solcher Aussagen hat Hackett sich den Ruf eines Visionärs erworben.

Seinen Job als Leiter von Fords Mobilitätstochter beschrieb Hackett er einmal so: Laut Mark Fields solle er Ford verstehen helfen, welche Art von Geschäftsmodellen im neuen Raum der Mobilität notwendig sind. "Das ist ein ziemlich breites Mandat", sagte er Ende November 2016 gegenüber dem "Wall Street Journal". Er habe zudem eine Lizenz für kreative Ideen bekommen, von denen er einige schnell umsetzen wolle, erläuterte Hackett damals. Allerdings machte Hackett auch ordentliche Vorgaben für die Mobilitätsdienste: Die sollten einst auf Gewinnmargen von 20 Prozent oder mehr kommen.

Ein Mann der auf die Kosten schaut und schnelle Gewinne im Blick hat, aber gleichzeitig auch weit in die Zukunft blickt: Das dürfte nach dem Geschmack sein von Bill Ford, Familienspross und Ford-Verwaltungsratsvorsitzender. Zwar war der bisherige CEO Fields ab April 2013 der handverlesene Nachfolger von Alan Mulally, der Ford mutig und erfolgreich durch die Krise der Jahre 2008 und 2009 steuerte.

Große Investments - bei sinkenden Marktanteilen

Fields richtete Ford zwar in den vergangenen Monaten merklich in Richtung autonomes Fahren und Elektroautos aus: Der zweitgrößte US-Autohersteller will bis 2020 13 neue Modelle mit Elektroantrieb auf die Straße bringen, wofür der Konzern rund 4,5 Milliarden Dollar investiert. Zudem will Ford bereits ab 2021 ein selbstfahrendes Fahrzeug in Großserie auf den Markt bringen.

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Wohl auch dafür hat Ford vor kurzem für rund eine Milliarde Dollar in Argo AI investiert. Das Startup hat sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert und soll Ford dabei helfen, eine neue Softwareplattform für Roboterautos zu entwickeln.

Billig sind diese Investments nicht. Doch sauer aufgestoßen sind Fords Kontrollorganen wohl ein paar unangenehmere interne Zahlen. So hat Ford zuletzt merklich Marktanteile in den USA verloren. Einen Teil davon hat Fields in Kauf genommen, um sich nicht an den Rabattschlachten der Konkurrenz zu beteiligen.

Doch Besserung im Heimatmarkt ist kaum in Sicht, da Ford in einigen besonders wachstumsstarken Segmenten die richtigen Modelle fehlen. So hat der Hersteller keinen Klein-SUV im Angebot, ein mittelgroßer Ford-Pickup fehlt dem Unternehmen ebenfalls.

Das dürften einige handfeste Gründe dafür, dass Fords Aktienkurs seit Fields Amtsantritt um 40 Prozent gesunken ist. Damit hat auch die Eigentümerfamilie keine große Freude. Zumal an der Börse nun der Elektroautohersteller Tesla Motors mehr wert ist als Ford. Dabei stellte Tesla im vergangenen Jahr gerade mal 100.000 Fahrzeuge her, bei Ford waren es 6,6 Millionen. Es wird Hacketts Aufgabe sein, nicht nur dieses vergleichsweise kleine Rennen schnell zu gewinnen.

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